Bürgerenergi­eprojekt 2018: Das sind die Gewinner

Der Wettbewerb um das "Bürgerenergieprojekt 2018" ist entschieden. Die drei Gewinner wurden am 24. November auf dem Bürgerenergie-Konvent in Lutherstadt Wittenberg gekürt. Neben der Auszeichnung erhalten sie ein Beratungsstipendium – damit sie das volle Potenzial ihrer Ideen entfalten können.


Die drei Gewinner des Bürgerenergieprojekts 2018
Die drei Gewinner im Wettbewerb um das Bürgerenergieprojekt 2018. (Foto: Jörg Farys/​BBEn)

Das Bündnis Bürgerenergie (BBEn) hat erneut drei Bürgerenergiegesellschaften mit visionären Ideen ausgezeichnet. Bei dem Wettbewerb um das "Bürgerenergieprojekt 2018" standen diesmal innovative Konzepte im Mittelpunkt, die mit einer professionellen Beratung durch einen Experten aus dem BBEn-Netzwerk gefördert werden sollen.

"Die Bürgerenergie wird politisch derzeit nicht gerade begünstigt", erklärt BBEn-Vorstandschef Martin Rühl den Ansatz. "Dennoch lassen sich viele engagierte Menschen davon nicht abschrecken und wollen ihr Projekt durchkämpfen, haben aber noch 'Restfragen', ob und wie es klappen könnte." Dafür, so Rühl, solle der Wettbewerb Anregungen geben und zeigen, dass sich trotz schwieriger Rahmenbedingungen gute und lohnenswerte Projekte realisieren lassen.

Mehr als ein Dutzend Bürgerenergiegesellschaften hatte sich in den letzten Monaten um den Preis beworben. Die eingereichten Projekte reichten von E-Carsharing-Konzepten bis zu Projekten zum Energiesparen. Durch ein Voting, das von der Netzgemeinde und einer Jury entschieden wurde, wurden die Gewinner bestimmt. Hier sind sie:

Pro regionale Energie eG

Die Energiegenossenschaft aus der Region Rhein-Lahn-Taunus besteht seit zehn Jahren. Sie hat 350 Mitglieder und betreibt zwölf Photovoltaik-Dachanlagen sowie einen Solarpark im hessischen Waldsolms, der durch Schafe gepflegt wird und der Genossenschaft sogar eigenen Honig liefert. Auch an einem Windpark ist die Pro regionale Energie beteiligt.

Ulrich Hahn, pro regionale Energie eG
Ulrich Hahn, Pro regionale Energie eG. (Foto: Jörg Farys/​BBEn)

Rund zehn Millionen Euro hat die Genossenschaft mittlerweile in den Ausbau der Erneuerbaren investiert. Nun sucht sie nach neuen Wegen und Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln. "Windenergie ist im Moment leider schwierig", sagt Aufsichtsrat Ulrich Hahn. "Die Windgegner sind überall und haben viel Geld im Rücken." Die Genossenschaft überlegt daher, in ein kleines Strombojenkraftwerk einzusteigen, das derzeit im rheinland-pfälzischen Bingen geplant ist.

Beworben hat sich die Pro regionale Energie aber mit einem E-Carsharing-Projekt. Sie will Ladesäulen bauen und Elektrofahrzeuge an Standorten mit Mehrfamilienhäusern oder Unternehmen platzieren. Dazu soll es eine Nutzungs-App geben. "Derzeit suchen wir eine Gruppe von Leuten, die mitmachen wollen", sagt Ulrich Hahn.

Bei der Beratung durch den BBEn-Experten sollen grundsätzliche Fragen geklärt werden: Wie muss die Tarifgestaltung aussehen? Was kostet es? "In vielen Haushalten könnte so ein Zweitwagen eingespart werden", sagt Hahn, der mittlerweile selber ein E-Auto fährt.

Die Jury überzeugte, dass die Pro regionale Energie eG "in ihrer Region im Bereich Photovoltaik viel bewegt hat". Zudem habe die Genossenschaft über ihre Erneuerbare-Energien-Tätigkeiten noch weitere Dinge im Blick, wie die Produktion von Honig und die Nutzung der Solar-Freiflächen-Wiese als Weidelandschaft.

HEG Heidelberger Energiegenossenschaft eG

Die Heidelberger Energiegenossenschaft entstand vor acht Jahren als studentische Initiative. Inzwischen hat die HEG 420 Mitglieder und betreibt 20 Solaranlagen. Ein Schwerpunkt sind Mieterstrommodelle. "Unsere Vision ist, Teilhabe zu organisieren", sagt Laura Zöckler, die im Vorstand der Genossenschaft sitzt. Ende 2013 hat sich die HEG mit anderen Bürgerenergiegesellschaften zu den Bürgerwerken zusammengeschlossen. "Dadurch wurden wir endlich zu einer Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft", sagt Zöckler.

Laura Zöckler, HEG Heidelberger Energiegenossenschaft eG
Laura Zöckler, HEG Heidelberger Energiegenossenschaft eG. (Foto: Jörg Farys/​BBEn)

Um Teilhabe geht es auch in dem nun ausgezeichneten Wettbewerbsprojekt der HEG. Mit Solarstrom-Kleinstsystemen wie Balkonmodulen will die Genossenschaft die Schwelle zur Teilhabe an der Energiewende senken. "Dazu stehen wir in Kontakt mit dem Projekt Libre Solar, das einen offenen Laderegler entwickelt", sagt Laura Zöckler. "Autarke Mini-Systeme sind ein niedrigschwelliges Angebot, um Menschen in Kontakt mit Photovoltaik zu bringen, damit jeder mitmachen kann." Auch für die Elektrifizierung des ländlichen Raums in Entwicklungsländern sei dies gut geeignet.

Als Berater haben sich die Heidelberger ausdrücklich Paul Grunow gewünscht, der zu den Gründern der Unternehmen Solon und Q-Cells gehörte. "Uns fehlt Erfahrung bei der Entwicklung und Verbreitung von Hardware", sagt Zöckler. "Wir wollen wissen, wie man Solartechnik einführt und etabliert, wie man vom Prototyp zur Massenfertigung kommt und was bei Zertifizierung und Logistik zu beachten ist."

Die HEG überzeugte die Jury als eine "innovativ tätige Genossenschaft, bei der ein breites Wirken in der bürgerschaftlich gestalteten Energiewende zu beobachten ist". Die Beratung könne der HEG dabei helfen, ihren Aktionsradius weiter zu erhöhen, hieß es zur Begründung. So könne die Genossenschaft herausragende Ergebnisse erzielen und aufgrund ihres Bekanntheitsgrads zur Nachahmung animieren.

Solar Powers e.V.

Seit März 2017 betreiben etwa zehn Studierende der TU Berlin mit ihrem gemeinnützigen Verein Solar Powers eine Photovoltaikanlage auf der Uni-Bibliothek. "Wir speisen den Strom ein und bekommen die Ersparnis der TU", erklärt Jan Reuter das Konzept. Hervorgegangen ist der Verein aus den selbst entwickelten Lehrveranstaltungen "Projektlehre Photovoltaik" und "Erneuerbare für die TU – Solar Powers".

Jan Reuter, Solar Powers e.V.
Jan Reuter, Solar Powers e.V. (Foto: Jörg Farys/​BBEn)

Das eingenommene Geld wird wiederum – nach dem Motto "Sonne fördert Bildung" – für Bildungsprojekte ausgegeben, etwa im Rahmen der Nachhaltigkeitswoche oder für die Stromversorgung von Klimacamps.

"Wir wollen die Solarenergie an der TU Berlin weiter ausbauen", sagt Reuter. Die derzeitige Anlage umfasst 500 Quadratmeter. Sie wurde mit Spendengeldern erworben. Die Pacht für die Dachfläche ist für zehn Jahre kostenlos. "Nutzbar wären aber 30.000 Quadratmeter auf zehn Gebäuden der TU", sagt Reuter. "Sowohl für Photovoltaik als auch für Windenergie."

Wie der Verein nun am besten wachsen und sich zugleich professionalisieren kann, dafür möchte Solar Powers eine Beratung. "Die rechtlichen Rahmenbedingungen stellen eine Schwierigkeit dar, da die TU Berlin selbst vieles nicht machen kann oder möchte. Das stellt allerdings eine Chance für unser Konzept dar."

Die Jury würdigte den Solar Powers e.V. als Newcomer, der "mit viel Motivation bei bestehenden bürokratischen Hürden innerhalb der Institution Uni auf den Uni-Dächern PV-Anlagen installiert hat". Überzeugt hat zudem die Tatsache, "dass der Verein aus studentischen Seminaren heraus entstanden ist, sodass die Verbindung aus Bildung und praktischem Wirken als nachhaltiger Ansatz besticht".

Dieser Beitrag wurde nicht von der Redaktion erstellt. Er ist in Kooperation mit dem Bündnis Bürgerenergie e.V. in der Rubrik Advertorials erschienen.

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