Strom tanken kann teurer sein als Benzin

Im September war schon jeder zwölfte in Deutschland neu zugelassene Pkw ein reines Batterieauto. Für diese E-Autos unterwegs Strom zu laden ist aber weiter eine Zumutung, stellt der neue Ladesäulen-Check des Ökostromers Lichtblick fest.


Ein blaues Elektroauto der Marke BMW i3 steht an einer von mehreren Ladesäulen auf einem Parkplatz in Bernau am Chiemsee.
Der rein batterieelektrische BMW i3 an der Ladesäule. (Foto: Jakob Härter/​Flickr, CC BY-SA 2.0)

Beim "Tanken" von Strom für Elektroautos hat sich zuletzt etwas getan. Neben dem öffentlichen wird auch das private Aufladen aufgerüstet.

Ab dem 24. November erhält jeder E-Autobesitzer 900 Euro, wenn er eine sogenannte Wallbox, eine Aufladestation mit maximal elf Kilowatt Leistung, in seine Garage einbauen lässt.

Anfang Oktober nahm außerdem die neue Leitstelle Ladeinfrastruktur ihre Arbeit auf. Die Behörde unter dem Dach der bundeseigenen NOW GmbH soll den Bedarf an Ladestationen ermitteln, deren Ausbau koordinieren und dafür sorgen, dass E-Autofahrer möglichst reibungslos Strom tanken können. Das Motto der Leitstelle lautet: "Einfach laden".

Das zu erreichen scheint aber noch immer eine Sisyphus-Aufgabe zu sein. An den rund 30.000 öffentlichen Ladesäulen Strom zu laden, bleibt auch im Jahr 2020 für die Mehrzahl der E-Autofahrer eine Zumutung, bilanziert der inzwischen vierte Ladesäulencheck des Ökostromanbieters Lichtblick.

Zusammen mit dem Datendienstleister Statista nahm der Hamburger Versorger Tarife von 14 Anbietern unter die Lupe, dazu zwei sogenannte Roaminganbieter.

Gegenüber den Vorjahren seien kaum Fortschritte zu verzeichnen, fasst Lichtblick-Unternehmenssprecher Ralph Kampwirth das Ergebnis zusammen. Wer unterwegs Strom laden will, erfährt meist erst mit der Abrechnung den wirklichen Preis fürs Laden, ergab der Check – und dieser Preis könne erheblich variieren.

Roaming-Tarife liegen noch höher

Statista und Lichtblick verglichen dazu die Kosten für eine 100-Kilometer-Stromladung für einen BMW i3 an einer Standard-Ladesäule (AC): Würde man zu Hause zum durchschnittlichen Haushalts-Strompreis laden, würde die Energie für die 100 Kilometer 4,73 Euro oder 31,5 Cent pro Kilowattstunde kosten.

Balkengrafik: Die Tarife für eine Kilowattstunde an der Ladesäule reichen von 52 Cent bei Eon über 38 Cent bei EWE, Innogy und EnBW bis herunter auf 32 Cent bei den Stadtwerken Dresden.
Ladesäulencheck 2020: Bruttokosten pro Kilowattstunde für eine 100-Kilometer-Tankfüllung mit einem BMW i3 (etwa 15 Kilowatt), AC3-Tarife (bis 22 Kilowatt) ohne Vertragsbindung. (Grafik: Lichtblick; Quelle: Statista)

An der Ladesäule sei es vergleichsweise fast immer teurer. Die untersuchten Anbieter verlangten dabei zwischen 4,80 und 7,75 Euro.

Vier Anbieter stellten Pauschalpreise von 5,56 Euro bis 14,49 Euro pro Ladevorgang in Rechnung. Gerade wenn nur wenige Kilowattstunden "getankt" werden – hier für 100 Kilometer –, gehe dies ins Geld, kritisiert Lichtblick. Zudem berechneten einige Betreiber Zusatzgebühren für jeden Ladevorgang. Bei zwei Anbietern können E-Auto kostenlos geladen werden. Offenbar lohne sich für diese der Abrechnungsaufwand noch nicht, so Lichtblick.

Noch teurer, so ergab der Check, ist meist das Roaming, also das Laden über Drittanbieter: Lade man an einer Eon-Säule über den Dienstleister New Motion, koste das 8,69 Euro für 100 Kilometer Reichweite. Dieselbe "Tankmenge" beim Betreiber selbst komme die Kunden 7,75 Euro zu stehen. Beide Preise seien höher als die Kosten einer vergleichbaren Tankfüllung für einen Benziner, die mit 7,50 Euro zu Buche schlagen würden.

Nach wie vor ist laut dem Check der komplizierte Zugang zu den Ladesäulen eine große Hürde. Wer in unterschiedlichen Regionen sein E-Mobil laden wolle, müsse sich eine Vielzahl von Apps oder Ladekarten besorgen und sich jeweils registrieren. Roaming-Dienstleister, die eine Karte für zehntausende Ladepunkte anbieten, ließen sich diesen Service durch "teils kräftige Aufschläge" bezahlen.

"Ein Schritt in die richtige Richtung"

Dass nunmehr die private Wallbox gefördert und das Recht auf eine Ladestation für Mieter geschaffen wird, sieht der Lichtblick-Sprecher "sehr positiv". Das sei "auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung".

Mit der Leitstelle bekomme das Thema öffentliche Ladeinfrastruktur "nun endlich auch die Ressourcen auf Behördenebene, die notwendig sind", erklärte Kampwirth auf Nachfrage. Bisher sei das Thema Ladesäule bei NOW, der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie, eher nur mitgelaufen. "Das ist jetzt deutlich aufgewertet."

Nach dem Eindruck von Kampwirth sieht die Leitstelle auch den Wettbewerb an den Ladesäulen als "sehr wichtig" an. Das sei begrüßenswert, so der Sprecher, denn im Moment bildeten sich regionale Monopole. Dieser Prozess müsse dringend gestoppt werden.

Lichtblick fordert seit Längerem eine grundlegende Reform der Ladesäulen-Infrastruktur. Öffentliche Strom-Zapfsäulen sollten allen Energieversorgern zur Verfügung stehen. Diese würden dann dafür ein Nutzungsentgelt an die Betreiber zahlen.

E-Auto-Nutzer könnten dann unter Fahrstrom-Angeboten vieler Versorger wählen – und jeweils zum Tarif ihres gewählten Anbieters an jeder öffentlichen Ladesäule "tanken".

Redaktioneller Hinweis: Ralf Schmidt-Pleschka von Lichtblick gehört dem Herausgeberrat von Klimareporter° an.

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