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Italien macht Klimawandel zum Schulfach

Italiens neue Koalitionsregierung will nächstes Jahr ein neues Schulfach zum Klimawandel und seinen Folgen einführen – als erstes Land der Welt. Auch in anderen Fächern soll es künftig mehr um nachhaltige Entwicklung gehen.


Italiens Parlament in Rom
Im Palazzo Montecitorio in Rom tagt Italiens Parlament. (Foto: Manfred Heyde/​Wikimedia Commons)

Vom kommenden Schuljahr an will Italiens neue Koalitionsregierung den Klimawandel zu einem regulären Unterrichtsfach machen. Das kündigte Bildungsminister Lorenzo Fioramonti von der Fünf-Sterne-Bewegung diese Woche gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters an.

Ab September 2020 sollen sich die Schülerinnen und Schüler aller staatlichen Schulen eine Stunde pro Woche mit dem Klimawandel und mit nachhaltiger Entwicklung befassen. Italien wäre damit das erste Land weltweit, das sich zu einem solchen Schritt entscheidet.

Auch in Fächern wie Geografie oder Physik solle es künftig verstärkt um Nachhaltigkeit gehen, kündigte Fioramonti an.

"Ich möchte Italiens Bildungssystem zum ersten in der Welt machen, das ökologische und gesellschaftliche Themen in den Mittelpunkt des schulischen Lernens stellt", sagte er zu Reuters.

Der 42-jährige Fioramonti ist studierter Philosoph. Bevor er in die Politik ging, lehrte er als Wirtschaftsprofessor an der Universität Pretoria in Südafrika und veröffentlichte mehrere Bücher, in denen er sich mit sozialer Ungleichheit beschäftigte und für eine nachhaltige Wirtschaftspolitik eintrat, die Wachstum nicht zum alleinigen Maßstab macht.

Seitdem er vor zwei Monaten Bildungsminister in der Koalition mit den Sozialdemokraten wurde, hat Fioramonti sich schon mehrfach für Klima- und Umweltschutz stark gemacht.

Italien kommt beim Klimaschutz voran

Er ermunterte Italiens Schülerinnen und Schüler, sich an den Fridays-for-Future-Demonstrationen zu beteiligen. In einem Rundschreiben forderte er die Schulen auf, dies als entschuldigtes Fernbleiben vom Unterricht zu behandeln.

Zudem schlug er neue Steuern auf Flugtickets, Plastik und gesüßte Getränke vor. Die beiden letzteren Vorschläge hat die Mitte-links-Regierung in ihren Haushaltsentwurf für 2020 aufgenommen, den sie in dieser Woche dem Parlament vorlegte.

Klimaschutz ist in Italien schon länger ein großes Thema. In mehr als 3.000 Städten haben sich Lokalpolitiker dem 2008 gegründeten Konvent der Bürgermeister für Klima und Energie angeschlossen und eigene Klimaaktionspläne erarbeitet.

Nach den aktuellen Zahlen der Europäischen Umweltagentur (EEA) gehört Italien zu der Minderheit von EU-Ländern, die auf einem guten Weg sind, ihre Klimaziele für 2030 in dem Bereich, der nicht vom Emissionshandel abgedeckt ist, zu schaffen.

Auch beim Ausbau der Erneuerbaren steht das Land gut da. Ihr Anteil an der gesamten Energieversorgung – also nicht nur beim Strom – liegt in Italien laut den jüngsten Eurostat-Zahlen von 2017 bei 18,3 Prozent. In Deutschland sind es erst 15,5 Prozent.

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