Tödliche Hitze in Japan 2018 nur durch Klimawandel erklärbar

Über Wochen 40 Grad, zahlreiche Hitzetote: Wissenschaftler der japanischen Wetterbehörde haben untersucht, inwieweit das extreme Wetter im vergangenen Sommer in Zusammenhang mit dem Klimawandel stand.


Mann mit ernstem Gesicht, Kimono und traditionellem Sonnenhut aus Stroh
Japan hat im vergangenen Jahr eine extreme Hitzewelle erlebt. (Foto: Marco Schulze/​Pixabay)

Japan hatte im vergangenen Sommer wie viele Regionen auf der Nordhalbkugel mit einer dramatischen Hitzewelle zu kämpfen. Wissenschaftler der japanischen Wetterbehörde haben nun errechnet: Die "Naturkatastrophe", wie die Regierung in Tokio das extreme Wetter eingestuft hat, "hätte ohne den menschengemachten Klimawandel nicht stattfinden können". Das Ergebnis gilt nur für Japan.

Wetter ist nicht gleich Klima – und lange hieß es bei Klimaforschern, ein einzelnes Wetterereignis könne man gar nicht auf den Klimawandel zurückführen.

Das Klima ist das durchschnittliche Wetter an einem Ort über einen langen Zeitraum, üblicherweise drei Jahrzehnte. Wetter ist chaotisch und kann auch mal untypisch sein. Gleichzeitig ist aber rein physikalisch klar, dass der Klimawandel Folgen hat. Schließlich hat sich die Luft an der Erdoberfläche seit der Industrialisierung schon um durchschnittlich ein Grad Celsius erwärmt.

Eine noch recht junge wissenschaftliche Disziplin beschäftigt sich genau damit: Die sogenannte Attributionsforschung versucht, den Anteil des Klimawandels an bestimmten extremen Wetterereignissen zu messen. 

Oft wird der Vergleich zu Detektiven gezogen: Die Forscher suchen nach den Spezifika des Wetterereignisses, nach Indizien gewissermaßen – und lassen diese Beobachtungsdaten dann am Computer in komplexe Klimamodelle einfließen. Mit denen berechnen die Wissenschaftler, wie wahrscheinlich das Wetterereignis in einer hypothethischen Welt ohne erhitzte Erde aufgetreten wäre, und dann noch einmal, wie wahrscheinlich es mit den realen Klimadaten war. Im Anschluss wird verglichen.

Das jetzige Ergebnis der japanischen Wetterbehörde ist in seiner Eindeutigkeit auch in der Attributionsforschung außergewöhnlich. Bei der Untersuchung der Hitzewelle in Nordeuropa hatte eine Attributionsstudie beispielsweise ergeben, dass der Klimawandel sie doppelt so wahrscheinlich gemacht habe. Auch ohne Klimawandel hätte es sie also mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit geben können.

Für Japan gilt das der aktuellen Studie nach nicht: "Wir haben geschlussfolgert, dass das Wärmeereignis im Juli 2018 niemals passiert wäre ohne den menschengemachten Klimawandel", heißt es darin. Die Wissenschaftler selbst weisen allerdings darauf hin, dass es sich um einen "ersten Versuch" handele, die natürlichen und menschengemachten Ursachen der Hitzewelle zu verstehen. Weitere Forschung sei nötig.

Der heiße Sommer hatte in Japan katastrophale Folgen. Im Juli war zunächst von Dutzenden Hitzetoten die Rede gewesen. Mittlerweile gibt das japanische Gesundheitsministerium an, dass 1.032 Menschen gestorben seien.

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