Saudis greifen nach der Sonne

Das Erdöl-Land steigt mit einem extrem ambitionierten Programm in die Solarenergie ein. Der saudische Kronprinz Salman verspricht Millionen gute Arbeitsplätze und den Schutz von Klima und Gesundheit.


Solarpark in der saudischen Wüste.
Saudi-Arabien hat die Voraussetzungen, um Solarstrom besonders günstig zu erzeugen. (Foto: Phoenix Solar/​Wikimedia Commons)

Saudi-Arabien gehört mit den USA und Russland zu den drei größten Erdölproduzenten weltweit und hat sich jahrzehntelang als Chefbremser bei den internationalen Klimaverhandlungen betätigt. Doch auch dort beginnt der Umbau der Energieversorgung.

Jüngst wurde der erste große Solarpark eingeweiht, zudem der Vertrag für ein Mega-Solarkraftwerk abgeschlossen. Das passt zu den unlängst verkündeten Klimaplänen: Bis 2030 strebt Saudi-Arabien 50 Prozent erneuerbare Energien an und will in den nächsten Jahrzehnten zehn Milliarden Bäume pflanzen.

Das saudische Unternehmen ACWA Power, Betreiber von Stromerzeugungs- und Wasserentsalzungsanlagen, hat die offizielle Einweihung des Solarkraftwerks "Sakaka PV" mit 300 Megawatt Spitzenleistung bekannt gegeben.

Es handelt sich um das erste Ökoenergie-Projekt in Saudi-Arabien, das spürbar zur Stromversorgung beiträgt. Investitionskosten: umgerechnet 290 Millionen Euro.

Sakaka PV ist das Pilotprojekt für weitere Anlagen gemäß dem "Nationalen Erneuerbare-Energien-Programm" (NREP), das die Saudis aufgelegt haben. Langfristig soll die Kapazität laut Energieministerium auf 58.700 Megawatt ansteigen.

Nächster großer Schritt ist das Kraftwerk "Sudair" mit 1.500 Megawatt, das 150 Kilometer von Riad gebaut werden. Es soll im kommenden Jahr fertiggestellt werden und Strom für den rekordverdächtig niedrigen Preis von umgerechnet 1,03 Eurocent pro Kilowattstunde produzieren.

Damit unterbietet Sudair sogar das noch größere Solarkraftwerk, das die Vereinigten Arabischen Emirate derzeit bauen. Es soll im Endausbau 2.000 Megawatt Nennleistung haben, Stromkosten hier: 1,15 Cent.

Wie ehrgeizig Riads Pläne für die Ökoenergien sind, kann man daran sehen, dass ihr Anteil am Endenergieverbrauch bisher unter einem Prozent liegt. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) waren es 2017 nur 0,02 Prozent.

"Eine ziemlich kühne Ansage"

Kronprinz Mohammed bin Salman sagte bei der Vorstellung der Ausbauziele, das Königreich habe eine Mitverantwortung, den Kampf gegen die Klimakrise voranzutreiben. Im eigenen Land hätten sich Wüstenbildung, Staubstürme und Luftverschmutzung erhöht, was der saudischen Wirtschaft und der Gesundheit der Bürger schade.

"Klimamaßnahmen werden die Wettbewerbsfähigkeit verbessern, Innovationen auslösen und Millionen von hochwertigen Arbeitsplätzen schaffen", sagte Salman laut der saudischen Presseagentur. 

Tanzeed Alam, ein in den Emiraten ansässiger Klimaexperte, nannte Saudi-Arabiens Erneuerbaren-Ambitionen "riesig". Wenn so etwas von einem der größten Ölproduzenten komme, "ist das eine ziemlich kühne Ansage", sagte er dem britischen Infodienst Climate Home.

Die gute Nachricht

Alles geht den Bach hinunter? Den Eindruck kann man beim (Klima-)​Nachrichtenlesen leicht bekommen, und oft stimmt er. Aber es gibt auch positive Entwicklungen. Die sammeln wir hier.

In einigen Bergregionen des Landes gebe es Windkraft-Potenzial, der Löwenanteil des Ökostroms werde jedoch aus Solarenergie in der Wüste kommen. Die Größe der Projekte und die starke Sonneneinstrahlung machten Solarstrom in Saudi-Arabien billiger als anderswo, sagte Alam. Nötig seien aber auch große Investitionen in die Energiespeicherung, um bis 2030 die Hälfte der Energie erneuerbar verfügbar zu machen. 

Unklar ist unterdessen, wie realistisch der Plan ist, in Saudi-Arabien zehn Milliarden und im gesamten Nahen Osten 50 Milliarden Bäume zu pflanzen. Das Land ist immerhin das dritttrockenste weltweit, und derzeit sind nur etwa 0,5 Prozent seiner Fläche bewaldet.

Überhaupt beschränkt sich der Baumbestand im Nahen Osten im Wesentlichen auf die Mittelmeerküste. Experten halten eine Begrünung für denkbar, wenn angepasste Baumarten gewählt werden, etwa der Ghaf, der immergrüne Nationalbaum der Emirate, der wenig Wasser braucht, lange lebt und die Biodiversität unterstützt.

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