Schwitzen vor dem Kaminofen

Knisternde Kaminöfen gehören zur gern vorgezeigten Ausstattung gemütlicher Behausungen. Der Lagerfeuer-Effekt führt allerdings auch zu Wärmeverlusten und ist klimapolitisch kein großer Gewinn.


Brennendes Kaminfeuer
Wer kalte Füße hat, wärmt sie besser mit Socken und Hausschuhen. (Foto: Pixelanarchy/​Pixabay)

So ein Kaminofen ist was Tolles. Er gibt eine wohlige Wärme ab, es knistert gemütlich, und dank der Flammen, die aus den Holzscheiten züngeln, braucht man keinen Fernseher mehr – zumindest im Winter.

Und klimafreundlich ist das Ganze auch noch. Schließlich verfeuert man, solange es Holz ist, einen CO2-neutralen Brennstoff.  Wenn das pflanzliche Material verbrennt, wird nur das Kohlendioxid wieder frei, das der Baum beim Wachsen aus der Atmosphäre aufgenommen hat.

Nun, ganz so untadelig ist die Sache leider doch nicht. Dass neben CO2 auch nicht unerhebliche Mengen Feinstaub aus den Schornsteinen quellen, ist bekannt. Und eine neue Studie zeigt, dass Haushalte mit einer zusätzlichen Heizung – wie etwa einem Kaminofen – beim Heizen im Schnitt etwa 18 Prozent mehr Energie verbrauchen als sonst üblich.

Deutschlandweit werden so in Ein- und Zweifamilienhäusern rund 16,5 Milliarden Kilowattstunden Heizenergie pro Jahr verschwendet, wie die Untersuchung der Beratungsgesellschaft "CO2 online" zeigt, die im Auftrag des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung entstanden ist. Das entspricht immerhin dem Bedarf einer Stadt wie Hamburg.

Von den Zusatzheizungen gibt es in Deutschland rund elf Millionen, vor allem in Ein- und Zweifamilienhäusern. Im Schnitt decken sie dort ein Drittel des Wärmebedarfs ab und senken den Verbrauch der Hauptheizung um etwa ein Viertel.

Doch der Haken dabei: Etwa 40 Prozent der eingesetzten Energie werden verschwendet. "Zusatzheizungen sparen zwar oft Erdgas und Heizöl. Aber dieser eigentlich positive Effekt fürs Klima verpufft weitgehend", moniert "CO2 online".

Joachim Wille ist Chefredakteur des Onlinemagazins Klimareporter°.

Für den erhöhten Energieverbrauch gibt es vor allem zwei Gründe. Erstens, es wird zu viel zusätzlich geheizt – wer einen Kamin besitzt, will es in der Regel komfortabel und behaglich haben und heizt deshalb oft deutlich mehr, als notwendig wäre. Zweitens sind viele Kaminöfen weniger effizient als die eigentliche Heizung.

Also, was raten die Experten? Hausbesitzer sollten sich darüber informieren, wie Kamin und Co effizient zu betreiben sind. Sehr ineffiziente Öfen sollen ausgetauscht werden, möglichst durch einen modernen Feuerofen mit Wasserführung oder einen gemauerten Kachelofen.

Und in Neubauten mit hohen Energiestandards sollten Zusatzheizungen am besten gar nicht genutzt werden. Auf jeden Fall gilt: Wer sich eine Zusatzheizung wünscht, sollte gemeinsam mit einem Energieberater planen.

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