Der Klimawandel und die Außerirdischen

Zivilisationen kommen irgendwann an den Punkt, wo sie Verantwortung für ihren Planeten übernehmen müssen, um ihn nicht zu zerstören. Die meisten könnten daran scheitern, was erklären würde, warum es so wenige Außerirdische gibt.


Das All
Ist da draußen noch jemand? Die Menschheit zumindest muss schnell erwachsen werden, wenn sie ihren Planeten noch retten will. (Foto: Samson Jay/​Pixabay)

"Wo sind sie alle?", fragte der Physiker Enrico Fermi bei einem Mittagessen mit Kollegen im Jahr 1950. Gemeint waren Außerirdische. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass es auch auf anderen Planeten intelligentes Leben gibt, ist erstaunlich hoch. Gleichzeitig hat die Menschheit aber noch keinen einzigen Hinweis gefunden, dass sie nicht allein ist.

Das Fermi-Paradox war geboren. Der Grund für die hohe Wahrscheinlichkeit ist die sehr – sehr – große Zahl an Planeten im Universum. Allein in unserer Galaxie gibt es 100 bis 400 Milliarden Sterne. Damit ist die Milchstraße gerade mal Durchschnitt. Ungefähr auf jeden dieser Sterne kommt zudem eine weitere Galaxie im All. Das ergibt 1022 Sterne (in Zahlen: 10.000.000.000.000.000.000.000). Oder anders ausgedrückt: Auf jedes Sandkorn auf der Erde kommen mehr als 1.000 Sterne im Universum.

Für Leben braucht es aber mehr: einen sonnenähnlichen Stern und einen erdähnlichen Planeten mit flüssigem Wasser. Doch auch deren Zahl ist immer noch unvorstellbar hoch: Es gibt rund zehn lebensfreundliche Planeten pro Erd-Sandkorn (1020).

Es müsste eigentlich von Außerirdischen nur so wimmeln

Auf all diesen Planeten besteht seit Milliarden von Jahren die Möglichkeit, dass sich Leben entwickelt. Wenn das auf einem Prozent der Planeten geschieht und sich dieses Leben in jedem tausendsten Fall so weit entwickelt wie auf der Erde, müsste es von intelligenten Außerirdischen nur so wimmeln. Allein in unserer Milchstraße gäbe es 10.000 Planeten mit Bewohnern, die mindestens so intelligent sind wie wir. Doch bekanntlich hat die Menschheit bislang noch keine Spur dieser galaktischen Mitbewohner entdeckt.

Für diesen Widerspruch gibt es zwei Erklärungen: Entweder haben wir die vielen Außerirdischen bislang übersehen oder es gibt eben doch viel weniger von ihnen.

Für ersteres gibt es mehrere mögliche Erklärungen: Vielleicht verstecken sich intelligente Außerirdische, um etwa marodierenden Raumpiraten zu entgehen. Vielleicht sind wir aber auch einfach noch zu dumm, um unsere superintelligenten Mitbewohner wahrzunehmen. In den Weiten des Internets beliebt ist zudem die These: Wir sind längst in Kontakt mit Außerirdischen, aber die US-Regierung hält das geheim.

Die zweite Möglichkeit – es gibt viel weniger intelligente Wesen im All – setzt einen "großen Filter" voraus, der die Entwicklung oder das Überleben solcher Wesen verhindert. Dieser könnte ganz am Anfang der Evolution liegen: Vielleicht ist es eben doch extrem unwahrscheinlich, dass überhaupt Leben entsteht.

Liegt der "große Filter" vor oder hinter uns?

Er könnte aber auch später kommen, etwa beim Sprung vom Affen zum Menschen. Beides könnte uns egal sein, denn dann läge der "große Filter" ja bereits hinter uns.

Schlechter wäre der umgekehrte Fall, wenn der Filter noch vor uns liegt. Dann würden zwar immer wieder intelligente Wesen entstehen, aber sie würden nicht lange genug überleben, um weit ins All vorzustoßen. Möglich wäre etwa, dass Wesen wie wir die Neigung haben, sich per Atomkrieg wieder auszurotten. Vielleicht gibt es aber auch in der Entwicklung technologiebasierter Zivilisationen wie der unsrigen eine Sollbruchstelle, die nur wenige überwinden können.

Sandkörner, Sterne und Planeten

7.500.000.000.000.000.000 Sandkörner gibt es auf der Erde. Diese Zahl in wissenschaftlicher Darstellung: 7,5 × 1018, in Worten 7,5 mal zehn hoch 18. Noch mehr als tausendmal größer ist die Gesamtzahl aller Sterne im Universum.

 

Fünf bis 20 Prozent der Sterne im Weltall sind "sonnenähnlich". Von diesen haben wiederum 22 Prozent einen "erdähnlichen" Planeten. Das heißt, mehr als ein Prozent aller Sterne hat einen erdähnlichen Planeten. Bei 1022 Sternen haben folglich mindestens 1020 einen erdähnlichen Planeten.

 

100 Milliarden Sterne gibt es in der Milchstraße. Wenn ein Prozent davon einen erdähnlichen Planeten haben, gibt es davon eine Milliarde allein in unserer Galaxis. Auf einem Prozent der Planeten entwickelt sich Leben, also auf zehn Millionen. Auf jedem Tausendsten davon wird dieses Leben so intelligent wie wir, also auf 10.000 Planeten. So weit die Theorie.

Das ist die These, die der Astrophysiker Adam Frank in seinem neuen Buch "The Light of the Stars" (Das Licht der Sterne) ausführt. Für Frank ist die Sollbruchstelle der Klimawandel. Wir seien "kosmische Teenager, eine sehr junge Spezies, die gerade erwachsen wird", und der Klimawandel markiere die Schwelle zum Erwachsenenalter: "Wenn man eine technologische Zivilisation ist wie wir, dann ist es unvermeidlich, dass man einen Wandel des Klimas anstößt", sagte Frank dem US-Magazin National Geographic.

"Jede junge Zivilisation löst ihre Version des Anthropozäns aus und daher sind wir kosmische Teenager." Mit Anthropozän oder "Menschenzeitalter" bezeichnet man die jüngste geologische Epoche, seit der Mensch für die wesentlichen Veränderungen im Erdsystem verantwortlich ist. Genau dieser Übergang zum Anthropozän könnte der "große Filter" sein, der dafür sorgt, dass es im Universum eben doch nicht vor intelligentem Leben wimmelt.

"Wir haben genug Macht über den Planeten, um ihn zu verändern, aber es ist nicht sicher, dass wir die nötige Weisheit haben, um diesen schwierigen Übergang zu meistern", schreibt Frank. "Wir müssen dringend unsere Zivilisation anpassen, damit sie wirklich nachhaltig wird."

Die Heißzeit droht

Dass der Klimawandel tatsächlich der große Filter sein könnte, an dem auch unsere Zivilisation letztlich scheitert, zeigt eine neue Studie mit dem Titel "Pfade des Erdsystems im Anthropozän". Darin zeigen Johan Rockström, künftiger Kodirektor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), und andere, dass es einen Kipppunkt geben könnte, ab dem sich die Klimaerwärmung selbst verstärkt. Wird dieser Punkt erreicht, steigt die Temperatur um mehr als fünf Grad und die Erde erlebt eine "Heißzeit".

Wo der Schwellenwert liegt, ist laut der Studie unsicher, "aber er könnte nur einige Jahrzehnte in der Zukunft liegen bei einer Klimaerwämung um etwa zwei Grad". Die Konsequenzen wären katastrophal: "Eine Heißzeit birgt letztlich ein großes Risiko für die Bewohnbarkeit des Planeten für Menschen."

Sollte der Klimawandel wirklich der "große Filter" sein, der das Fermi-Paradox erklärt, stünden die Chancen für die Menschheit schlecht. Denn das würde bedeuten, dass die meisten Zivilisationen am Übergang in "ihr" Anthropzän scheitern und es deswegen so wenige Außerirdische gibt.

Aber vielleicht werden die Menschen ja schnell genug erwachsen und erkennen, worum es geht. In den Worten von Rockström und Kollegen: "Eine kollektive Anstrengung der Menschheit ist erforderlich, um das Erdsystem in einem bewohnbaren Zustand zu stabilisieren." Wir kosmischen Teenager stehen also vor einer Wahl: Entweder wir übernehmen Verantwortung oder wir gehen unter – "Verantwortung für das gesamte Erdsystem – die Biosphäre, das Klima und die Gesellschaften".

Es war noch nie leicht, ein Teenager zu sein.

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