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ZMP Fachkongress 2021

Ein Stern für das Ehrenamt im Klimaschutz

In kleinen Gemeinden bewirken Klimaschutzpaten Strukturverbesserungen und Wertschöpfung. Ein Modellprojekt erhält eine begehrte Auszeichnung vom internationalen Klima-Bündnis.


Ein Mann bereitet Essen zu
"Klimakochen" heißt für Karsten Bessai keineswegs nur vegetarisch, aber regional und saisonal. (Foto: Energieagentur Rheinland-Pfalz)

Ohne das Engagement der Kommunen sind die Klimaschutzziele in Deutschland nicht zu erreichen. Diese Erkenntnis wird von politisch Verantwortlichen auf allen Ebenen nicht nur geteilt, sie wird bei fast jeder sich bietenden Gelegenheit auch öffentlich vorgetragen.

Zugleich aber leiden die Gemeinden fast durchgängig an einer viel zu knappen Finanzdecke, sind oft so klamm, dass es kaum für die Pflichtaufgaben reicht.

Klimaschutz ist, Stand heute, keine Pflichtaufgabe der Kommunen. Und so beklagt etwa Daniela Franke, Geschäftsführerin des rheinland-pfälzischen Landkreistages: "Leider können sich gerade kleine Kommunen oftmals schon deshalb nicht an Förderprojekten beteiligen, weil sie weder über ausreichend Personal noch über genug Mittel für den Eigenanteil verfügen."

Auch extrem hohe Förderquoten für Klimaschutz-Maßnahmen gehen demnach dort ins Leere, wo Gemeinden die Restkosten nicht aufbringen können.

Wo professionelles Klimaschutzmanagement wegen fehlender Mittel nicht infrage kommt, setzt ein Modellprojekt der Energieagentur Rheinland-Pfalz an, das kürzlich mit dem "Climate Star" des internationalen Klima-Bündnisses ausgezeichnet worden ist.

"Klimaschutz in kleinen Kommunen durch ehrenamtliche Klimaschutzpaten" lautet der Titel des vom Bundesumweltministerium im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative geförderten Projekts, kurz: "Klikk aktiv".

Gerade in kleinen und oft auch ländlichen Kommunen liegen erhebliche Potenziale im Bereich Klimaschutz. Die ehrenamtlichen Klimaschutzpaten im Projekt "Klikk aktiv" decken diese Potenziale auf, besprechen Lösungsansätze mit kommunalen Gremien und setzen gemeinsam mit ihnen konkrete Maßnahmen um.

Porträtaufnahme von Axel Bernatzki.
Foto: privat

Axel Bernatzki

ist stellvertretender Leiter der Kommunikations­abteilung der Energie­agentur Rheinland-Pfalz und Referent im Regional­büro Mittel­rhein, das für die Kreise Rhein-Hunsrück und Rhein-Lahn zuständig ist. Als Journalist hat er mehr als 30 Jahre Berufs­erfahrung in der Tages­zeitungs­produktion.

In 37 Kommunen in Rheinland-Pfalz sind zurzeit 44 Klimaschutzpaten aktiv. 23 Kommunen haben Ratsbeschlüsse zur Durchführung von Maßnahmen gefasst.

Das schlägt sich deutlich in der Treibhausgas-Bilanz nieder. Auf 14.000 Tonnen jährlicher CO2-Minderung rechnet Sabrina Wolf von "Klikk aktiv" den Ertrag in den teilnehmenden Orten hoch. Und ihre Kollegin Lisa Rothe ergänzt: "Zudem haben wir rund 20 Millionen Euro an Investitionen angestoßen."

So erzeugt das Projekt, neben den positiven Auswirkungen aufs Klima, auch wichtige Effekte für regionale Wertschöpfung und Strukturentwicklung. Unter den mehr als 100 Maßnahmen finden sich erneuerte Heizungen in kommunalen Gebäuden oder neue Photovoltaikanlagen, der Ausbau von Radwegen oder Initiativen für Wärmenetzverbünde und Quartierskonzepte.

"Gutes Klima im Dorf"

Ein Beispiel für das Wirken der Klimaschutzpaten ist der Ort Kerzenheim im Donnersbergkreis, gut 2.000 Einwohner zählt die pfälzische Gemeinde. Seit zwei Jahren sitzt Karsten Bessai dort im Rat, fast so lange "amtiert" er als lokaler Klimaschutzpate.

Seine Begeisterung für diese Aufgabe ist ihm anzumerken, als er die Vielzahl kleiner Aktionen und konkreter Verbesserungen im Ort aufzählt: Blühstreifen, Nistkästen- und Insektenhotel-Workshops, Totholz-Hecken oder "ein Obstbaumbeschnitt-Kurs, zu dem bei strömendem Regen mehr als 50 Leute kamen" – Biodiversität ist in Kerzenheim ein großes Thema.

Ausgangspunkt des Aktionsplans war eine Zukunftswerkstatt; die Teilnahmebereitschaft hat selbst den Initiator überrascht. "Gutes Klima im Dorf" dient als Slogan, und er gilt Bessai zufolge ebenso im übertragenen Sinn. Auch die Dorfgemeinschaft, das Miteinander, habe von "Klikk aktiv" enorm profitiert.

Mit ihrer Aktion hat die Energieagentur Rheinland-Pfalz mehr als 1.500 Bürgerinnen und Bürger im Land erreicht, trotz der Corona-Einschränkungen – über Veranstaltungen, Vorträge, Energiewerkstätten, Aktionstage in Kitas oder regionale Koch-Workshops.

So einen hat übrigens Klimaschutzpate Bessai gestaltet: Der 47-Jährige ist im Hauptberuf Berater für nachhaltige Verpflegung, betreibt ein kleines Tagungshaus und etwas Nebenerwerbs-Landwirtschaft. "Klimakochen" heißt für ihn keineswegs nur vegetarisch, aber regional und saisonal: "Der Bauer schreibt den Speiseplan, nicht der Koch – es gibt, was es gibt."

Künftig auch in anderen Bundesländern?

Das Klima-Bündnis vergibt seit 2002 die Climate-Star-Auszeichnung an herausragende Projekte von Städten, Gemeinden und regionalen Netzwerken in ganz Europa – in den Bereichen erneuerbare Energien, Mobilität, Konsum, Stadt- und Regionalentwicklung sowie Beteiligung von Bürgern und Bürgerinnen.

Neben dem Ehrenamtsprojekt Klikk aktiv wurden 15 weitere Klimaschutzprojekte aus Deutschland, Italien, Luxemburg, Österreich, Rumänien, der Schweiz und Ungarn ausgezeichnet.

"Wir sind sehr stolz, zu den Preisträgern zu zählen", sagt Michael Hauer, Geschäftsführer der Energieagentur Rheinland-Pfalz in Kaiserslautern. "'Klikk aktiv' ist als bundesweit einzigartiges Pilotprojekt gestartet. Die Erfolge sind so überwältigend, dass inzwischen auch andere Bundesländer und Südtirol das Ehrenamtsprojekt übernehmen wollen."

Geht es nach Hauer und den Verantwortlichen in der Energieagentur, soll das Projekt schon bald bundesweit zum Tragen kommen. Für ein regional und inhaltlich stark ausgeweitetes Nachfolgeprojekt ist die Förderung aus Bundesmitteln beantragt und derzeit beim Projektträger Jülich in Prüfung.

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