Neuer Damm gegen die Plastikmüll-Flut

Die UN-Umweltversammlung Unea debattiert über ein rechtsverbindliches Abkommen gegen die Plastikverschmutzung. Ein anspruchsvoller Vorschlag liegt auf dem Tisch und hat keine offenen Gegner – doch das Aufweichen hat schon begonnen.


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Plastikverschmutzung ist ein weltweites Problem, hier in Großbritannien. (Foto: EH Greens/​Flickr)

Plastikmüll ist weltweit ein großes Umweltproblem. Jedes Jahr gelangen schätzungsweise elf Millionen Tonnen davon in die Ozeane, so ein aktueller Bericht des UN-Umweltprogramms Unep.

Die Kunststoffe haben gigantische Müllstrudel in den Meeren gebildet, sie verschmutzen die Strände, belasten Meerestiere und das Klima. Doch nun gibt es erstmals die Aussicht, dass die Weltgemeinschaft erste Schritte zu einem Abkommen zur Eindämmung der Plastikverschmutzung geht.

Am Montag beginnt in Nairobi in Kenia die Umweltversammlung der Vereinten Nationen. Die Unea ist das weltweit höchste Entscheidungsgremium im Umweltbereich. Dort sollen die Umweltminister:innen der Staaten Vorschläge für rechtsverbindliche Regeln zur Verwendung und Entsorgung von Plastik diskutieren.

Beobachter erhoffen sich, dass sich die Staatengemeinschaft auf ein Verhandlungsmandat einigt, um ein internationales Abkommen aufzusetzen. Das wäre, nach jahrelangen Vorbereitungen, in der Tat ein Meilenstein im Kampf gegen die Müllflut.

Grundsätzlich haben sich bereits über 180 der 193 UN-Mitgliedsstaaten für ein globales Abkommen ausgesprochen, darunter Deutschland.

Die Bundesregierung hat die Vorarbeiten dazu maßgeblich mit vorangetrieben. Im vorigen Herbst organisierte sie zusammen mit Ecuador, Ghana und Vietnam eine internationale Konferenz in Genf, an der 140 Länder teilnahmen. Peru und Ruanda präsentierten dort eine ambitionierte Resolution, die inzwischen von 60 Staaten unterstützt wird. Darunter sind die 27 EU-Länder, aber auch Staaten aus Asien, Afrika und Lateinamerika.

Offene Opposition dagegen gibt es bisher nicht, auch nicht von Opec-Staaten, die ein Interesse an einem hohen Erdölabsatz haben, der weltweit zu vier bis acht Prozent in die Plastikproduktion fließt.

Worauf lassen sich Staaten verpflichten?

Die Peru-Ruanda-Vorlage ist jedoch kein Selbstläufer. So hat Japan einen Vorschlag eingebracht, der von Beobachtern als deutlich schwächer eingeschätzt wird. Umweltschützer befürchten, dass dieser sich durchsetzen könnte. Es drohe ein "fauler Kompromiss", sagte Alois Vedder von der Umweltstiftung WWF.

"Es geht inzwischen weniger um die Frage, ob wir ein Abkommen gegen die Plastikverschmutzung brauchen, sondern darum, wie dieser Vertrag konkret aussehen muss, um die Plastikflut tatsächlich zu stoppen", so Vedder.

Der wichtigste Punkt bei den Verhandlungen ist, ob die Verabredungen zur Reduktion der Müllflut rechtlich verbindlich sein werden. Es muss geklärt werden, auf welche Punkte die Staaten sich verpflichten lassen – etwa konkrete Zeitpläne sowie Vorgaben zu Recycling und Materialgestaltung, um eine abfallarme Kreislaufwirtschaft zu ermöglichen.

Es wird erwartet, dass dies nach einem Startschuss in Nairobi mindestens zwei bis drei Jahre dauern würde.

Unterstützung in der Öffentlichkeit für wirksamen Maßnahmen gegen die Plastikflut gibt es auf jeden Fall. Eine repräsentative Umfrage in 28 Ländern ergab eine Zustimmung von 88 Prozent für ein globales Abkommen, in Deutschland waren es 86 Prozent.

Zudem wollen 85 Prozent der international Befragten, dass Hersteller und Einzelhändler für die Reduzierung, Wiederverwendung und das Recycling von Kunststoffverpackungen verantwortlich gemacht werden. Die Umfrage wurde vom Marktforschungsinstitut Ipsos im Auftrag der Plastic Free Foundation durchgeführt und gemeinsam mit dem WWF veröffentlicht.

Die Umfrage zeige die überwältigende Unterstützung für ein umfassendes Plastikabkommen, sagte Vedder. "Daraus leitet sich ein klarer Handlungsauftrag für einen zügigen Beginn von Verhandlungen ab."

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