Palmöl-Anbau noch klimaschädlicher

Dass der Anbau von Ölpalmen auf abgeholztem Regenwald große Treibhausgasmengen freisetzt, ist unstrittig. Die Emissionen könnten allerdings noch viel höher ausfallen, zeigt eine Studie von Schweizer Forschern. Der Weltklimarat und die Palmöl-Zertifizierer rechnen mit deutlich niedrigerem CO2-Ausstoß.


Kerne der Ölpalmfrucht
In der EU landet die Hälfte der Palmöl-Importe als Agrosprit in den Tanks. (Foto: One Village Initiative/​Flickr)

Seit Langem stehen Ölpalmen in der Kritik, denn für ihren Anbau wird tropischer Regenwald zuhauf abgeholzt und durch Monokulturen ersetzt. Eine Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) zeigt nun, dass bei der Umwandlung von Regenwald in Palmöl-Plantagen noch weitaus mehr Kohlendioxid freigesetzt wird als vermutet.

Der Ökologe Thomas Guillaume hat über zwei Jahre Proben von Böden und Bäumen im Zentrum der indonesischen Insel Sumatra gesammelt und die Auswirkungen des intensiven Anbaus von Ölpalmen und Kautschukbäumen auf Plantagen verglichen. Das Ergebnis: Wird ein Hektar Regenwald in intensiv genutzte Palmölplantagen umgewandelt, entweichen 174 Tonnen Kohlenstoff, größtenteils als CO2 in die Atmosphäre. "Die Menge an freigesetztem Kohlenstoff bei der Umwandlung von nur einem Hektar Wald in eine Palmölplantage entspricht grob gesagt den Emissionen von 530 Personen, die in der Economy Class von Genf nach New York fliegen", sagt Guillaume.

Der Weltklimarat IPCC geht bei seiner Bewertung der Treibhausgasemissionen der Palmölproduktion von einem deutlich niedrigeren Wert aus. Die von Guillaume ermittelten Emissionen übertreffen die IPCC-Angaben um rund 20 Prozent. Auch Zertifizierungsstellen für nachhaltigen Palmöl-Anbau gehen von geringeren Werten aus.

2017 führte die EU 7,7 Millionen Tonnen Palmöl ein, sieben Prozent mehr als noch im Vorjahr. Laut dem europäischen Dachverband Transport & Environment (T&E) landeten davon 51 Prozent als Agrosprit im Tank, weitere zehn Prozent wurden in Kraftwerken für die Strom- und Wärmegewinnung verbrannt.

Zwar will die EU die Nutzung von Palmöl in Agrokraftstoffen bis 2030 schrittweise auslaufen lassen, doch auch in vielen Alltagsprodukten steckt das für die Hersteller günstig erhältliche Pflanzenöl. Der Artenschutzstiftung WWF zufolge ist es beinahe in jedem zweiten Supermarktprodukt enthalten.

Die hohen Klimagas-Emissionen der Palmölproduktion lassen sich laut der Schweizer Studie verringern, wenn der abgeholzte Regenwald nicht – wie häufig üblich – verbrannt wird, sondern weiter genutzt wird, zum Beispiel als Baumaterial. Weiterhin können demnach die Emissionen in den Monokulturen gesenkt werden, wenn mehr Deckvegetation auf dem Boden bleibt und Rückstände aus Ölmühlen wieder auf die Böden ausgebracht werden.

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