Lebensverlängerung fürs Smartphone

Marktforscher sehen bei der Kommunikations­elektronik einen Trend zu generalüberholten Geräten. Deren Marktanteil liege bereits bei zehn Prozent. Bislang konzipieren die großen Hersteller ihre Geräte als Wegwerfprodukte, sagen Kritiker.


Ein blaues Fairphone 2 von vorn und daneben von hinten.
Einfach reparierbar und voll recyclingfähig: Kleine Hersteller wie Fairphone oder Shiftphone zeigen, was möglich ist. (Foto: Fairphone/​Wikimedia Commons)

Immer das neueste Smartphone oder Tablet? Hersteller wie Apple, Samsung und Google bringen im Jahrestakt neue Modelle auf den Markt. Das soll zum Neukauf und Ausmustern des Altgeräts anreizen.

Doch viele Verbraucher orientieren sich derzeit um. Neue Daten aus der Konsumforschung zeigen, dass sie zunehmend gerne zu sogenannten "Refurbished"-Produkten greifen – generalüberholten Geräten neuer oder älterer Modelle. Die Gründe: niedrigere Kosten, aber auch der Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit.

Klassische Gebraucht-Geräte werden meist direkt vom Vorbesitzer über Portale wie Ebay Kleinanzeigen verkauft und haben nicht selten Abnutzungsspuren. Refurbished-Produkte hingegen werden von spezialisierten Händlern oder direkt vom Hersteller angeboten.

Die Gebrauchtgeräte werden vor dem Weiterverkauf generalüberholt, und die Käufer erhalten meist auch eine neue Garantie. Apple bietet zum Beispiel "Refurbished"-Geräte an, Amazon hat ein "Renewed"-Programm und bei der Kette Media Markt-Saturn findet man Produkte, die als B-Ware verkauft werden.

Neue Zielgruppen

Laut einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK wurden im vergangenen Jahr in Deutschland rund zwei Millionen Refurbished-Geräte verkauft, was trotz des noch jungen Refurbish-Sektors bereits knapp zehn Prozent des Gesamtabsatzes entspricht.

Ähnlich seien die Anteile bei Smartwatches, Laptops und Unterhaltungselektronik allgemein. Relativ gesehen am meisten verbreitet ist die Gebraucht-Alternative bei Tablets, hier sind es fast 20 Prozent.

Zumeist greifen nach der Erhebung eher jüngere und gut gebildete Menschen nach den instandgesetzten Produkten, zudem seien sie bei Männern beliebter als bei Frauen.

Laut GfK gibt es klare Anzeichen dafür, dass sich die Prioritäten der Konsumenten derzeit ändern. "Dies liegt an den steigenden Preisen von Neugeräten, aber auch an der zunehmenden Nachhaltigkeitsorientierung der Verbraucher", sagte GfK-Experte Mathias Friedrichs. Mehr als zwei Drittel der Verbraucher fänden es wichtig, dass Unternehmen umweltfreundlich handeln.

Herstellern und Einzelhändlern rät Friedrichs daher, ökologische oder soziale Nachhaltigkeit in die eigene Markenpositionierung zu integrieren, wobei der Trend zu Refurbished-Produkten eine Rolle spielen könne. Dies könne eine Möglichkeit sein, neue Zielgruppen zu erschließen.

Nutzungszeit entscheidet

Tatsächlich ist die Verlängerung der Nutzungszeit der wichtigste Hebel, um die Umwelt- und Klimabelastung durch Handys und andere Elektronikgeräte zu senken.

Beispiel Klima-Fußabdruck: Bei einem Smartphone inklusive Netzteil schlägt die Produktion laut einer Studie des Öko-Instituts im Schnitt mit rund 100 Kilogramm CO2 zu Buche, der Strom zum Aufladen hingegen nur mit etwa fünf Kilo pro Jahr. Wird das Gerät, wie heute üblich, nur rund zweieinhalb Jahre genutzt, fallen jährlich insgesamt also 45 Kilo CO2 an, bei fünf Jahren aber nur 25. Und auch der Rohstoffbedarf sinkt entsprechend.

Umwelt- und Verbraucherschützer kritisieren, dass die großen Hersteller ihre Geräte bislang als Wegwerfprodukte konzipieren, um immer wieder neue Modelle verkaufen zu können. Reparaturen seien oft zu teuer, und auch der Akku lasse sich meist nicht mehr selbst wechseln.

Weiterer Kritikpunkt: Ältere Geräte müssen ausgemustert werden, weil aktuelle Apps nicht mehr darauf laufen. Alternative Hersteller wie Fairphone und Shiftphone beweisen, dass es anders geht. Allerdings ist deren Marktanteil bisher noch sehr gering.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

klimareporter° wird herausgegeben vom gemeinnützigen Klimawissen e.V. – Ihre Spende macht unabhängigen Journalismus zu Energiewende und Klimawandel möglich.

Spenden Sie hier