Uni Göttingen plant Divestment

Als erste deutsche Stiftungsuniversität will die Georg-August-Universität ihr Vermögen nicht mehr in Unternehmen der Kohle-, Öl- und Gasindustrie stecken. Bildungseinrichtungen gehören weltweit zu den Antreibern der Divestment-Bewegung.


Luftaufnahme von Protest auf einem Platz der Uni Göttingen - Demonstranten bilden gemeinsam das Wort
Die Gruppe Fossil Free Göttingen bei einem Protest auf dem Universitätsgelände. (Foto: 350.org/Flickr)

Die Georg-August-Universität Göttingen will künftig nachhaltig investieren. Das heißt vor allem: Von dem Uni-Vermögen in Höhe von 190 Millionen Euro soll nichts mehr in das Geschäft mit Kohle, Öl und Gas fließen – so legen es die neuen Anlagegrundsätze fest. Bisherige Investitionen in diese Branchen will die Uni innerhalb von fünf Jahren zurückziehen.

"Gemäß unserem Wahlspruch 'In publica commoda – Zum Wohle aller' tragen wir nicht nur Verantwortung für die Erkenntnisse der Wissenschaft, sondern auch dafür, wie diese Erkenntnisse die Gesellschaft beeinflussen und leiten können", sagt Universitätspräsidentin Ulrike Beisiegel. "In diesem Sinne übernehmen wir auch bei unseren Investments eine gesellschaftliche Verantwortung und wählen diese nicht allein nach wirtschaftlichen Aspekten, sondern insbesondere auch nach sozial, ethisch und ökologisch vertretbaren Kriterien aus."

Die Hochschule folgt damit der Universität Münster, die im März als erste deutsche Universität ihr Divestment aus fossilen Energien angekündigt hatte. Anders als diese finanziert sich die Uni Göttingen allerdings aus dem Geld ihrer eigenen Stiftung – und kann damit einfache private Geldgeber gewinnen und unabhängig vom Staat über ihr Budget verfügen.

In anderen Ländern gehören Universitäten bereits zu den Antreibern der Divestment-Bewegung. Rund 16 Prozent der Organisationen, die ihr Geld erklärtermaßen aus fossilen Industrien abziehen, sind nach Zählung der Klimaschutzorganisation Fossil Free weltweit Bildungseinrichtungen.

Fragt man den Bewegungspionier Pionier Bill McKibben, Gründer der Umweltorganisation 350.org, kommt das nicht von ungefähr. "Die Unis müssen hier die Führung übernehmen, denn durch sie wissen wir vom Klimawandel", schrieb er schon 2012 in einem berühmt gewordenen Gastbeitrag in der Musikzeitschrift Rolling Stone, der eine regelrechte Gründungswelle von Studierendeninitiativen zum Divestment nach sich zog. In den USA haben bereits mehrere milliardenschwere Privatunis ihr Divestment aus allen oder zumindest einigen fossilen Technologien vollzogen.

Insgesamt sind den klimaschädlichen Branchen durch Divestment laut Fossil Free bereits mehr als sechs Billionen US-Dollar entgangen. Stärker noch als Bildungseinrichtungen beteiligen sich daran religiöse Gruppen, Wohltätigkeitsorganisationen und Regierungen.

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