Bahn will Strecken teilweise verlegen

Als Konsequenz aus den Überschwemmungen müssen manche Gleise weiter von den Flüssen entfernt neu gebaut werden. Das kann teilweise Jahre dauern.


Luftbild der Gemeinde Kordel, deren Ortskern und Bahnstrecke unter Wasser steht
Hochwasser am 15. Juli in der Eifelgemeinde Kordel: Ortskern und Eisenbahnstrecke sind überspült. (Foto: CHZ/​Wikimedia Commons)

Die Deutsche Bahn AG versucht, 80 Prozent der Anlagen, die durch die jüngsten Überschwemmungen beschädigt wurden, bis zum Jahresende wieder in Gang zu bringen.

Manche Reparaturen und Neubauten würden aber Jahre dauern, sagte DB-Netz-Vorstand Volker Hentschel in einer ersten Zwischenbilanz am Freitag.

Als Konsequenz aus den katastrophalen Überflutungen vor allem in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, aber auch in Bayern und Sachsen will die Bahn einige Streckenabschnitte und Anlagen an anderer Stelle neu bauen.

"Resilienz" ist hier das Stichwort, was "Anpassungsfähigkeit" bedeutet – in diesem Fall an den Klimawandel. Für die Bahn-Infrastruktur müsse man teilweise "neue Konzepte" erarbeiten, erklärte Hentschel. Es könne nicht darum gehen, alles "einfach wieder aufzubauen".

Einige zerstörte Brücken will das Verkehrsunternehmen mit größerer Spannweite neu errichten, damit Hochwasser weniger Angriffspunkte findet. Einzelne Streckenabschnitte können auf neue Trassen verlegt werden, die weiter von den Flüssen entfernt sind und weiter oben an den Hängen verlaufen.

Beim Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung hatte die Bahn schon vor dem Hochwasser eine Untersuchung von 34 Regionen in Deutschland in Auftrag gegeben.

Ein Ergebnis: In vielen Gegenden wird 2030 bis 2060 die mittlere Temperatur um zwei Grad steigen, sich die Zahl der Hitzetage verdoppeln oder verdreifachen, Starkregen häufiger vorkommen und die Niederschlagsmenge zunehmen. Darauf muss sich auch die Bahn einstellen.

1,3 Milliarden Euro geschätzter Schaden

"In dieser Dimension wurde unsere Infrastruktur noch nie auf einen Schlag zerstört", sagte Hentschel im Rückblick auf die Ereignisse der vergangenen Wochen.

Momentan rechnet das Unternehmen mit Schäden in der Größenordnung von 1,3 Milliarden Euro. Neben 600 Kilometern Gleisen seien zahlreiche Bahnhöfe, 180 Bahnübergänge, über 1.000 Signal- und Oberleitungsmasten, 50 Brücken und 40 Stellwerke beschädigt worden.

Überflutete und zerstörte Häuser und zerstörte Bahnstrecke in Altenahr-Altenburg direkt an der Ahr.
Vom Juli-Hochwasser zerstörtes Bahngleis in Altenburg im Ahrtal. (Foto: Martin Seifert/​Wikimedia Commons)

Der Fernverkehr verläuft mittlerweile wieder weitgehend normal. Anders sieht es bei vielen regionalen Strecken vor allem in NRW und Rheinland-Pfalz aus. Nicht nur in der Eifel und im Tal der Ahr werden die Reparaturen und Neubauten wohl teilweise Jahre dauern.

Das bedeutet Behinderungen für den Personenverkehr, in der nächsten Zeit aber auch für einige Unternehmen, die auf den Transport per Bahn angewiesen sind. Die Stahlherstellung von Thyssen-Krupp im Ruhrgebiet leidet derzeit unter Problemen der Anlieferung.

Derweil laufen Gespräche der Bahn mit dem Bund, um die Finanzierung der Reparaturen sicherzustellen. Hentschel geht davon aus, dass die Bundesregierung als Eigentümer der Bahn Zuschüsse gewährt.

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