Die Wärmewende stolpert voran

Für den Einbau einer Wärmepumpe eignen sich mehr Häuser, als viele denken. Dennoch werden weiter in großem Stil neue Erdgasheizungen eingebaut. Dadurch wird es immer teurer, die Klimaziele zu erreichen.


Eine Wärmepumpe, die wie eine Klimaanlage aussieht, steht auf Füßen in einem Steinbeet neben dem Eingang eines Einfamilienhauses.
Wärmepumpen können einen Teil der Heizenergie aus der Umgebungswärme gewinnen. (Foto: Harm van den Brink/​Pixabay)

Lässt sich in meinem Haus eigentlich eine Wärmepumpe installieren? Das fragen sich angesichts der steigenden Gaspreise gerade besonders viele Besitzer:innen von Eigenheimen. Häufig wird vermutet, dass ältere, kaum sanierte Wohnungen und Häuser nicht mit einer Wärmepumpe beheizt werden können, weil etwa alte Heizungen höhere Vorlauftemperaturen benötigen. Energiesparberater:innen werden immer wieder darauf angesprochen.

Das ergab eine Umfrage der bundeseigenen Deutschen Energie-Agentur (Dena) unter den Expert:innen, die in diesem Sommer durchgeführt wurde. Demnach werden 90 Prozent der befragten Energiesparberater:innen regelmäßig bis häufig nach Wärmepumpen gefragt, weitaus häufiger als nach Pellet-, Gas- oder Ölheizungen.

Zumeist geht es darum, ob sich Wärmepumpen für ein bestimmtes Gebäude eignen. Aus Sicht der Dena braucht es an dieser Stelle mehr Informationen für Hauseigentümer:innen. "Die Hemmnisse für den Einbau einer Wärmepumpe sind meist geringer als gedacht", sagt Christian Stolte von der Dena. Wärmepumpen würden teils unterschätzt – sie seien mit der Zeit besser und effizienter geworden.

"Auch in älteren Gebäuden können Wärmepumpen verbaut werden, diese Gebäude müssen nicht vollständig saniert sein. Aber verbunden mit einem Heizungs- oder Fenstertausch lohnt sich der Einbau der Wärmepumpe noch mehr", ergänzt Stolte, der bei der Dena den Bereich klimaneutrale Gebäude verantwortet.

In Neubauten sind Wärmepumpen mittlerweile der am häufigsten installierte Heizungstyp. 2021 wurden Wärmepumpen in 51 Prozent aller Neubauten und damit erstmals in mehr als der Hälfte der neuen Gebäude eingebaut, wie das Statistische Bundesamt im Juni mitteilte.

"Bei der Wärmepumpe gibt es ein Angebotsproblem"

Dass auch ältere Gebäude für diese Heizung infrage kommen, bestätigen Analysen vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg. Demnach können Wärmepumpen auch in nicht oder nur teilweise sanierten Häusern eine gute Effizienz erreichen – selbst wenn Sanierungsmaßnahmen wie der Tausch von Heizkörpern erst mehrere Jahre nach Einbau der Wärmepumpe durchgeführt werden können.

 

Und auch wirtschaftlich lohnt sich der Einbau, weil aufgrund der stark gestiegenen Gaspreise die Betriebskosten einer Wärmepumpe niedriger sind als die eines Gaskessels.

80 Prozent der von der Dena befragten Energiesparberater:innen empfehlen denn auch häufig den Einbau von Wärmepumpen, obwohl die Anschaffungskosten für die Technik in der jüngeren Vergangenheit stark angestiegen sind und bis zum Einbau einer neuen Wärmepumpe durchaus ein Jahr vergehen kann.

Die Nachfrage nach Wärmepumpen steigt – allen Hürden zum Trotz. 150.000 Wärmepumpen wurden im vergangenen Jahr installiert, 2017 waren es erst halb so viele gewesen. Das liegt auch daran, dass schon die alte Bundesregierung unter Angela Merkel die Förderung für Wärmepumpen ausgeweitet hatte.

Und schon bald sollen es noch viel mehr werden. Ab 2024 sollen bundesweit jedes Jahr 500.000 Wärmepumpen hinzukommen. Dieses Ziel haben sich Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Bauministerin Klara Geywitz (SPD) beim Wärmepumpengipfel gesetzt, der Ende Juni mit Branchenvertreter:innen stattfand. 2030 sollen dann in Deutschland sechs Millionen Wärmepumpen installiert sein.

Die Bundesregierung hält das Ziel für erreichbar. Doch dafür müsste das Angebot verbessert werden, sagt Dena-Chef Andreas Kuhlmann. "Es gibt aktuell kein Nachfrage-, sondern eindeutig ein Angebotsproblem. Produktion, Einbau sowie die Anmeldung der Anlagen bei den zuständigen Netzbetreibern müssen massiv beschleunigt werden."

Anbieter und Handwerksbetriebe müssten diese Angebotsprobleme in den kommenden zwei bis drei Jahren zu großen Teilen in den Griff bekommen, fordert Kuhlmann. Außerdem brauche es mehr Fachkräfte für den Einbau sowie innovative, schnell zu installierende Lösungen.

Für den Klimaschutz katastrophal

Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 900.000 Heizungen ausgetauscht. Auch wenn die Nachfrage nach Wärmepumpen steigt, entscheiden sich Eigentümer:innen noch viel zu häufig für eine klimaschädliche Heizung auf Basis von fossilen Brennstoffen. Im vergangenen Jahr wurden 653.000 neue Gasheizungen eingebaut, deutlich mehr als von jeder anderen Heizungsart.

Für das Erreichen der Klimaziele ist das eine Katastrophe, denn 2045 muss der Gebäudebestand in Deutschland klimaneutral sein. Beim Heizen und Kühlen von Gebäuden sowie beim Erzeugen von Warmwasser darf dann kein CO2 mehr freigesetzt werden. Das bedeutet: Die jetzt installierten Gasheizungen müssen vor dem Erreichen ihrer Lebensdauer ausgetauscht werden.

Noch immer wird fast jede zweite Wohnung hierzulande mit Gas beheizt. Deren Bewohner:innen müssen sich auf höhere Kosten fürs Heizen und für Warmwasser einstellen. In den vergangenen Monaten sind die Gaspreise steil in die Höhe geschossen. Kostete eine Kilowattstunde Gas vor einem Jahr noch etwa sechs Cent, müssen Neukund:innen dafür heute das Fünffache zahlen.

Ab Oktober kommt die Gasumlage von 2,419 Cent je Kilowattstunde hinzu. Der Aufschlag soll Erdgasimporteure entlasten, die wegen der geringeren Lieferungen aus Russland Gas aus anderen Quellen zu deutlichen höheren Preisen kaufen müssen. Damit die Kostensteigerung für Gaskund:innen zumindest etwas abgebremst wird, hat die Bundesregierung gestern angekündigt, dass die Mehrwertsteuer auf Gas von 19 auf sieben Prozent reduziert werden soll.

Wirtschaftswissenschaftler:innen wie Veronika Grimm oder Marcel Fratzscher bezweifeln die Sinnhaftigkeit des Vorhabens: "Das Absenken der Mehrwertsteuer auf Gas bedeutet Hilfen per Gießkannenprinzip, von denen Menschen mit hohen Einkommen den größten Teil bekommen. Und sie ist für Menschen mit geringen Einkommen bei Weitem nicht ausreichend", sagte Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin.

Außerdem wird das für den Klimaschutz wichtige Preissignal, das die Verbraucher:innen Gas sparen lässt, geschwächt.

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