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Der Fifa ist das Klima nicht mehr Wurst

Rund 2,1 Millionen Tonnen CO2 werden infolge der Fußballweltmeisterschaft in die Luft gepustet. Das entspricht dem, was eine Stadt wie Münster jährlich verursacht. Während mancher noch den Würstchenkonsum der Fans für das Hauptproblem hält, hat sich der Weltfußballverband der Sache scheinbar schon angenommen.


Fußball
Früher wurde dem Fußball-Weltverband Fifa vorgeworfen, die Auswirkungen der Turniere auf das Klima zu ignorieren. Heute gibt es wohlfeile Worte. (Foto: Silvia Frank/​Pixel2013/​Pixabay)

Die Auswüchse des Fußballs wurden schon mehr als genug beklagt, von der zunehmenden Kommerzialisierung bis zur fehlenden Demokratie in den Gremien. Unter den Tisch fallen dabei meist die klimaschädlichen Konsequenzen der Fußballveranstaltungen – zum Beispiel durch das Vertilgen von Würstchen durch die Fans.

Dabei sind die Folgen der Würstchenmampferei keine Kleinigkeit. Bei der diesjährigen Fußballweltmeisterschaft in Russland verzehren die Stadionbesucher während eines Spiels im Durchschnitt 24.650 Würstchen, so die Schätzung des Online-Händlers Nu 3. Mehr als 3.000 Kilogramm CO2 würden dabei jeweils freigesetzt.

Bei 64 WM-Spielen häuft sich da einiges an. So kommt die WM allein durch den Würstchenkonsum in den Stadien auf einen CO2-Ausstoß von 195.000 Kilogramm. Um die freigesetzten Kohlendioxid-Emissionen wieder zu binden, bräuchte es nicht weniger als 326 Hektar Amazonas-Regenwald.

Die Zahlen beruhen auf einer Studie, die die Kohlendioxid-Emissionen von 130 Ländern anhand von Ernährungsgewohnheiten vergleicht. Daraus wurden die Emissionszahlen des Würstchenkonsums abgeleitet.

Grundlage der Nu-3-Schätzungen sind Zahlen aus dem Düsseldorfer Fußballstadion, in dem zuletzt ungefähr jeder zweite Besucher ein Würstchen aß. Daraus wurde der Wurstkonsum pro Stadionbesucher ermittelt. Aus der durchschnittlichen Zahl der Besucher der russischen WM-Stadien und Daten der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen wurden die CO2-Emissionen des Wurstkonsums bei der WM 2018 hochgerechnet.

Warum treibt der Online-Händler, der sich auf den Vertrieb von funktionellen Nahrungsmitteln spezialisiert hat, so einen Aufwand? Nach eigenen Angaben will das Unternehmen aus Berlin darauf aufmerksam machen, welchen Einfluss der Fleischkonsum auf die Umwelt hat.

Das meiste CO2 verursacht die Anreise

Ob das die Fußballfans, die besser zu klimafreundlichen Veggie-Würstchen greifen sollen, interessiert? Vermutlich genauso wenig wie die Zahlen, die die Fifa lange vor der Weltmeisterschaft vorgelegt hat. 2,1 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent dürfte die WM 2018 demnach verursachen. Das entspricht ungefähr den gesamten Emissionen der westfälischen Stadt Münster im Laufe eines Jahres.

Immerhin dürfte die diesjährige WM weniger Treibhausgase freisetzen als das Turnier 2014 in Brasilien. Die Fifa bezifferte die Emissionen dafür auf 2,7 Millionen Tonnen CO2.

Das brasilianische Unternehmen Personal CO2 Zero hat sogar noch höhere Zahlen vorgelegt. Rund drei Millionen Tonnen gehen demnach auf das Konto der WM in Brasilien. Rechnet man den Bau der Infrastruktur mit ein, dann steigen die Emissionen auf mehr als elf Millionen Tonnen.

Fast vorbildlich nehmen sich da die Deutschen aus: Als sie 2006 die WM ausrichteten, fielen offiziell nur 92.000 Tonnen CO2 an. Allerdings hatten die Veranstalter ihre WM mächtig schöngerechnet und die An- und Abreise internationaler Gäste außen vor gelassen.

Auch in diesem Jahr schlägt die Beförderung im Weltmeisterschafts-Budget ordentlich zu Buche. Drei Viertel der Gesamtemissionen gehen auf das Konto der mit dem Flugzeug anreisenden Fußballfans sowie des Verkehrs zwischen den zwölf Spielstätten.

Sorgen machen muss sich aber keiner, glaubt man dem Weltverband. "Die Fifa nimmt ihre Verantwortung für die Umwelt sehr ernst", gibt Generalsekretärin Fatma Samoura Entwarnung. Die Fans seien aufgerufen, ihre Emissionen zu kompensieren.

Fraglich ist dabei nicht nur, ob die Kompensation etwas bringt, sondern zunächst einmal, ob der Aufruf überhaupt bei den Fans angekommen ist.

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