Länder drängen auf Schadensausgleich

Ein Expertendialog in Bonn soll ab morgen Fortschritte beim Ausgleich von klimabedingten Schäden und Verlusten bringen. Keine leichte Aufgabe.


Das Foto zeigt eine Straßenszene in Haiti. Nach einem Hurrikane sind die Straßen überflutet, Menschen stehen knietief im Wasser.
Starkregen auf Haiti: Während Industriestaaten die finanziellen Möglichkeiten haben, extreme Schäden aufzufangen, stellt der Klimawandel die Menschen im globalen Süden vor enorme Herausforderungen. (Foto: Marco Dormino/​UN Photo)

Ein Expertendialog in Bonn soll ab morgen bringen, was die Delegierten auf den bisherigen Klimakonferenzen nicht erreicht haben: nennenswerte Fortschritte beim Ausgleich von Schäden und Verlusten durch den Klimawandel.

"Wenig substanzielle Arbeit wurde bisher geleistet, um die Probleme bei der Unterstützung und Finanzierung von Verlusten und Schäden anzugehen", sagte Sven Harmeling vom Climate Action Network, einem Bündnis von Nichtregierungsorganisationen. Die Entwicklungsländer würden zunehmend ungeduldig, weil es keine Fortschritte gebe.

Der Expertendialog, der am Mittwoch auf der Vorbereitungskonferenz am Sitz des UN-Klimasekretariats in Bonn beginnt, bietet aus Sicht von Harmeling Chancen, weil er – anders als übliche Verhandlungsformate – mehr aktiven Austausch ermögliche. Bei dem sogenannten Suva-Dialog müssten zusätzliche Quellen zur Ausgleichsfinanzierung gefunden werden. 

Die Gelder allein über Klimaversicherungen zu finanzieren hält Harmeling für unzureichend. Ausgleichsgelder könnte etwa eine CO2-Abgabe für emissionsintensive Unternehmen, die Schifffahrt oder die Luftfahrt erbringen. Aber auch humanitäre Hilfe, Mikrokredite oder Anleihen werden diskutiert.

Ob und wie die klimawandelbedingten Verluste und Schäden – im Klimadiplomatenenglisch "Loss and Damage" – ausgeglichen werden sollen, ist ein hoch umstrittenes Thema bei den Verhandlungen. Während manche Delegierte zynisch auf die Anpassung an den Klimawandel verweisen, fordern vor allem Staaten mit geringem CO2-Ausstoß einen angemessenen Ausgleich.

Einige Industrieländer wollen aber unbedingt vermeiden, dass Loss and Damage zu einem Finanzierungsmechanismus weiterentwickelt wird. Sie fürchten, dass sie in Zukunft gezwungen werden könnten, für Naturkatastrophen wie den Taifun "Haiyan" gigantische Summen zu zahlen.

Seit Anfang der 1990er Jahre diskutiert die internationale Staatengemeinschaft das Thema – vor allem weil die Allianz der kleinen Inselstaaten AOSIS immer wieder auf eine faire Regelung drängt. Aber erst auf dem Klimagipfel 2013 in Polen wurde der sogenannte Warschau-Mechanismus zum Umgang mit den klimabedingten Schäden und Verlusten etabliert.

Unterstützen Sie
unabhängigen Journalismus!

Klimareporter wird herausgegeben vom Klimawissen e.V. Ihre Spende macht unabhängigen Journalismus zu Energiewende und Klimawandel möglich. 

Spenden Sie hier