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Nur Bierflaschen nehmen den Mehrweg

Ein neues Verpackunggesetz ab 2019 und ein neuer Anlauf der Mehrweg-Initiative von Herstellern, Handel und Verbänden: Ob damit dem Vormarsch der Einwegflaschen Einhalt geboten werden kann, ist mehr als fraglich. An wirkungsvolle Maßnahmen wie eine zusätzliche Einweg-Abgabe traut sich die Politik nicht heran.


Zwei junge Leute trinken Wasser aus einer Plastikflasche
Viele haben ständig eine Flasche Wasser dabei – blöd nur, wenn es eine Einwegflasche ist, die nach dem Gebrauch zerhäckselt wird. (Foto: Priyanka Sharma/​Pixabay)

Einzig beim Bier ist die Welt noch in Ordnung. Zumindest wenn es um die Verpackung geht. Dass der Absatz des Gerstensaftes Jahr um Jahr schrumpft, steht auf einem anderen Blatt. Doch wenn die Deutschen Bier kaufen, greifen sie zuverlässig zur wiederverwendbaren Glasflasche. Die Mehrwegquote bei Bier erreicht locker die gesetzlich vorgegebenen 80 Prozent.

Anders sieht es bei Mineralwasser und Erfrischungsgetränken aus. Stetig sinkt dort die Mehrwegquote. Nur 30 Prozent der verkauften Mineralwässer rollen in Mehrwegflaschen über das Kassenband. Noch weniger sind es bei den Erfrischungsgetränken: Nur jede fünfte verkaufte Flasche ist noch Teil des Mehrwegsystems.

Die ökologisch bedenklichen Einwegverpackungen aus Plastik sind weiter auf dem Vormarsch. In den vergangenen Jahren fiel die Mehrwegquote dramatisch. Statt wie einst 70 Prozent werden heute nur noch 43 Prozent erreicht. Nach Ansicht der "Mehrweg-Allianz" – bestehend aus der Deutschen Umwelthilfe, der Stiftung Initiative Mehrweg sowie den Verbänden des Getränkegroß- und -einzelhandels und der Privatbrauereien – sind dafür internationale Getränkekonzerne wie Coca-Cola, Pepsi und Danone Waters sowie Handelsdiscounter wie Aldi und Lidl verantwortlich, weil sie sich immer mehr dem Mehrwegsystem entziehen.

Im kommenden Januar tritt ein neues Verpackungsgesetz in Kraft. Es verlangt eine Mehrwegquote von 70 Prozent spätestens im Jahr 2021. Eigentlich war diese Quote schon aus dem Gesetzentwurf des Bundesumweltministeriums herausgefallen – erst auf Druck von Bundestag, Bundesrat und der Mehrweg-Lobby wurde sie wieder ins Gesetz gehievt.

Eine Flut von Plastikflaschen

16 Milliarden Einweg-Plastikflaschen werden jedes Jahr in Deutschland hergestellt. Ein Grund, warum der Anteil der Verpackungsabfälle in Deutschland mit 220 Kilogrammm pro Kopf und Jahr weit über dem europäischen Durchschnitt liegt.

Vorschläge, wie der Anteil der Mehrwegflaschen wieder gesteigert werden kann, hat die Politik bislang aber nicht vorgelegt. Deshalb fordern die Mehrweg-Befürworter von der Bundesregierung einen konkreten Maßnahmenplan.

Das soll dem Mehrwegsystem wieder auf die Beine helfen: Mit einer zusätzlichen Abgabe auf Einweg-Plastikflaschen soll deren Absatz eingedämmt und die Kundschaft dazu gebracht werden, wieder stärker zur Mehrwegflasche zu greifen. 20 Cent zusätzlich zum Pfand schlagen die Mehrweg-Befürworter vor. Weiterhin sollten die Ausnahmen für Säfte und Nektare bei der Pfandregelung aufgehoben werden. Warum eine Einwegplastikflasche mit Cola bepfandet, aber mit Saft weiterhin unbepfandet sein soll, sei nicht nachvollziehbar.

Und weil einer Befragung zufolge fast jeder zweite Konsument Mehrweg- von Einwegflaschen nicht mehr unterscheiden kann, soll es eine deutlichere Kennzeichnung geben. Laut dem Umweltverband Nabu könnten 400.000 Tonnen Plastikmüll und 1,5 Millionen Tonnen CO2 vermieden werden, wenn der Mehrweganteil wieder auf 80 Prozent steigen würde.

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