Das Ende der Erdöl-Ära

"Peak Oil" war schon – nämlich im Jahr 2019. Das jedenfalls vermutet der britische Klima-Thinktank Carbon Tracker. Er sieht die E-Mobilität vor dem Durchbruch.


Weiße Mittelklassewagen stehen an einer Elektroauto-Ladestation in der chinesischen Millionenstadt Chongqing.
E-Ladestation im chinesischen Chongqing, 2018. (Foto: Xu Jun/​Shutterstock)

"Peak Oil" – so nennen Energieexperten den Moment, in dem der weltweite Ölverbrauch seinen absoluten Höhepunkt erreicht und dann abnimmt.

Je früher er liegt, desto besser, um die Pariser Klimaziele überhaupt noch einhalten zu können. Bisher glaubten Optimisten, der Peak könne im neuen Jahrzehnt erreicht werden. Andere: wohl erst in den 2030er oder 2040er Jahren.

Jetzt aber meint der renommierte britische Klima-Thinktank Carbon Tracker: Der Höchststand liegt womöglich schon hinter uns – im Jahr 2019.

Grund für diese Einschätzung: der schnelle Umstieg auf Elektromobilität in Schwellenländern wie China und Indien.

Bisher geht die Internationale Energieagentur IEA davon aus, dass der globale Erdölverbrauch noch einige Jahre wächst, getrieben von weiterer Zunahme der Motorisierung vor allem in den aufstrebenden Ökonomien im Süden.

Laut IEA werden 80 Prozent des prognostizierten Nachfrageanstiegs bis 2030 aus dem Verkehr in Schwellenländern stammen. China und Indien allein seien für die Hälfte davon verantwortlich.

Carbon Tracker allerdings erwartet, dass bereits die besonders von China forcierte Umstellung auf Elektrofahrzeuge das globale Wachstum der Ölnachfrage bis 2030 um 70 Prozent senken wird.

Hinzu komme, dass auch in den Industrieländern der Verkauf von E-Autos deutlich an Fahrt aufnimmt. Auch das senkt tendenziell den Spritabsatz. Dies werde dazu beitragen, die Öl-Ära zu beenden.

"Es wird immer wahrscheinlicher, dass wir 2019 die Nachfragespitze beim Öl erlebt haben", so Thinktank Experte Kingsmill Bond.

Autofahren mit Erdöl ungleich teurer

China ist der größte Automarkt der Welt, das Land überholte die USA 2009 als Hersteller Nummer eins. Die Regierung in Peking pusht die E-Mobilität, um die Luftqualität in den Städten zu verbessern und den CO2-Ausstoß zu senken.

Hinzu kommt, dass das Land auch der größte Ölimporteur ist und 70 Prozent seines Verbrauchs einführt – eine Abhängigkeit, die die Regierung abbauen möchte.

Einen Schlusstermin für die Produktion von Verbrennern gibt es allerdings noch nicht. Die IEA erwartet, dass 2030 in China 40 Prozent der Neuwagen elektrisch fahren, in Indien 20 Prozent.

Carbon Tracker wiederum rechnet damit, dass E-Autos dank sinkender Batteriepreise in den nächsten Jahren preislich mit Verbrennern gleichziehen. Dies werde den Umstieg weiter beschleunigen.

Der Thinktank rechnet vor, dass alle Schwellenländer zusammen bis 2030 durch den Übergang zur E-Mobilität bis zu 250 Milliarden US-Dollar pro Jahr an Ölimporten einsparen könnten. Im Fall Chinas seien es über 80 Milliarden, bei Indien über 35 Milliarden.

Das sei mehr als genug Geld, um die neue Infrastruktur für die E-Autos aufzubauen, etwa ein Netz von Ladestationen.

Laut Carbon Tracker sind die Kosten für den Import von Öl für ein durchschnittliches Auto zehnmal höher als die Kosten für den Solarstrom, der für den Betrieb eines gleichwertigen Elektrofahrzeugs benötigt wird.

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