Lob des Löwenzahns

Dicht, grün und kräftig soll der Rasen sein. Doch besser als der kurzgeschorene Rasen nach Briten-Style ist für Insekten und andere Arten eine Wiese mit verschiedenen Gräsern und Kräutern.


Eine Wiese mit Löwenzahn und anderen Gräsern
Für Biene und Co ist der Löwenzahn ein ergiebiger Pollen- und Nektarlieferant. (Foto: Julita Pasja/​Pixabay)

Dicht soll er sein, grün und kräftig. So wünschen sich viele Gartenbesitzer ihren Rasen. Damit das klappt, ist Arbeit angesagt.

Von wegen: Gras wächst von selber. Weit gefehlt. Vertikutieren, dreimal im Jahr düngen, regelmäßig, aber nicht zu kurz mähen, Wildgräser wie die "Gemeine Rispe" ausmerzen.

Wer sich an die Empfehlungen der traditionellen Gartenratgeber (und der Gartenabteilungen im Baumarkt) hält, kommt ganz schön ins Schwitzen.

Die Manie, man könne und müsse dem Rasen den eigenen ästhetischen Willen aufzwingen, kommt ursprünglich aus England. Dort ist dem Hausbesitzer nichts heiliger als Optik der grünen Fläche vor dem Wohnzimmer.

Denn: Wer weiß, vielleicht kommt ja Ihre Majestät kurz auf eine Tasse Tee vorbei, und was wäre da peinlicher als Löwenzähne, die ihre gelben Köpfe dort herausrecken. Der makellose Rasen ist auf der grünen Insel ein Kulturgut, nicht nur im Fußball-Stadion oder beim Tennismatch in Wimbledon.

Hierzulande kann man die Sache entspannter angehen. Zum "Tag des Gartens", der an diesem Sonntag stattfindet, muss das mal gesagt werden.

Wenn sich zwischen der "guten Rasenmischung" aus Deutschem Weidelgras (Lolium perenne), Wiesenrispe (Poa pratensis), Rotschwingel (Festuca rubra), Straußgras (Agrostis) und Schlafschwingel (Festuca ovina) ein anderes Kraut ansiedelt, das womöglich bestäubende Insekten wie Bienen und Hummeln anlockt, ist das kein Unglück. Sondern sogar das Gegenteil, also: ein Glück.

Es gibt in Deutschland immerhin 17 Millionen Privat- und Kleingärten, die 2,6 Prozent der Gesamtfläche des Landes belegen. Sie können wertvolle Lebensräume für Insekten und andere Arten sein.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Allerdings müssen sie dazu naturnah und pestizidfrei bewirtschaftet werden. Und dazu gehört, hier und dort den Rasen eine Wiese werden zu lassen.

Was in Zeiten des Klimawandels ohnehin sinnvoll ist. Denn so eine Wiese kommt mit den zunehmenden Hitze- und Dürreperioden besser zurecht als der kurzgeschorene Rasen nach Briten-Style.

Für den haben Grünexperten übrigens nun schon neue Varianten mit Gräsern entwickelt, die bis zu zwei Meter tiefe Wurzeln ausbilden, um in Sommern wie 2018 und 2019 nicht schlappzumachen. Kaufen kann man sie als "Hitze- und Trockenrasen" von der Rolle. Wer's braucht ...

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