Einfach umsteigen

Allein auf E-Autos und technische Verbesserungen zu setzen, wird den Verkehrssektor nicht ausreichend klimafreundlich machen. Veränderungen im persönlichen Mobilitätsverhalten bringen hingegen überraschend viel, zeigt eine Untersuchung.


Blick aus einem Bus auf drei Fußgänger
Die persönliche Verkehrswende ist auch ohne Verzicht auf Mobilität möglich. (Foto/Ausschnitt: Thomas Ulrich/​Pixabay)

Viele sehen im Umstieg auf E-Autos die Lösung für eine klimafreundliche Mobilität. Vor allem auch die Autoindustrie, die sich ihre Absatzmärkte auch in für die Zukunft sichern will.

Allerdings wird eine Eins-zu-eins-Umstellung von Verbrenner- auf Strom-Pkw den CO2-Ausstoß zu langsam senken, um die Klimaziele zu erreichen.

Eine Untersuchung zeigt hingegen, dass zumindest in Großstädten ein Umstieg auf den "Umweltverbund" – Busse, Bahnen, Fahrrad, Zu-Fuß-Gehen – und ein cleveres Verhalten bei der Planung der zurückgelegten Wege die Emissionen viel schneller und vor allem radikal senken kann.

In der heiß laufenden Debatte um die richtige Verkehrswende-Strategie in Deutschland hat sich jetzt der Umweltwissenschaftler Markus Profijt zu Wort gemeldet, der das Mobilitätsverhalten von Großstädtern in seiner Doktorarbeit untersuchte.

In der Fachzeitschrift Ökologisches Wirtschaften, herausgegeben vom Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) in Berlin, verweist Profijt darauf, dass technische Verbesserungen gerade im Verkehrssektor seit 1990 unter dem Strich keinerlei CO2-Minderung gebracht haben. Tatsächlich ist der Klimagas-Ausstoß hier in den letzten Jahren sogar wieder angestiegen.

Umso höher sind die Anforderungen für die Zukunft. Bis 2030 soll der CO2-Ausstoß in dem Bereich laut dem Klimaschutzplan der Bundesregierung um mindestens 40 Prozent und bis 2050 um 80 bis 95 Prozent sinken. Es stelle sich also die Frage, "ob geändertes Verhalten dieses erreichen kann", so Profijt.

Bis zu 90 Prozent Reduktion sind möglich

Untersucht hat der Experte diese Frage anhand von 32 Wuppertaler Bürgern, die ihre Alltagsmobilität mit einem deutlich geringeren CO2-Ausstoß bewältigen als der Durchschnitt – also im Vergleich zu anderen Personen in der gleichen Lebensphase.

27 von ihnen hatten ein ÖPNV-Abo, aber immerhin 20 auch mindestens ein Auto im Haushalt zur Verfügung. Im Schnitt schafften die 32 Teilnehmer eine beachtliche Minderung der Treibhausgase um rund 63 Prozent gegenüber dem Schnitt. Doch selbst die sieben, die als Hauptverkehrsmittel ein Auto benutzen, lagen bei minus 41 Prozent.

Ebenfalls verblüffend: Das Drittel der CO2-sparsamsten Teilnehmer erreichte sogar fast 90 Prozent Reduktion. Das heißt, sie schafften bereits heute die Vorgabe, die die Bundesregierung für 2050 für notwendig hält – und zwar allein durch ihr intelligentes Verkehrsverhalten.

Dabei ist interessant, dass die Teilnehmer keineswegs auf Mobilität verzichtet haben, wie man vielleicht vermuten könnte. Allerdings sind die von ihnen zurückgelegten Wege, etwa zum Einkaufen, Arbeiten oder Sport, im Schnitt rund 30 Prozent kürzer als sonst üblich.

Erreicht wurde das unter anderem dadurch, dass sie gezielt Erledigungen oder Einkäufe in andere Wege, etwa zur Arbeit, integrierten. Gut ein Drittel gab auch an, den Wohnort bewusst so gewählt zu haben, dass er nah zur Arbeitsstelle liegt.

Zudem nutzten die 32 das Auto im Schnitt 2,6-mal seltener als der "normale" Wuppertaler. Dafür waren sie entsprechend öfter zu Fuß, per Fahrrad oder ÖPNV unterwegs.

Der Einzelne kann viel tun

Übertragbar auf alle Regionen in Deutschland ist Profijts Ergebnis nicht. So leben alle seiner 32 "Probanden" in Stadtteilen mit guter Nahversorgung und einem guten ÖPNV-Angebot. Auf dem Land, wo die Infrastruktur bröselt, funktioniert das nur eingeschränkt.

Allerdings zeigt der Experte auf, wie viel der Einzelne mit entsprechender Unterstützung durch kluge Verkehrs- und Strukturpolitik doch tun kann.

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