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Nach-Pandemie-Boom saugt Wachstum der Ökoenergien auf

Trotz enormer Zuwächse bei den erneuerbaren Energien stagniert deren Anteil im Energiemix seit einem Jahrzehnt. Nach der Corona-Pandemie ist der Energieverbrauch deutlich angestiegen und hat den Erneuerbaren-Ausbau quasi aufgesaugt, konstatiert der "Renewables 2022 Global Status Report".


Windräder
Ein Zehntel des erzeugten Stroms stammt erstmals aus Wind- und Solarenergie. (Foto: Uwe Jelting/​Pixabay)

Die weltweite Energiewende kommt nicht voran. Seit Jahren stagniert der Anteil der Ökoenergien auf niedrigem Niveau. Das geht aus einem Statusreport hervor, den das Erneuerbaren-Netzwerk REN 21 in dieser Woche in Paris vorgelegt hat.

Demnach lag der Anteil der erneuerbaren Energien am weltweiten Energieverbrauch über alle Sektoren im Jahr 2020 bei 11,7 Prozent. Für das Jahrzehnt davor ist fast kein Fortschritt zu erkennen. 2009 hatten die Erneuerbaren einen Anteil von 10,6 Prozent erreicht – um nicht einmal zwei Prozentpunkte ist der Ökoenergie-Anteil damit innerhalb eines Jahrzehnts gewachsen.

Dabei gab es durchaus enorme Zuwächse bei den Erneuerbaren-Kapazitäten. So wurden im Stromsektor 314.000 Megawatt neu installiert. Zum Vergleich: Mit einer Leistung in dieser Höhe ließen sich zumindest rein rechnerisch alle Haushalte in Brasilien mit Strom versorgen.

Doch der weltweit steigende Energieverbrauch hat den Ausbau der Erneuerbaren quasi "aufgefressen". Gerade jetzt nach der Corona-Pandemie nimmt der Energieverbrauch wieder deutlich zu.

Nach wie vor dominieren die fossilen Brennstoffe die weltweiten Energiesysteme. Der Anteil von Kohle, Gas und Öl liegt weiterhin bei fast 80 Prozent am Gesamtenergieverbrauch.

Dabei schreiben sich eigentlich immer mehr Staaten den Klimaschutz auf die Fahnen. "Obwohl sich 2021 deutlich mehr Regierungen zu netto null Treibhausgasemissionen verpflichtet haben, sieht die Realität so aus, dass viele Länder als Reaktion auf die Krise wieder neue Quellen für fossile Brennstoffe erschließen und mehr Kohle, Gas und Öl verbrennen", erklärte REN‑21-Geschäftsführerin Rana Adib.

Auch die steigenden Energiepreise für fossile Brennstoffe konnten diese Entwicklung nicht bremsen. Dass das fossile Energiesystem nicht bröckelt, liegt auch daran, dass die Staaten weltweit noch immer massenhaft Subventionen in Kohle, Gas und Öl pumpen. 5.600 Milliarden Euro staatlicher Förderung fließen jährlich in den Abbau und die Produktion fossiler Brennstoffe, heißt es im Bericht

"Das alte Energiesystem bricht zusammen"

Die Energiepreise legten dabei 2021 den größten Sprung seit der Ölkrise von 1973 hin. In Europa und Asien verzehnfachten sich die Gaspreise im Vergleich zum Vorjahr, in den USA legten sie um das Dreifache zu. Das ließ auch die Strom-Großhandelspreise an den Börsen in die Höhe schießen. Vor allem Länder, die von fossilen Importen abhängen, werden dadurch belastet.

"Das alte Energiesystem bricht direkt vor unseren Augen zusammen und mit ihm die Weltwirtschaft", sagte REN‑21-Chefin Adib. Dabei müssten Krisenbewältigung und Klimaziele nicht im Widerspruch zueinander stehen. Erneuerbare Energien seien die beste und erschwinglichste Lösung gegen Preissteigerungen, so die Wirtschaftsingenieurin. Die Erneuerbaren müssten zur Priorität der Wirtschafts- und Industriepolitik gemacht werden, "statt noch mehr Öl ins Feuer zu gießen".

Am besten stehen die Erneuerbaren im Stromsektor da. Hier beläuft sich ihr Anteil weltweit auf 28 Prozent. Wind- und Solarenergie liefern zusammen erstmals zehn Prozent des Stromverbrauchs – genauso so viel wie die Atomkraftwerke. Weitere 15 Prozent kommen aus Wasserkraftwerken, die restlichen drei Prozent entfallen auf Bioenergie- und Geothermiestrom.

So steht Deutschland da

Die gesamten Erzeugungskapazitäten aus erneuerbaren Quellen belaufen sich in Deutschland auf 139.000 Megawatt. Das ist weltweit Platz fünf nach China, den USA, Brasilien und Indien.

 

Bei den Erneuerbaren-Kapazitäten pro Kopf (ohne Wasserkraft) liegt Deutschland hinter Island und Dänemark auf Platz drei.

 

Beim Anteil der Erneuerbaren am gesamten Energieverbrauch landet die Bundesrepublik aber nur auf Platz 25. Grund ist der immer noch hohe Verbrauch von Kohle, Öl und Gas.

Beim Kühlen und Heizen von Gebäuden hat der Anteil der Erneuerbaren elf Prozent erreicht. Im Bereich Industrie und Landwirtschaft kommen die Ökoenergien auf zwölf Prozent.

Schlusslicht ist der Verkehr: Ganze 3,7 Prozent des Energieverbrauchs werden hier aus erneuerbaren Quellen gedeckt. Trotz der Wachstumskurve beim Verkauf von E-Autos in den vergangenen Jahren – 6,6 Millionen E-Autos wurden 2021 verkauft –, kommt noch immer der überwiegende Anteil der Erneuerbaren im Verkehrssektor durch Agrokraftstoffe zustande.

Die Zahlen müssten aus Sicht des Thinktanks viel schneller steigen. Der Ausbau erneuerbarer Energien müsste mindestens dreimal so schnell verlaufen.

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