Hauptsache es schmeckt

Viele Deutsche kochen regelmäßig zuhause, aber schnell soll es gehen. Deshalb landen viele Fertigprodukte auf dem Teller. Zwar zeigt der neue Ernährungsreport des Agrarministeriums, dass den Bürgern eine verantwortungsvolle Lebensmittelerzeugung wichtig ist. Dass die Landwirtschaft zum Klimaschutz beiträgt, ist aber nur jedem Dritten wichtig.


Supermarkt
Schnell und einfach soll die Zubereitung sein: Deshalb gibt es in Supermärkten Reihen von Fertigprodukten. (Foto: Happy Meal/Flickr)

Auf den Geschmack kommt es an. Bei der Beurteilung ihres Essens sind sich die Deutschen einig: 99 Prozent finden, dass schmecken soll, was auf den Tisch kommt. Aber auch gesund soll die tägliche Ernährung sein. Laut dem Ernährungsreport 2019, den Landwirtschafts­ministerin Julia Klöckner (CDU) am heutigen Mittwoch in Berlin vorgestellt hat, wünschen sich 91 Prozent der Befragten eine gesunde Ernährung. Jedem Zweiten ist eine schnelle und einfache Zubereitung wichtig.

Deshalb sollen nach dem Willen der Ministerin Fertigprodukte gesünder werden. "Ganz gleich wie die Deutschen leben, wir wollen Rahmenbedingungen schaffen, damit die Entscheidung für gesunde Lebensmittel zur leichten Wahl wird und sich gut in den Alltag integrieren lässt", sagte Klöckner.

Neue Gesetze und Vorgaben lehnt die Ministerin aber ab. Stattdessen soll eine im Herbst 2018 verabschiedete Reduktionsstrategie schrittweise für weniger Zucker, Fett und Salz in Fertignahrungsmitteln sorgen.

Das ist dringend notwendig: 62 Prozent der Männer, 43 Prozent der Frauen und 15 Prozent der Kinder sind in Deutschland übergewichtig. Der übermäßige Konsum von Zucker, gesättigten Fettsäuren und Salz erhöht das Risiko für Übergewicht, Fettleibigkeit und Krankheiten wie Diabetes.

Ob Selbstverpflichtungen für die Industrie jedoch der richtige Weg sind, um der Fehlernährung Einhalt zu gebieten, bezweifeln Verbraucherschützer. "Frau Klöckner verteidigt wirtschaftliche Interessen gegen Anliegen des Verbraucherschutzes, wenn sie allein auf freiwillige Maßnahmen setzt", sagte Martin Rücker, Geschäftsführer der Organisation Foodwatch. Eine freiwillige Selbstverpflichtung der Lebensmittelindustrie, den Zucker zu reduzieren, sei zum Scheitern verurteilt.

Stattdessen fordert Rücker die Einführung einer leicht verständlichen Lebensmittelampel für Zucker, Fett und Salz, ein Verbot für die Vermarktung ungesunder Lebensmittel an Kinder und eine "Limo-Steuer", damit Hersteller einen Anreiz haben, weniger Zucker in ihre Getränke zu mischen.

Sechs Prozent Vegetarier, Tendenz steigend

Für den Ernährungsreport hat das Meinungsforschungsinstitut Forsa 1.000 repräsentativ ausgewählte Deutsche per Telefoninterview zu ihren Ernährungsgewohnheiten befragt. Allerdings könne die Umfrage das Verhalten beim Essen nicht direkt widerspiegeln, schränkte Forsa-Chef Manfred Güllner die Ergebnisse ein. Es gehe eher um die Erwartungen.

"Die Befragten sagen, dass sie bereit sind, mehr Geld für umweltfreundliche Produkte wie Ökostrom oder Fleisch zu zahlen", so Güllner. Das werde oft nur gesagt, aber nicht getan, es gebe eine Kluft zwischen dem Bewusstsein und tatsächlichem Verhalten.

Auch wenn mittlerweile viel über vegetarische Ernährung in der Öffentlichkeit gesprochen wird, auf Fleischprodukte verzichtet bislang nur ein kleiner Teil der Deutschen. Im Durchschnitt leben sechs Prozent vegetarisch. Allerdings deutet sich eine Trendwende an: Bei den 14- bis 29-Jährigen verzichten bereits elf Prozent auf Fleisch. Ein Prozent aller Deutschen isst ausschließlich vegan.

Forscher der britischen Universitäten Cambridge und Aberdeen hatten 2014 in einer Studie gezeigt, dass mit einer ausgewogenen Ernährung und einem maßvollen Fleischverzehr die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft deutlich gesenkt werden könnten. Auch Forscher vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung haben bereits nachgewiesen, dass ein eingeschränkter Verbrauch von Fleisch- und Milchprodukten dem Klimaschutz nutzen würde.

Allerdings landet bei 28 Prozent der Deutschen täglich Fleisch auf dem Tisch, wobei Frauen seltener Fleisch essen als Männer. Einen deutlichen Unterschied gibt es zwischen alten und neuen Bundesländern: Während im Osten 43 Prozent der Befragten täglich Fleisch oder Wurst essen, sind es im Westen 26 Prozent. Aber auch bei anderen Produkten lassen sich Unterschiede feststellen. So essen die Menschen im Osten mehr Obst und Gemüse als die Menschen in den alten Bundesländern.

In der Umfrage wurden auch die Erwartungen an die Landwirtschaft abgefragt. Gut zwei Drittel wünschen sich eine artgerechte Tierhaltung und einen schonenden Umgang mit Ressourcen. Faire Löhne in der Landwirtschaft und eine hohe Qualität der Produkte waren ebenso vielen Befragten wichtig. Dass die Landwirtschaft zur Reduktion schädlicher Treibhausgase beitragen soll, befürwortet dagegen nur gut ein Drittel.

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