"Das globale Bild ist alarmierend"

Die Welt droht die Ziele zu verfehlen, die sie sich für 2030 gesetzt hat, um das Leben für alle zu verbessern. Besonders dringlich ist politisches Handeln einem UN-Bericht zufolge bei der Klimakrise und bei der Bekämpfung sozialer Ungleichheit.


Demo-Schild mit Aufschrift
Auf Plan A folgt Plan B – aber einen Planeten B gibt es nicht. (Foto: Niklas Pntk/Pixabay)

Es ist das Jahr der ersten großen Bilanz, was die UN-Nachhaltigkeitsziele für 2030 angeht. Bis zum heutigen Donnerstag haben sich in New York Vertreter der UN-Länder für drei Tage getroffen, um sich über die Umsetzung der Pläne von 2015 auszutauschen. Im September sind die Staats- und Regierungschefs dran.

Im Vorfeld hatten die Vereinten Nationen einen Bericht zur Bestandsaufnahme vorgelegt. Das ernüchternde Ergebnis: Die Welt ist nach fast einem Drittel der Zeit auf dem besten Weg zu scheitern.

Als eines der dringlichsten Probleme nennt der Bericht die Klimakrise. "Der Klimawandel ist schneller als wir", kritisierte UN-Generalsekretär António Guterres die Staaten auf dem New Yorker Treffen. Zuletzt habe die Erde markerschütternde Rekorde erlebt – bei der Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre, der globalen Durchschnittstemperatur und dem Meeresspiegelanstieg. "Und natürlich wissen wir, dass die ärmsten und verletzlichsten Menschen und Staaten darunter am meisten leiden werden."

Insgesamt gehe es trotz einiger Fortschritte zu wenig voran bei den Nachhaltigkeitszielen, kritisierte Guterres. "Vier Jahre nach dem Beschluss ist das globale Bild alarmierend", sagte er. "Wir sind noch nicht auf dem richtigen Weg und müssen uns mehr anstrengen."

Was sind die UN-Nachhaltigkeitsziele?

2015 haben sich die Vereinten Nationen verpflichtet, die Welt bis 2030 besser zu machen. Dafür haben sie sich 17 Ziele gesetzt, die von der Bekämpfung des Hungers über die Gleichberechtigung aller Geschlechter bis zur Bekämpfung der Klimakrise reichten: die Sustainable Development Goals (SDGs), also die Ziele für nachhaltige Entwicklung.

 

Es geht um die Fortschreibung der UN-Millenniumsziele mit dem Unterschied, dass diese nur das Leben in Entwicklungsländern verbessern sollten, während die SDGs für alle gelten – also auch für reiche Länder wie Deutschland.

Neben der Klimakrise nannte er mit Bezug auf den neuen Bericht die soziale Ungleichheit als besonders dringliches Problem. "Die Menschen stellen zu Recht eine Welt infrage, in der eine Handvoll Männer – und es sind tatsächlich nur Männer, keine einzige Frau ist dabei – so viel besitzt wie die Hälfte der Menschheit", so der UN-Chef.

"Nur Image-Filmchen"

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung war im Juni zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen. Demnach ist kein einziges Land auf dem richtigen Pfad. Deutschland beispielsweise bescheinigt die Stiftung wie den meisten Industrieländern Nachholbedarf beim Klimaschutz und beim nachhaltigen Konsum.

Außerdem lasse die Bundesrepublik noch nicht die geforderten 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Entwicklungshilfe fließen. Schlecht läuft es der Studie zufolge auch bei der Bekämpfung der Nitratbelastung in Boden und Grundwasser sowie bei der Reduzierung von Müll.

Von den Nichtregierungsorganisationen, die den New Yorker Gipfel vor Ort beobachtet haben, kommt harsche Kritik. "In den meisten Fällen bleibt eine kritische Analyse aus und die Regierungen zeigen lediglich Image-Filmchen über ihr Land", sagte Marie-Luise Abshagen vom Forum Umwelt und Entwicklung, in dem die deutschen Nichtregierungsorganisationen zusammenarbeiten.

Offenbar sei überhaupt noch nicht angekommen, wie dringlich das Erreichen der UN-Ziele sei, so Abshagen, "vor allem auch nicht bei den Staaten, deren Wirtschaftssysteme Menschen und Umwelt weltweit gefährden".

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