Aus einem mach hundert Watt

Nicht weniger als den solaren Rollout auf den Dächern ihrer Universität hat sich der studentische Verein "Solar Powers" an der TU Berlin vorgenommen. Die jungen Leute wollen die saubere Stromerzeugung an ihrer Hochschule praktisch verhundertfachen.


Einige aus dem Verein Solar Powers stehen auf dem Dach, sind kaum zu sehen zwischen ausgedehnten Photovoltaik-Flächen.
Ein Teil des Solar-Powers-Teams und ihre Naturstrom-Berater inmitten der Anlage auf dem Dach der Berliner TU-Bibliothek. (Foto: Jörg Farys/​Bündnis BürgerEnergie)

Manche Ideen sind so offensichtlich, dass man sich fragt, warum nicht eher jemand darauf gekommen ist: Auf den Dächern ihres Campus in Berlin-Charlottenburg bietet die Technische Universität so viel Platz, dass sich damit jährlich rund 3.300 Megawattstunden Solarstrom erzeugen ließen, so viel wie rechnerisch knapp 1.000 Haushalte benötigen.

Das ergab eine Machbarkeitsstudie des Vereins Solar Powers. Der war 2014 aus einem selbstorganisierten Energieseminar der Uni hervorgegangen und hatte in den letzten Jahren mit viel Engagement und Unterstützung ein Photovoltaik-Projekt mit rund 30 Kilowatt Spitzenleistung auf dem Dach der Universitätsbibliothek errichtet – wo der Strom gleich vor Ort verbraucht wird.

Dass ihre Idee funktioniert, haben die Studierenden um Vereinsvorsitzende Andrea Ruiz bewiesen – und wurden mehrfach geehrt. So wurde Solar Powers im vergangenen Herbst zu einem von drei Bürgerenergieprojekten des Jahres 2018 gekürt. Teil der Auszeichnung war dabei ein Beratungsstipendium.

Mitte Mai kamen jetzt die Berater der Naturstrom AG mit den Aktivisten von Solar Powers zusammen – und wie sich zeigte, konnten die Studenten den Rat gut gebrauchen. Schon das Pilotprojekt ließ sich nur verwirklichen, weil der Verein auch in der Chefetage der Uni Befürworter fand und so manche bürokratische Hürde meisterte.

Vorbehalte der TU-Verwaltung

Beim nunmehrigen viel größeren Vorhaben, möglichst alle geeigneten Dächer der Uni mit Photovoltaik auszustatten, potenzieren sich offenbar die Vorbehalte der TU-Verwaltung. Die zieht sich auf den geltenden Stromliefervertrag mit dem schwedischen Staatskonzern Vattenfall zurück. Zugleich fällt es dem gemeinnützigen Verein nicht leicht, genügend fachliche und organisatorische "Power" zu mobilisieren, um die neuen Photovoltaik-Dimensionen zu bewältigen.

Beraterin Silke Bartolomäus von Naturstrom machte den Studenten erst einmal Mut. Sie sei für das Projekt optimistisch. Warum? Die öffentliche Diskussion um den Klimawandel und "Fridays for Future" spiele den jungen Leuten in die Hände, sagte sie.

Der Verein habe sich zudem mit dem geplanten "1. Sunposium" am 27. Juni an der Uni einen sehr konkreten Anlass geschaffen, um seine Arbeit bekannt zu machen und neue Mitstreiter zu gewinnen. "Das reicht, damit der Funke überspringt", meinte Bartolomäus. "Zum Auftakt muss man auch gar nicht alles auf einmal schaffen."

"Die entscheidende Frage dabei ist: Was wollt ihr als Verein erreichen? Welche Geschichte wollt ihr erzählen? Das ist der erste Schritt", betonte Naturstrom-Vorstand Tim Meyer. "Wenn du willst, dass jemand ein Segelboot baut, musst du ihn das Meer riechen lassen", zog er den Vergleich, angelehnt an einen Ausspruch von Antoine de Saint-Exupéry.

Meyer riet auch dazu, sich noch vor dem Sunposium zu einer Vereinsklausur zu treffen und "eine Vision aus jedem herauszukitzeln". Dann erst kämen als weitere Schritte das Technische, die Öffentlichkeitsarbeit, die Werbung und anderes mehr.

Unabhängig werden von Vattenfall

An griffigen Ideen fehlt es den Aktivisten von Solar Powers nicht, wie sich schnell herausstellte. Mit dem "solaren Rollout" auf den Hochschuldächern könne man das Ziel ausgeben, dass die Uni zehn Prozent ihres Stroms selbst erzeugt.

Oder man lege die derzeitige grüne Stromerzeugung aus dem Pilotprojekt und den maximalen Endausbau auf jeden Studenten um – das Motto hieße dann: Wir machen aus einem Watt pro Studierenden künftig hundert Watt! Und wäre es nicht auch eine Vision, die Uni vom Vattenfall-Strom gänzlich unabhängig zu machen?

Solche konkreten Ziele, sagte Meyer, seien immer gut, sie lösten Fragen aus und schafften Aufmerksamkeit. "Darunter kann sich jeder etwas vorstellen." Der Verein habe doch ein klar positives Anliegen: Er wolle mehr Photovoltaik und mehr Nachhaltigkeit an der Uni.

Bartolomäus riet dazu, mit der TU-Verwaltung klar zu kommunizieren und von dort die richtigen Ansprechpartner ins Boot zu holen. "Alle Beteiligten gehören an einen Tisch. Damit verhindert man auch Missverständnisse."

Ein wesentliches Beratungsergebnis ist für Andreas Ruiz, dass es darauf ankommt, die Sichtbarkeit des Vereins an der Uni zu steigern. "Wenn es nicht genug Ressourcen gibt, kann man kein Projekt richtig angehen", bilanzierte sie den Tag.

Silke Bartolomäus bestärkte sie darin, mehr die Werbetrommel zu rühren: "Der Zeitpunkt für eine kleine Kampagne, um den Verein bekannter zu machen, könnte besser nicht sein."

Dieser Beitrag wurde nicht von der Redaktion erstellt. Er ist in Kooperation mit dem Bündnis Bürgerenergie e.V. in der Rubrik Advertorials erschienen.

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