Unpopuläre Entscheidungen, attraktiver Grünstrom und Bewegung bei Elektro-Dienstwagen

Kalenderwoche 47: Wer klimapolitisch richtige Entscheidungen trifft, sollte auch finanziell profitieren, sagt Gero Lücking, Geschäftsführer für Energiewirtschaft beim Ökostrom-Anbieter Lichtblick und Mitherausgeber von Klimareporter°. Deshalb müssen fossile Energieträger verteuert werden.


Gero Lücking. (Foto: Amac Garbe)

Immer wieder sonntags: Unsere Herausgeber erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Gero Lücking, Geschäftsführer für Energiewirtschaft beim unabhängigen Ökostrom-Anbieter Lichtblick.

Klimareporter°: Herr Lücking, in Frankreich gibt es breite Proteste gegen eine Erhöhung der Mineralölsteuer. Umfragen zufolge sind drei Viertel der Bevölkerung gegen eine solche Maßnahme. Wie ließe sich das ändern?

Gero Lücking: Im Kern sind das unpopuläre Entscheidungen. Zu hoffen, sie könnten auf Gegenliebe und Verständnis stoßen, ist wohl naiv. Es geht an den Geldbeutel eines jeden Einzelnen, und da hört dann wohl das Verständnis auf.

Ein gutes Beispiel dafür ist auch der Umgang der Bild-Zeitung mit dem Thema. Das Blatt stellt die Umweltministerin auf der Titelseite öffentlich an den Pranger, weil sie eine CO2-Besteuerung fordert. Inhaltlich – wie auch die Redakteure wissen – zwingend, aber unpopulär. Schon bei der Bild-Zeitung an Verantwortung zu appellieren, ist offenbar zwecklos.

Der Thinktank Agora Energiewende plädiert dafür, Abgaben auf Kraft- und Brennstoffe im Klimaschutzgesetz der Bundesregierung zu verankern. Die Experten schlagen ein Konzept vor, das Benzin und Öl teurer, grünen Strom aber billiger macht, sodass für Verbraucher keine Nachteile entstehen. Eine gute Idee?

Wir müssen den Strompreis von Abgaben und Steuern entlasten. Strom soll schon bald vollständig regenerativ und klimafreundlich erzeugt werden. Deshalb wird er auch zu immer größeren Anteilen in den Bereichen Wärme und Verkehr eingesetzt werden müssen. So wird die Welt elektrisch und klimaverträglicher. Wenn der Strom aber – so wie derzeit – durch Abgaben und Steuern künstlich verteuert wird, ist der Einsatz von Strom wenig attraktiv.

Verbraucher, die jetzt schon in Elektromobilität oder elektrische Wärmepumpen investieren und damit die klimapolitisch richtigen Entscheidungen treffen, zahlen drauf. Sie sollten aber nicht bestraft werden. Im Gegenteil: Wer die klimapolitisch richtigen Entscheidungen trifft, sollte finanziell entlastet werden.

Im Vergleich zu anderen, weniger klimafreundlichen Alternativen sollte es billiger werden, das Richtige zu tun. Also muss Ökostrom entlastet und fossile Energieträger wie Öl, Gas, Benzin, Diesel und Kohlestrom müssen im Gegenzug verteuert werden.

Und was war Ihre Überraschung der Woche?

Tesla bringt den Mittelklassewagen Model 3 nach Deutschland. In den Tesla-Shops kann man das neue Elektroauto besichtigen. Gleichzeitig beschließt die Bundesregierung, die Regelung für die Dienstwagenbesteuerung zu ändern. Damit halbieren sich – zumindest für Dienstwagenfahrerinnen und -fahrer – die Kosten der Elektromobilität. Das wird den Markt in Bewegung bringen.

Aber auch das ist wieder nur halb gut, weil die neue Regelung auch für Plug-in-Hybride gilt. Die Autos, die sowohl einen Elektro- als auch einen Benzinmotor haben, erweisen sich in den Tests des ADAC als wahre Spritschlucker.

Fragen: Friederike Meier

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