Sojahack zu Ostern?

Lamm, Schwein oder Rind? Traditionell schmeckt Ostern nach Fleisch. Doch mittlerweile gibt es so viele fleischlose Alternativen, dass selbst Omas Osterbraten dem Sojahack weichen könnte. Doch sind Fleischersatzprodukte wirklich so gut für Umwelt und Klima?


Osterlamm
Zumindest das Osterlamm lässt sich problemlos vegan backen und Umweltvorteile hätte das auch. Egal, ob Sie das Fest vegan, vegetarisch oder mit Osterbraten verbringen – Klimareporter° wünscht Ihnen frohe Ostern! (Foto: Lilo GMR/​Pixabay)

Ein halbes Kilo Hackfleisch kostet im Supermarkt um die drei Euro. Die Biovariante kostet mehr als das Doppelte und ist damit etwa so teuer wie die vegane Alternative. Der Fleischersatz basiert häufig auf Soja, doch pflanzliches Gehacktes gibt es auch mit Erbsen, Seitan, Laborfleisch und manchmal sogar Insekten.

Die Menge an Fleischersatzprodukten nimmt in Deutschlands Warenregalen zu und dennoch sinkt der Verzehr von konventionellem Fleisch nicht: Jeder Deutsche isst pro Jahr 60 Kilo Fleisch.

Dabei kann gerade rotes Fleisch wie Schwein und Rind sogar der Gesundheit schaden, da das Risiko von Darmkrebs erhöht wird, warnt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Sie empfiehlt einen Fleischkonsum von 300 bis 600 Gramm – pro Woche. Das ist etwa halb so viel, wie wir in Deutschland im Schnitt verzehren.

Dabei belastet unsere Ernährungsweise nicht nur uns selbst, sondern auch das Klima und die Umwelt. Mit 1,75 Tonnen an klimarelevanten Emissionen pro Person trägt der private Lebensmittelkonsum laut Bundesumweltministerium zu ähnlich viel Treibhausgasen bei wie der Mobilitätssektor.

Ein Fleischesser emittiert bei seiner Ernährung fast doppelt so viel CO2 wie ein Veganer, stellt das Ministerium klar. Eine vegetarische Ernährung mit Ei- und Milchprodukten bewegt sich im Mittelfeld der CO2-Werte.

Ökobilanzierung mit Unsicherheiten

Daher rät das Umweltministerium mittlerweile dazu, weniger Fleisch- und Milchprodukte zu essen. Ein Ratschlag, der von einer Breite an wissenschaftlichen Studien untermauert wird, bestätigt der Umwelternährungsexperte Florian Antony vom Öko-Institut in Freiburg.

Der Wissenschaftler hat jüngst per Literaturscreening, einer Art Querauswertung bestehender Literatur, untersucht, was die Wissenschaft zur Umweltwirkung von Fleisch- und Fleischersatzprodukten herausgefunden hat. 

Ergebnis: Die Lage ist sehr eindeutig. Mit Ausnahme von Laborfleisch schneiden alle Fleischalternativen bei der Umwelt- und Klimabelastung besser ab als herkömmliches Fleisch. Darin seien sich die von ihm überprüften Studien einig, so Umweltwissenschaftler Antony.

Dass das Laborfleisch mit seinem Klimaeffekt eher negativ zu bewerten ist, liege an dem aktuellen Stand der Technik, erklärt Antony. "Mit dem gezüchteten Fleisch wird experimentiert, aber es ist nicht in der großtechnischen Anwendung." Die Produktion sei einfach noch nicht so weit entwickelt und bisher wenig energieeffizient, deswegen falle sie so stark ins CO2-Gewicht.

Neben dem Laborfleisch hat sich das Öko-Institut auch Soja, Gluten, Milch, Insekten und Mykoprotein (Quorn) angesehen. Natürlich böten alle Fleischalternativen leicht unterschiedliche Umweltentlastungspotenziale. Das mache ein Ersatzprodukt jedoch nicht unbedingt schlechter als das andere, stellt Antony klar. Für bestimmte Produkte eigne sich Soja besser, für andere Hafer. 

Es habe auch gar keinen Sinn, einzelne Fleischalternativen gegeneinander auszuspielen. Denn beim Aufstellen von Ökobilanzen für einzelne Lebensmittelprodukte gebe es vergleichsweise viele Unsicherheiten. 

Fleischlos ist sinnvoll und machbar

Zum einen liege das einfach daran, dass es sehr viele unterschiedliche Herstellerbetriebe gibt. "Wenn man sich 10.000 Betriebe anschaut, hat jeder Betrieb andere Distanzen zwischen Futteranbaufläche und Hof, andere Temperaturen, andere Bodenzusammensetzungen", so Antony. Vom Aufwand her könne man einfach nicht alle Betriebe erfassen.

Zum anderen gebe es komplexe Interaktionen, wie zum Beispiel die Wechselwirkung mit dem Boden. Man müsse beispielsweise den Humusgehalt des Bodens beachten, aber auch, welches Produkt auf einem Acker vorher angebaut wurde.

Dazu kämen saisonale Unterschiede. "Wir sind notwendigerweise gezwungen, Durchschnittswerte heranzuziehen, und müssen tatsächlich auch eine Vielzahl von Annahmen treffen." Grundsätzliche Aussagen seien aber möglich.

In den Studien, die Antony betrachtete, fiel vor allem auf, dass sojabasierten Produkten ein großes Potenzial zugeschrieben wurde. Allerdings würden in der Literatur und damit auch in vielen Ökobilanzen die nachteiligen Effekte nicht ausreichend beachtet, zum Beispiel die Auswirkungen verschiedener Fleischersatzprodukte auf die globale Biodiversität oder auf die Abholzung des Regenwaldes.

So könne nicht ausgeschlossen werden, dass durch den Anbau von Sojapflanzen für den Menschen indirekt auch tropischer Regenwald abgeholzt würde, meint der Umweltwissenschaftler vom Öko-Institut. Nämlich dann, wenn zum Beispiel auf ehemaligen Futterflächen nun Soja für den menschlichen Verzehr angebaut wird, das Futtersoja aber nun auf Flächen wächst, auf denen zuvor noch Wald stand. 

Flächendruck bei Sojaanbau

Auch wenn es Unterschiede zwischen Soja zum direkten menschlichen Verzehr und Soja für Futtermittel gebe, würden beide Pflanzenarten in der Regel auf denselben oder ähnlichen Flächen angebaut. "Die Fläche kann aber nur einmal belegt werden", sagt Florian Antony.

Eine zu hohe Nachfrage erzeuge daher Druck auf die Bereitstellung von Anbauflächen. "Um die weltweite Nachfrage nach Soja zu bedienen, ist es in der Vergangenheit zu Abholzung gekommen und kommt es auch weiterhin." 

In der EU wird jedoch laut einem Report von Greenpeace der weitaus größte Teil der Sojaimporte – 87 Prozent – für Tierfutter verwendet. Die Europäische Union importiert jährlich rund 33 Millionen Tonnen Soja, Deutschland ist Abnehmer Nummer einsNur sieben Prozent der Ernte landen in Lebensmitteln, der Rest wird für die Herstellung von Biodiesel verwendet.

Viele deutsche Hersteller achten zudem darauf, dass ihre sojabasierten Alternativen von bio-zertifizierten Sojabohnen aus der EU stammen. Der weltweit steigende Fleischkonsum hat also wesentlich mehr Einfluss auf die Abholzung des Regenwaldes als Tofuwurst und Sojamilch und ist zudem meist noch gentechnisch verändert.

Trotz des Landflächenproblems zeigen die vom Öko-Institut untersuchten Studien aber alle, wie sinnvoll es ist, Fleisch zu ersetzen – und zwar auch durch Soja. Ebenso wenig kann der angebliche Mangel an Alternativen noch ein Argument sein.

Denn allein für einen veganen Osterbraten bietet eine Internetsuche zahlreiche Ergebnisse. Und die sind hoffentlich lecker, denn in Geschmacksfragen ist die in Zahlen gefasste Umwelt- oder Klimaauswirkung gegenüber der Gewohnheit meist ein schwaches Argument.

Der Beitrag wurde am 20. April um 17:20 Uhr ergänzt.

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