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Die Liebe zum eigenen Auto ist zäh

Entgegen allen Öko-Trends und Unkenrufen ist das eigene Auto für viele weiterhin attraktiv, auch in den von Verkehr überquellenden Metropolen. Sogar dort steigt die Zahl privater Pkw weiter im zweistelligen Prozentbereich an, zeigt eine neue Studie. 


Straße voller Autos, offenbar im Stau.
In München, Düsseldorf, Leipzig und Hannover wuchs der Pkw-Bestand sogar stärker als im Bundesschnitt. (Foto: Pixabay)

Immer weniger junge Erwachsene haben einen Führerschein. Mit dem augenscheinlichen Carsharing-Boom sinkt die Bedeutung des eigenen Pkw. Die Verkehrswende nimmt dank Handy-Apps Fahrt auf, die das Reisen mit Bus und Bahn komfortabler machen – vor allem in den Großstädten.

Diese Trends haben Verkehrsforscher seit einigen Jahren ausgemacht. Zugespitzt formuliert: Das eigene Auto "verstaubt".

Doch nun zeigt eine neue Analyse: Diese Entwicklungen führen nicht zu einer generellen Abkehr der Deutschen vom Auto.

Im Gegenteil: Der Pkw-Bestand hierzulande ist in den vergangenen zehn Jahren weiter deutlich gestiegen: von 41,3 Millionen anno 2009 auf heute 47,1 Millionen. Das ist ein Plus von 5,8 Millionen oder 14 Prozent. Darauf weist das CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen in einer Studie hin.

"Der Trend zum persönlichen Auto ist sehr stabil", schreibt CAR-Direktor Ferdinand Dudenhöffer in der Bilanz. Tatsächlich ist die Pkw-Dichte nach den vorgelegten Daten kontinuierlich von 504 Pkw pro 1.000 Einwohner auf 567 angestiegen. Interessanterweise legte die Zahl der Autos auch in den Ballungsräumen zu, die dank eines dichteren ÖPNV-Netzes eigentlich gute Voraussetzungen für einen Umstieg auf die umweltfreundlicheren Verkehrsmittel bieten.

Zwar wird das eigene Auto in den Metropolen in der Tat weniger genutzt als in kleineren Städten oder auf dem Land. Doch der Wunsch, die eigenen vier Räder immer zur Verfügung zu haben, scheint übermächtig. In München, Düsseldorf, Leipzig, Hannover und Braunschweig wuchs der Pkw-Bestand sogar stärker als im bundesdeutschen Durchschnitt.

Auch in Berlin, das als Hauptstadt der Auto-Skeptiker gilt, nahm die Zahl der Autos spürbar zu – zwar unterdurchschnittlich um "nur" elf Prozent, aber das ist eben auch ein absolutes Plus von rund 122.500 auf jetzt 1,21 Millionen in der Hauptstadt zugelassene Autos.

Steckt Carsharing in der Nische fest?

Wasser ins Benzin gießt Dudenhöffer beim Carsharing. Die Zahl von 20.200 geteilten Autos sei immer noch sehr gering. Tatsächlich sind das nur 0,04 Prozent aller Pkw in Deutschland. Die von den Carsharing-Anbietern zusammen angegebene hohe Nutzerzahl von 2,46 Millionen Menschen hält der Auto-Professor denn auch für unrealistisch.

Er vermutet, es seien viele "Karteileichen" darunter, Interessenten, die wegen guter Einstiegsangebote anfangs mal gefahren sind, seither aber wegbleiben. Dudenhöffer urteilt hart: Die Zahlen belegten die "Bedeutungslosigkeit" des Carsharings. Die Analyse trägt denn auch den Titel "Mobility Services: Die große Ernüchterung".

Die Zahlen kann man indes auch anders interpretieren. Zu Recht verweist der Bundesverband Carsharing darauf, dass nur drei Prozent der Bundesbürger über 16 Jahren laut Statistik überhaupt Zugriff auf Carsharing-Angebote im eigenen Umfeld haben. In Städten wie Berlin und Hamburg beteiligten sich bereits bis zu 20 Prozent der über 16-Jährigen, was in der Tat darauf hindeuten könnte, dass das Autoteilen dort auf dem Weg aus der Nische heraus ist, wie der Carsharing-Verband glaubt.

Ein Geheimnis ist es allerdings auch nicht, dass das Carsharing derzeit nur noch langsam wächst und wohl manche Anbieter Verluste einfahren.

An dem Faktum, dass die Zahl der Autos insgesamt weiter gewachsen ist und offenbar auch immer mehr Zweit- und Drittwagen unterwegs sind, lässt sich im Moment nichts deuteln. Ändern können Bund, Länder und Kommunen daran nur etwas, wenn der öffentliche Verkehr deutlich besser und billiger wird und die Rahmenbedingungen für das Carsharing verbessert werden.

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