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HYDROGEN DIALOGUE 2021

Die größere Krise und ihre Lösung

Die Statistik der bisherigen Hitzewellen zeigt: Ein ungebremster Klimawandel würde unser Gesundheitssystem vielfach stärker treffen als Covid-19. Wenn die Parteien, die jetzt 15 Jahre am Ruder waren, nicht den Mut zum entschiedenen Umsteuern haben, dann braucht es neue Kräfte.


Matthias Willenbacher
Matthias Willenbacher. (Foto: Wiwin)

Das Wichtigste aus 52 Wochen: Sonst befragen wir unsere Herausgeberratsmitglieder im Wechsel jeden Sonntag zu ihrer klimapolitischen Überraschung der Woche. Zum Jahresende wollten wir wissen: Was war Ihre Überraschung des Jahres? Heute: Matthias Willenbacher, Geschäftsführer der Plattform für nachhaltiges Investieren Wiwin.

Für mich war die Überraschung dieses Pandemie-Jahres, dass die Politik doch noch in der Lage ist, wissenschaftliches Wissen anzunehmen und in entsprechende Entscheidungen umzusetzen. Und das auch, wenn die Folgen dieser Entscheidungen drastisch sind und vielen weh tun.

Genau diese Haltung wäre auch für die Klimakrise die einzig richtige. Schließlich werden die Folgen einer Klimaüberhitzung bei Weitem gravierender als die der Pandemie sein: Schon die letzten Hitzesommer haben eine Übersterblichkeit im Juli und August geschaffen, wie man dem europäischen Forschungsprojekt Euromomo entnehmen kann.

Nach diesen Daten war die mutmaßlich hitzebedingte Übersterblichkeit in Deutschland in den letzten beiden Jahren statistisch gesehen übrigens weit auffälliger als die Covid-19-bedingte zu den bisherigen Peak-Zeiten der Pandemie. Der Stress, den die ungebremste Klimakrise auf unser Gesundheitssystem auslösen würde, wird also um ein Vielfaches größer sein als das, was das Corona-Virus im Jahr 2020 angerichtet hat.

Das Gleiche gilt für so viele andere Klimafolgen, die wir unbedingt vermeiden sollten: die Zerstörung der Lebensgrundlagen von Milliarden Menschen vor allem auf der Südhalbkugel unserer Erde, die zu Flüchtlingsströmen führen wird, wie sie die Menschheit wahrscheinlich noch nie erlebt hat, Tote durch Hungersnöte und Naturkatastrophen, und natürlich auch – selbst wenn es in diesem Kontext fast zynisch klingt – wirtschaftlicher Schaden mit gigantischem Ausmaß. Dazu kommt die ökologische Katastrophe.

Wahljahr ist Veränderungsjahr

Natürlich gibt es Hoffnungsschimmer: Das Jahr 2020 wird als das erste Jahr in das Buch der Energiegeschichte eingehen, in dem die Erneuerbaren mehr Strom erzeugt haben als konventionelle Kraftwerke.

Doch das reicht natürlich nicht aus. Die Politik in Deutschland, Europa und überall auf der Welt ist nun wirklich dringlich aufgefordert, die Klimakrisenprävention mit der gleichen Entschiedenheit zu betreiben, mit der sie in der Coronakrise überwiegend gehandelt hat.

Und wir als Bürger:innen und Wähler:innen sind gefragt, diese Entschiedenheit bei der Politik immer wieder in Erinnerung zu rufen und sie nicht aus der Verantwortung zu lassen.

Wenn die etablierten Parteien, die in den letzten 15 Jahren in Berlin am Ruder waren, nicht die Energie und den Mut dazu haben, dann bedarf es eben neuer Kräfte. Das ist meine Lehre aus dem Jahr 2020, und ich denke, viele werden dies ähnlich sehen und das Superwahljahr 2021 in diesem Sinne nutzen.

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