Großbritannien will COP 26 um ein ganzes Jahr verschieben

Die Weltklimakonferenz im schottischen Glasgow soll erst im nächsten November stattfinden, wenn es nach der britischen Regierung geht. Umweltschützer:innen befürchten, dass nun auch der Klimaschutz so lange liegenbleibt.


Die britische Flagge weht im Wind vor blauem Himmel
Großbritannien ist Gastgeber für die 26. Weltklimakonferenz, die im schottischen Glasgow stattfinden soll. (Foto: Dean Moriarty/​Pixabay)

Die Coronakrise hat die diesjährige Weltklimakonferenz COP 26 unmöglich gemacht: Dass sich schon im November wieder zehntausende Vertreter:innen von Staaten, Organisationen, Unternehmen und Medien im schottischen Glasgow treffen, wird die globale Gesundheitslage wohl nicht zulassen. Im April hatte das UN-Klimasekretariat deshalb die Verschiebung bekannt gegeben.

Ein durchgesickerter Brief an mehrere UN-Stellen zeigt nun: Das Gastgeberland Großbritannien will die Konferenz erst ein ganzes Jahr später stattfinden lassen. Das Dokument liegt Klimareporter° vor.

"Nach eingehenden Beratungen und unter Berücksichtigung des internationalen Terminkalenders" schlägt die britische Regierung demnach vor, den Klimagipfel vom 1. bis 12. November 2021 abzuhalten. Der späte Termin verringere das Risiko einer erneuten Verschiebung und ermögliche so am ehesten eine "inklusive und ambitionierte" Weltklimakonferenz. Im Grunde würde die Klimakonferenz dieses Jahr also einfach ausfallen.

Die COP 26 sollte eigentlich ein wichtiger Schritt bei der sukzessiven Verschärfung der nationalen Klimaziele für 2030 sein, die das Pariser Klimaabkommen vorsieht. Laut dem Abkommen sollen die Staaten ihre Zusagen alle fünf Jahre überprüfen und anpassen – natürlich in Richtung mehr Klimaschutz. Genau das ist dieses Jahr dran.

Die Verschärfung muss drastisch ausfallen, wenn die Welt noch auf Kurs kommen will, um die Erderhitzung bei 1,5 Grad gegenüber vorindustriellen Zeiten zu halten. Die 1,5 Grad sind eigentlich nur ein Nebenziel des 2015 verabschiedeten Paris-Abkommens. Inzwischen hat aber ein Sonderbericht des Weltklimarates gezeigt, dass das beschlossene Hauptziel einer Erderhitzung von "deutlich unter zwei Grad" schon zu den katastrophalen Folgen führen könnte, die der Paris-Vertrag verhindern soll.

Das UN-Umweltprogramm hat im vergangenen Jahr errechnet, was die Staaten tun müssen, um das 1,5-Grad-Limit einzuhalten: Im laufenden Jahrzehnt bis 2030 müssen sie ihre Treibhausgasemissionen jährlich um 7,6 Prozent reduzieren. Das entspricht im Schnitt einer Verfünffachung der heutigen Klima-Versprechen.

"Hausaufgaben jetzt selbst erledigen"

Im Grunde könnte das auch jeder Staat für sich allein tun, Klimakonferenz hin oder her. Zivilgesellschaftliche Beobachter:innen der UN-Klimakonferenzen befürchten aber, dass die Staaten ohne das internationale Forum auch den nationalen Klimaschutz schleifen lassen.

"Die Verschiebung des Termins um ein Jahr darf keine Ausrede dafür sein, ambitionierten Klimaschutz zu verschleppen", warnt etwa Sven Harmeling von der Entwicklungsorganisation Care. 

So sieht das auch Sabine Minninger vom evangelischen Hilfswerk Brot für die Welt. "Unter den Umständen einer globalen Pandemie ist es verständlich, dass der UN-Klimagipfel in Glasgow um ein Jahr verschoben werden muss", sagte sie. "Das bedeutet aber nicht, dass die Staaten jetzt ein Jahr die nationalen Anstrengungen auf Eis legen können, sondern jetzt muss jeder seine Hausaufgaben zu Hause erledigen."

Am morgigen Donnerstag will Großbritannien den neuen Terminvorschlag dem sogenannten COP-Büro unterbreiten. Das elfköpfige Gremium mit Vertretern aus allen Weltregionen entscheidet formal darüber, wann und wo eine Klimakonferenz stattfindet. Dass es den Vorschlag des Gastgeberlands ablehnt, gilt aber als unwahrscheinlich.

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