Ökoenergie-Jobs: Zehn-Millionen-Marke geknackt

Immer mehr Menschen arbeiten in der Erneuerbaren-Branche. Allein 2017 kamen eine halbe Million Beschäftigte in dem Sektor hinzu. Allerdings ballen sich die Jobs in nur wenigen Ländern. Ein Grund: Entwicklungsbanken steuern zu langsam um.


Zwei Arbeiter montieren ein Solarmodul.
Zukunftsfähige Jobs trotz Trump: Zwei Arbeiter in den USA montieren ein Solarmodul. (Foto: Skeeze/Pixabay)

Die Energiewende fungiert als weltweiter Jobmotor: Mehr als zehn Millionen Menschen arbeiten inzwischen im Erneuerbaren-Sektor. Mit einer halben Million neuer Jobs 2017 – ein Plus von 5,3 Prozent gegenüber 2016 – wurde die symbolträchtige Marke überschritten. Das geht aus einem neuen Bericht der Internationale Organisation für erneuerbare Energien Irena hervor, der in Abu Dhabi vorgestellt wurde.

Die Arbeitsplätze verteilen sich allerdings nicht gleichmäßig über die ganze Welt, sondern ballen sich in einigen wenigen Ländern, so ein weiteres Ergebnis des Berichts. So entfallen auf China, Brasilien, die USA, Indien, Deutschland und Japan 70 Prozent aller Jobs in dem Sektor. 60 Prozent finden sich allein in Asien.

In China wurden 3,9 Millionen Arbeitsplätze gezählt, in der EU knapp 1,3 Millionen (davon in Deutschland 332.000), in Brasilien knapp 893.000 (vor allem durch die Biosprit-Industrie) und in den USA 786.000.

"Erneuerbare Energien sind zu einer tragenden Säule des CO2-armen wirtschaftlichen Wachstums für Regierungen rund um die Welt geworden", sagte Irena-Direktor Adnan Amin. "Die Daten heben darüber hinaus hervor, dass sich die Gewinne für Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt am klarsten in den Ländern zeigen, in denen es attraktive politische Rahmenbedingungen gibt." Amin geht davon aus, dass bis zur Jahrhundertmitte bis zu 28 Millionen Jobs im Erneuerbaren-Sektor entstehen können.

Unter allen Ökoenergien gibt es die meisten Jobs in der Solarbranche (3,4 Millionen). 2017 verzeichnete diese ein Wachstum von neun Prozent, was angesichts der Rekordinstallation von 94.000 Megawatt Nennleistung kaum verwundert.

Größter Antreiber ist China, das allein zwei Drittel der neuen Jobs schuf (2,2 Millionen). Dahinter folgen Japan und die USA, dann Indien und Bangladesch. Die fünf Länder vereinen 90 Prozent der weltweiten Jobs in der Photovoltaik-Industrie auf sich.

In der Windbranche hingegen gab es nur einen Zuwachs von 1,15 Millionen neuen Jobs. In dem Sektor stellt China "nur" 44 Prozent der Jobs, Europa 30 Prozent und Nordamerika zehn Prozent.

Industrieländer im Vorteil

Die ungleiche Verteilung der Arbeitsplätze in der Welt hat verschiedene Gründe. Zunächst gilt die Faustregel, dass dort, wo am meisten Ökoenergie-Anlagen produziert werden, auch die meisten Arbeitsplätze zu finden sind. Die Industrieländer haben hier schon allein deswegen einen Vorteil, weil sie nicht nur mehr finanzielle Ressourcen und Know-how für den Aufbau von Erneuerbaren haben, sondern auch eine bessere Infrastruktur, was auch Investoren eher anlockt.

"Die Kosten der Ökoenergien sind zwar seit einigen Jahren dramatisch gefallen, allerdings setzen manche Länder wie zum Beispiel Indonesien oder Vietnam noch stark auf Kohle statt auf erneuerbare Energien", erklärt Klimaexperte Jan Burck von Germanwatch gegenüber Klimareporter. "In vielen Ländern liegt der Energiemarkt noch in der Hand von Monopolisten, die gewohnt sind, in Großkraftwerken zu denken und nicht dezentral."

Die große Herausforderung ist es, vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländern die Energiewende zum Laufen zu bringen, da diese Länder heute schon den Großteil der CO2-Emissionen verursachen. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Entwicklungsbanken. Je mehr sie ihre Gelder von fossilen in Erneuerbare-Energie-Projekte umschichten, desto stärker kurbeln sie die Energiewende in den Entwicklungsländern an.

Zwar sind die großen Entwicklungsbanken tatsächlich dabei, ihre Gelder zu verlagern, allerdings agiert keine von ihnen bislang im Einklang mit den Zielen des Pariser Klimavertrags. Das geht aus einem Bericht der Londoner Denkfabrik E3G hervor, der am Mittwoch auf der UN-Klimazwischenkonferenz in Bonn vorgestellt wurde. 2016 haben die Entwicklungsbanken demnach mehr als 27 Milliarden Dollar für Klimafinanzierung ausgegeben.

Zwar gebe es Lichtblicke wie die Interamerikanische Entwicklungsbank, die Europäische Investitionsbank oder die Weltbank, die nach 2019 kein Geld mehr in die Erschließung und Förderung von Öl- und Gasvorkommen fließen lassen will. Aber auch eine Reihe von Negativbeispielen würden existieren, wie die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung EBRD, die in der Studie am schlechtesten abschneidet. In diesem Jahr will die Bank, an der Deutschland einen Kapitalanteil von fast neun Prozent hält, ihre Strategie für den Energiebereich überarbeiten.

"Die Analyse zeigt, dass die Entwicklungsbanken bereits mehrere innovative Projekte zur Steigerung der Klimainvestitionen finanzieren", sagte die Hauptautorin Helena Wright bei der Vorstellung des Berichts. "Aber sie müssen schneller und weiter vorangehen, um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern."

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