Mehrweg stürzt ab

Immer mehr Getränke werden in Einwegflaschen abgefüllt, obwohl das für Umwelt und Klima eine schlechte Wahl ist. Nur eine Einweg-Steuer kann helfen.


Zusammengepresste Plastikflaschen
Rund 400 Millionen Tonnen Plastik werden weltweit im Jahr produziert, vor allem für Einwegverpackungen. Ein großer Teil davon landet in der Umwelt. (Foto: Hans Braxmeier/Pixabay)

Die Kurve weist weiter nach unten: Immer weniger Getränke werden in Mehrwegflaschen abgefüllt. Nur noch rund 44 Prozent beträgt der Anteil in den wichtigen Getränke-Segmenten Wasser, Bier, Erfrischungsgetränke und alkoholhaltige Mischgetränke – das zeigt eine Auswertung, die das Umweltbundesamt (UBA) jetzt für das Jahr 2016 vorgelegt hat.

Inzwischen dürfte der Anteil noch weiter gesunken sein. Dabei sollten es eigentlich 80 Prozent sein.

Dieses Ziel steht in der Verpackungsverordnung – eine Vorgabe, um die sich aber ganz offensichtlich weder Handel noch Verbraucher scheren.

Die Zahlen zeigen, dass nur die Biertrinker dem Mehrweg einigermaßen treu sind. Hier liegt der Anteil immer noch bei 82 Prozent, beim Wasser sind es nur noch 39 und bei den Erfrischungsgetränken 29 Prozent.

Die Tendenz geht insgesamt klar zu den Einweg-Kunststoff-Flaschen. Ihr Marktanteil beträgt inzwischen mehr als die Hälfte (52 Prozent). Dosen erreichen drei Prozent, Getränkekartons ein Prozent.

Umgekehrt greifen die Kunden immer weniger zu den Mehrweg-Varianten – in Glas oder Kunststoff. Glasflaschen kommen nur noch auf 29,  Plastikflaschen auf 14 Prozent.

Das UBA unterstreicht erneut, dass die Mehrwegsysteme deutliche Umweltvorteile haben und weniger Energie verbrauchen als die Einwegvarianten – besonders, wenn die Kreisläufe regional sind, also Bier oder Mineralwasser nicht quer durch die halbe Republik kutschiert und die Flaschen vor der Wiederbefüllung effizient gereinigt werden.

Aus Umweltsicht sei "eine Steigerung des Mehrweganteils bei den Getränkeverpackungen erforderlich", schreibt das Amt.

Der Umweltverband Nabu hat ausgerechnet: Eine Steigerung auf die ursprünglich angepeilten 80 Prozent brächte immerhin eine Reduktion der deutschen CO2-Emissionen um jährlich 1,4 Millionen Tonnen – so viel, wie 500.000 Autos ausstoßen.

Discounter kennen nur die Sprache der Zahlen

Fakt ist: Der Versuch, die Mehrweg-Erosion mit dem 2003 vom damaligen Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) eingeführten Einwegpfand von 25 Cent pro Flasche zu stoppen, ist gescheitert. Sie konnte nur kurz gebremst werden.

Hauptgrund dafür ist weniger Bequemlichkeit der durstigen Kunden. Sie tragen die befandeten Einweg-Flaschen ja genauso wie die Mehrwegflaschen zum Geschäft zurück, um das Pfad zurückzukriegen.

Es ist vielmehr die Angebotspolitik der Discounter, die meist gar kein Mehrweg mehr anbieten, und vieler Supermärkte, die zum Beispiel Mineralwasser in Einweg oft viel billiger verkaufen als in Mehrweg.

Um die Mehrwegquote wieder anzuheben, müsste die Bundesregierung sich endlich was Zündendes einfallen lassen. Zwar will sie den Einzelhändlern ab 2019 eine gut sichtbare Kennzeichnung vorschreiben – die Käufer sollen besser erkennen können, was nun Einweg- oder Mehrwegflaschen sind.

Doch schon jetzt ist klar: Solange die Discounter nicht umschalten und die Schieflage bei den Preisen bleibt, wird das kaum etwas nützen. Mehr Erfolg verspricht die Einführung einer Getränkeverpackungssteuer, die Einweg gezielt verteuert – wie von Umweltverbänden gefordert.

Auf den aufgeklärten Kunden zu setzen, der zur Mehrwegvariante greift, weil er die Umweltvorteile kennt, ist gut gemeint. Aber halt nicht ausreichend. Der Preis muss die ökologische Wahrheit sagen. Dann klappt's auch mit dem Mehrweg.

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