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"Palmöl-Boykott ist der falsche Weg"

Eine Entwicklungsorganisation fordert, Kleinbäuer:innen faire Preise zu zahlen, damit sie Palmöl nachhaltig produzieren können. Auf anderes Pflanzenöl umzusteigen, helfe weder dem Klima noch dem Wald. Palmöl mit Nachhaltigkeits-Zertifikat komme fast immer von großen Unternehmen, denen es aber vorrangig um Kostensenkung gehe.


Nahaufnahme der Früchte der Ölpalme.
Früchte einer Ölpalme. (Foto: T. K. Tan/​Pixabay)

Palmöl findet sich in jedem zweiten Produkt im Supermarkt – von der Fertigpizza bis zum Shampoo. Außerdem wird es zu Biodiesel verarbeitet. Doch seine Herstellung gilt als Umwelt- und Klimakiller, denn die Anlage von Palm-Plantagen ist einer der Hauptgründe für die Waldvernichtung in Indonesien und Malaysia.

Umweltschützer:innen forderten zeitweise einen Boykott von Palmöl, um das zu stoppen. Doch immer mehr Umweltverbände sprechen sich dagegen aus. Die Entwicklungsorganisation Solidaridad fordert jetzt, mehr Nachhaltigkeit beim Palmöl durch eine bessere Unterstützung der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zu erreichen. ­­­

Solidaridad, vor über 50 Jahren in den Niederlanden gegründet, spricht sich in seinem jetzt vorgelegten "Palmöl-Barometer" gegen ein Verbot der Palmöl-Nutzung aus. Das Argument: Ein Verbot werde "das Problem nur verlagern und andere Lebensräume und Arten bedrohen".

Ölpalmen seien weitaus ertragreicher als jede andere Ölpflanze, zum Beispiel im Schnitt fünfmal produktiver als Soja. Ein Ersetzen von Palmöl durch Alternativen werde daher den Kampf um knappe Anbauflächen verschärfen. "Statt Palmöl zu boykottieren, sollte die Industrie in die nachhaltige Palmölproduktion durch Kleinbäuer:innen investieren."

Die Ölpalme ist mit Fruchtständen von bis zu 50 Kilogramm sehr ertragreich. Pro Hektar Anbaufläche werden rund 3,8 Tonnen Öl gewonnen.

Die Nichtregierungsorganisation verweist in dem Report auf die große Diskrepanz zwischen dem hohen Umsatz der Palmölindustrie von jährlich rund 280 Milliarden Euro sowie den damit erwirtschafteten Gewinnen und dem Faktum, dass Kleinbäuer:innen häufig in Armut leben. Politische Konzepte für mehr Nachhaltigkeit konzentrierten sich auf die großen "Industrieplantagen" und blendeten den Anteil der Kleinbäuer:innen von derzeit rund 30 Prozent aus.

Solidaridad erwartet, dass die Mengen aus diesem Sektor künftig steigen werden. Die Gründe: Palmöl spiele eine große Rolle in der Ernährung der ärmsten Menschen der Welt und biete ihnen Einkommensmöglichkeiten. Zudem sei zu erwarten, dass die Industrieunternehmen ihre Expansion aufgrund der Verpflichtung zur Vermeidung von Abholzung in Zukunft einschränken.

Kleinbäuerliche Produktion ignoriert

Für das Palmöl-Barometer hat Solidaridad mit kleinbäuerlichen Erzeugerorganisationen aus Asien, Afrika und Lateinamerika zusammengearbeitet. Viele der Kleinbäuer:innen verdienen danach nicht genug, um die Lebenshaltungskosten ihrer Familien zu decken. "Trotzdem ziehen viele Kleinbäuerinnen und Kleinbauern den Anbau von Ölpalmen anderen Nutzpflanzen wie Kautschuk oder Kaffee vor, weil sie die Ölpalme das ganze Jahr über ernten und so ein höheres und beständigeres Einkommen erzielen können", heißt es bei der NGO.

Weiteres Problem: Die kleinen Produzent:innen liefern nur zwei Prozent des zertifizierten nachhaltigen Palmöls auf dem Markt, obwohl ihr Marktanteil an der Gesamtproduktion 30 Prozent ausmacht. Forderung deswegen: "Regierungen und Unternehmen müssen die Einbeziehung von Kleinbäuer:innen in ihre Nachhaltigkeitskriterien aufnehmen."

Solidaridad kritisiert: "Während Kleinbäuer:innen darum kämpfen, über die Runden zu kommen, kassieren am anderen Ende der Lieferkette Lebensmittelhersteller, Unternehmen für Haushalts- und Körperpflegeprodukte und der Einzelhandel 66 Prozent der Bruttogewinne aus der Palmölproduktion." Die Unternehmen konzentrierten sich darauf, ihre Kosten weiter zu senken, und handelten dabei "in krassem Gegensatz zu ihren eigenen Nachhaltigkeitsverpflichtungen sowie zu den globalen Klima- und UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung".

Die Organisation fordert die Palmöl-Einkäufer:innen auf, faire Preise zu zahlen und in langfristige Handelsbeziehungen zu investieren. Dies ermögliche es Bäuer:innen, nachhaltiger zu produzieren und ein Einkommen zu erzielen, das den Lebensunterhalt ihrer Familien sichert.

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