Das schwächste Quartal des Jahrtausends

Im ersten Quartal des Jahres gingen so wenig neue Windenergieanlagen ans Netz wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Das ergibt eine Auswertung der Fachagentur Windenergie an Land.


Windräder, im Vordergrund ein Fluss und ein Wald
Der Ausbau der Windenergie an Land geht zu langsam. (Foto: Friederike Meier)

Die schlechten Nachrichten aus der Windbranche reißen nicht ab: Wie die Fachagentur Windenergie an Land ermittelt hat, war das erste Quartal dieses Jahres das ausbauschwächste seit dem Jahr 2000. Von Januar bis März 2019 gingen demnach in ganz Deutschland nur 41 neue Windenergieanlagen mit einer Nennleistung von insgesamt 134 Megawatt ans Netz.

Die Agentur hat dabei nur solche Anlagen berücksichtigt, die eine Kapazität von mehr als 750 Kilowatt haben und damit an den Ausschreibungen teilnehmen dürfen.

Der Zubau liegt laut der Agentur fast 90 Prozent unter dem Niveau des jeweils ersten Quartals in den vergangenen drei Jahren. Der Einbruch sei der vorläufige Tiefpunkt einer Entwicklung, die schon in den vergangenen Jahren begonnen hat.

Die 41 Windturbinen gingen überhaupt nur in sieben Bundesländern ans Netz, gut ein Viertel davon in Rheinland-Pfalz.

Als möglichen Grund für den Einbruch nennt die Fachagentur Windendergie an Land, dass bei den Ausschreibungen im Jahr 2017 über 90 Prozent der Zuschläge an Windprojekte gingen, die noch keine immissionsschutzrechtliche Genehmigung hatten.

Als die Ausschreibungen für die Windenergie eingeführt wurden, war diese Ausnahme für Bürgerenergiegenossenschaften eingeführt worden. Allerdings machten sich dieses Privileg große Projektentwickler zunutze, um unter dem Deckmantel der Bürgerenergie den Löwenanteil der Zuschläge an Land zu ziehen. Ende 2017 wurde die Ausnahmeregelung deshalb ausgesetzt.

Für Experten war der Einbruch absehbar

Die immissionsschutzrechtlichen Genehmigungen im Nachhinein zu bekommen, dauert allerdings. Von den rund 2.700 Megawatt, die 2017 einen Zuschlag ohne vorherige Genehmigung erhielten, wurden laut der Agentur bis April dieses Jahres erst 167 Megawatt genehmigt.

Zwischen Zuschlagserteilung und Projektgenehmigung habe bisher im Durchschnitt fast ein Jahr gelegen. Insgesamt seien von den 730 Anlagen, die 2017 bezuschlagt wurden, erst 35 am Netz. Fünf davon gingen im ersten Quartal dieses Jahres in Betrieb.

Einen weiteren Grund sieht die Agentur in den zahlreichen Klagen gegen bereits genehmigte Windenergieanlagen. Im Dezember 2018 seien bundesweit Anlagen mit einer Nennleistung von insgesamt 750 Megawatt von Klagen betroffen gewesen.

"Der jetzige Einbruch des Windenergiezubaus war bereits mit der Einführung der Ausschreibungen absehbar", sagte Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin.

Um eine klimaneutrale Energieversorgung zu erreichen, wie sie im Pariser Klimaabkommen vorgesehen ist, sei ein Ausbau von 6.500 Megawatt im Jahr nötig, so der Energieexperte. Im vergangenen Jahr waren es knapp 2.500 Megawatt.

"Zuschläge drohen wertlos zu werden"

Auch Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie (BWE), sieht den Grund für die Entwicklung in den Ausschreibungen. Die Deckelung der Zubaumengen im Ausschreibungsverfahren sowie Fehlsteuerungen im EEG 2017 hätten den Einbruch verursacht, sagte Albers.

"Nach jetziger Datenlage ist kaum davon auszugehen, dass die Zuschläge aus dem Jahr 2017 tatsächlich zeitnah umgesetzt werden", so Albers. "Zuschläge in Höhe von 2.500 Megawatt drohen wertlos zu werden." Die Politik müsse nun rasch klären, wie die verlorenen Mengen aufgefangen werden können.

Dennoch gibt es eine gute Nachricht: In der zweiten Jahreshälfte könnten wieder mehr Anlagen ans Netz gehen, schreibt die Fachagentur. Dann könnten die Anlagen, die 2018 einen Zuschlag erhielten, so weit sein.

Allerdings: Dass der Zubau in diesem Jahr mit dem bereits niedrigen Zubau des vergangenen Jahres mithalten kann, scheint unwahrscheinlich.

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