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Ozon nervt

Mit der Hitze kommt auch das Reizgas: Eine stark erhöhte Ozon-Belastung war dieser Tage vor allem im Westen Deutschlands festzustellen. Noch höher sind die Werte in Südeuropa.


Luftaufnahme einer Siedlung, etliche Häuser haben Solardächer.
Besonders hoch ist die Belastung nicht in der Innenstadt, sondern am Stadtrand und auf dem Land. (Foto: Hennadij Filtschakow/​Shutterstock)

Halsschmerzen, Husten oder Kopfweh, mehr Asthmaanfälle – das können die Folgen von erhöhten Ozon-Konzentrationen in der Atemluft sein. Bei Sport im Freien droht eine Verminderung der Lungenfunktion und allgemein der körperlichen Leistungsfähigkeit.

Die aktuelle Hitzewelle hat die Ozonwerte stark ansteigen lassen. Bereits am Montag meldeten 15 Messstellen in Deutschland Überschreitungen des "Informationsschwellenwerts" von 180 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter. Ab 240 Mikrogramm wird die Bevölkerung gewarnt, weil so hohe Ozonkonzentrationen für alle gesundheitsgefährdend sind.

Die Ozonprognose des Umweltbundesamtes sagte am Dienstag Ozon über 180 Mikrogramm bis inklusive Mittwoch vor allem für Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen vorher, wobei die meisten Überschreitungen am Dienstag in NRW und am Mittwoch in Hessen erwartet wurden. Vereinzelt könne es auch Überschreitungen der Warnschwelle geben, hieß es.

Bodennahes Ozon (O3) entsteht, wenn Sonnenlicht auf Schadstoffe tritt, etwa aus dem Verkehr, wie Stickstoffdioxid, oder flüchtige organische Verbindungen aus Lösemitteln. Dabei ist die Belastung an den Rändern von Ballungsgebieten oder auf dem Land oft höher als in den Zentren, weil dort andere Abgase wie Stickstoffmonoxid in großen Mengen vorhanden sind, die das entstandene Ozon wieder abbauen.

Das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus meldete unterdessen, dass in südeuropäischen Ländern bereits in der vorigen Woche eine extrem hohe Ozonbelastung verzeichnet wurde, vor allem in Spanien und Portugal sowie Teilen Norditaliens. Die dort bereits seit Längerem anhaltende Hitzewelle und die verheerenden Waldbrände auf der Iberischen Halbinsel hätten zu dem Anstieg der Werte auf über 200 Mikrogramm pro Kubikmeter geführt.

Mark Parrington, leitender Wissenschaftler des Copernicus Atmosphere Monitoring Service (Cams), warnte: "Die Auswirkungen einer sehr hohen Ozonbelastung auf die menschliche Gesundheit können sowohl im Hinblick auf Atemwegs- als auch auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen erheblich sein."

Er verwies auf Schätzungen, wonach die Ozonverschmutzung jedes Jahr weltweit etwa eine Million zusätzliche Todesfälle verursache. "Deshalb ist es so wichtig, dass wir die Ozonwerte an der Erdoberfläche kontinuierlich beobachten."

In Deutschland haben die Spitzenwerte bei der Ozonbelastung im Schnitt seit Mitte der 1990er Jahre deutlich abgenommen. Ursache ist die verbesserte Luftreinhaltung, etwa dank Auto-Katalysatoren und Stickstofffiltern in Kohlekraftwerken.

Der in der EU gültige Zielwert zum Schutz der menschlichen Gesundheit – 120 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter im Acht-Stunden-Mittel – wird laut Umweltbundesamt jedoch weiterhin überschritten, wie eine Auswertung im vergangenen Herbst ergab. Zudem nahmen im gleichen Zeitraum die Ozon-Jahresmittelwerte in städtischen Wohngebieten – anders als die Spitzenwerte – sogar zu.

In der Stratosphäre oberhalb von 15 Kilometern Höhe hat Ozon übrigens für Mensch, Tier und Pflanzen eine positive Funktion. Die dort zu findende Ozonschicht schützt vor der UV-Strahlung.

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