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Das Akku-Sparschwein

Von Smartphone bis E-Scooter: Mit selbst wechselbaren Batterien könnten die Verbraucherinnen und Verbraucher in der EU 20 Milliarden Euro pro Jahr sparen – und dem Klima helfen, rechnen Fachleute vor.


Mann im Anzug sitzt in der Bahn und schaut auf sein Smartphone, man sieht nur Hände und Oberkörper.
Akkuwechsel und Reparatur sollen einfacher werden – oder überhaupt wieder möglich sein. (Foto: Martin Vorel/Libreshot)

Wer Handys schon etwas länger nutzt, erinnert sich noch: Ausgediente Akkus mit zu schwacher Speicherkapazität konnte man mit ein paar Handgriffen austauschen, und die Ersatzteile waren im Handy-Laden oder im Internet für ein paar Euro leicht zu kriegen.

Heute ist das anders. Fast nur alternative Hersteller wie Fairphone oder Shiftphone bauen ihre Geräte so, dass das möglich ist. Alle anderen, die einen neuen Akku brauchen, müssen ihn teuer im Laden oder beim Hersteller wechseln lassen. Oder legen sich gleich ein neues Smartphone zu.

Das Problem gibt es inzwischen auch bei vielen anderen Geräten. Eine neue Untersuchung zeigt, dass die Austauschbarkeit und Reparaturfreundlichkeit der meisten Akkus in Unterhaltungselektronik, aber auch etwa bei E-Rollern, mangelhaft ist. Das führe zu kürzeren Produktlebensdauern, steigenden Elektroschrottmengen, dem Verlust seltener Rohstoffe und unnötigen Ausgaben für Verbraucher:innen.

So steht es in der Studie, die vom Dachverband Europäisches Umweltbüro (EEB), der Kampagne "Right to Repair" und einem Forschungsteam der Universität Lund in Schweden veröffentlicht wurde. Laut den Angaben ist es die erste umfassende Untersuchung zu diesem Thema.

Ohne die wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Batterien geht heute nichts mehr. Sie finden sich in den meisten mobilen Geräten – von Smartphones über Tablets und Laptops bis hin zu E-Scootern und E-Bikes.

Ein schwacher Akku ist eines der häufigsten Probleme in der Unterhaltungselektronik und oft auch die erste Komponente, die bei den elektrischen Antrieben versagt. Laut der Studie sind 42 Prozent der Reparaturen von Smartphones und 27 Prozent der Reparaturen von Laptops auf den Wechsel der Batterien zurückzuführen.

Mit Tausch-Akkus 30 Prozent CO2-Einsparung

Die Untersuchung, die unter anderem auf Umfragen und Interviews mit Menschen aus der Reparatur- und Recyclingbranche beruht, zeigt: Viele Batterien sind schwer zugänglich verbaut, verklebt – dies bei Handys und Smartphones zu fast 100 Prozent – oder durch Softwaresperren blockiert. Zudem mangelt es häufig an Ersatzteilen, Werkzeug und Reparaturinformationen. Deshalb würden viele Akkus nie ausgetauscht, repariert oder recycelt.

Und das Problem wächst, denn Schätzungen zufolge wird die Nachfrage in den nächsten zehn Jahren weiter steigen – um bis zu 60 Prozent bei Batterien in Unterhaltungselektronik und 15 Prozent bei E-Scootern und E-Bikes.

Chloé Mikolajczak von der Kampagne "Right to Repair" verwies darauf, dass die Akkus bei diesen Produkten durchschnittlich nur drei Jahre hielten. "Die meisten Reparateur:innen, mit denen wir gesprochen haben, gaben an, dass das Risiko, ein Gerät beim Entfernen des Akkus zu beschädigen, in den letzten Jahren gestiegen ist." Eine beträchtliche Anzahl von Geräten werde aufgrund von Problemen mit der Batterie vorzeitig entsorgt.

Right to Repair ist ein Zusammenschluss von über 80 Organisationen aus 18 EU-Ländern, die sich für länger haltbare und besser reparierbare Produkte einsetzen.

Das Team der Universität Lund rechnet vor: Wären alle neuen Smartphones und Tablets, die im Jahr 2030 voraussichtlich in der EU verkauft werden, mit leicht austauschbaren Akkus ausgestattet, ließen sich 30 Prozent der Jahres-CO2-Emissionen dieser Geräte einsparen.

Zudem würde sich durch besseres Recycling der Verlust von wichtigen Rohstoffen wie Kobalt und Indium verringern. Und die Verbraucher:innen könnten pro Jahr fast 20 Milliarden Euro einsparen.

Neues EU-Gesetz soll Entnehmbarkeit vorschreiben

Der Druck auf die Hersteller, das Akku-Problem besser zu lösen, wächst. So plant die EU eine "Batterieverordnung", die den gesamten Lebenszyklus von Akkus von der Lieferkette bis zur Entsorgung regeln soll. Über das Gesetz verhandelt derzeit das Europäische Parlament mit den EU-Mitgliedsstaaten.

Smartphones mit wechselbarem Akku

Bei Smartphones geht der Trend seit Jahren zum fest eingebauten Akku. Es lassen sich jedoch noch Modelle finden, bei denen man ihn selbst wechseln kann.

 

Bei alternativen Herstellern wie Fairphone gehört die modulare Bauweise, die den Austausch auch von anderen Bauteilen möglich macht, zum Konzept, auch beim aktuellen Modell 4 5G. Samsung bietet als Modell mit Wechselakku das Outdoor-Gerät Galaxy Xcover 5 an. Weitere Modelle kommen unter anderem vom deutschen Hersteller Gigaset (GS5), dem Seniorenhandy-Spezialisten Emporia (Smart 5) und dem finnischen Unternehmen HMD Global (Nokia 1.3).

 

Apple hat unterdessen angekündigt, Smartphone-Kunden künftig Ersatzteile, Werkzeug und Anleitungen anzubieten, damit sie ihre Geräte selbst reparieren können, vorerst aber nur in den USA.

In dem Vorschlag der EU-Kommission geht es vor allem um die Entnehmbarkeit von Batterien. Kritiker monieren, dass der Gesetzentwurf bisher keine Regeln zur Verfügbarkeit von Ersatzteilen und zum Problem der Softwaresperren enthält, die eine Batteriereparatur verhindern. Zudem würden leichte E-Fahrzeuge nicht erfasst.

Unterdessen hat ein Bündnis von Elektronikreparatur-Betrieben, Unternehmen der Recyclingindustrie und Nichtregierungsorganisationen dazu eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht. Die über 500 Organisationen fordern darin, die Anforderungen an die Hersteller gegenüber den bisherigen Plänen zu verschärfen.

Jean-Pierre Schweitzer vom Europäischen Umweltbüro sagte: "Die Hersteller verschwenden wertvolle Ressourcen und zwingen die Verbraucher:innen dazu, Geräte vorzeitig zu ersetzen." Die EU-Mitgliedsstaaten und das Europaparlament hätten nun die Chance, sich dieser Probleme anzunehmen.

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