Homeoffice braucht mehr Strom

Die zusätzlichen Stromkosten durch die Verlagerung des Büroarbeitsplatzes ins Homeoffice liegen in der Regel unter einem Euro pro Arbeitstag. Erstattet werden sie meist nicht.


Kind spielt Autorennen mit Steuerrad am Computer.
Werden die Kids mit Games bei Laune gehalten, kann der Zusatz-Stromverbrauch wesentlich höher sein. (Foto: Martin Vorel/Libreshot)

Coronakrise ohne Internet? Es wäre alles noch viel dramatischer. Das Arbeiten in vielen Unternehmen funktioniert dank Netz halbwegs weiter – mit Homeoffice und Videokonferenzen.

Das hat allerdings gravierende Auswirkungen auf den Datenverkehr. Der hat neue Rekordmarken erreicht, wie der Betreiber des weltweit größten Internetknotens De-Cix in Frankfurt unlängst mitteilte.

Doch die Bundesnetzagentur gibt vorerst Entwarnung. "Die Netze sind derzeit stabil", sagte ihr Präsident Jochen Homann. Gravierende Beeinträchtigungen würden "aktuell nicht erwartet". Die Anbieter seien auf eine Zunahme des Datenverkehrs gut vorbereitet.

Seit Beginn der Coronakrise ist der durchschnittliche Datenverkehr laut De-Cix um rund zehn Prozent angestiegen. "Die Nutzer sind nun auch tagsüber häufiger und länger online, das merken wir stark", sagte der technische Leiter Thomas King.

Homeoffice trägt stark dazu bei. Einen Boom gibt es derzeit vor allem bei Videokonferenzen, die von Anbietern wie Skype, Teams oder Zoom organisiert werden. Die Datenmengen haben sich hier laut De-Cix verdoppelt.

Wer in diesen Tagen auf Homeoffice umgestellt hat, verbraucht natürlich auch mehr Strom zu Hause. Das Vergleichsportal Verivox hat berechnet, welche Kosten dadurch zusätzlich entstehen.

Zusatz-Stromkosten überschaubar

Wird ein Laptop als Arbeitsgerät genutzt, sind die Stromkosten recht niedrig – die portablen Geräte sind auf einen möglichst geringen Verbrauch ausgelegt. Pro Arbeitstag sind nur rund 15 Cent fällig. Allerdings handelt man sich dabei Nachteile bei Komfort und Körperhaltung ein.

Bei einem herkömmlichen PC plus Monitor liegt der Stromverbrauch deutlich höher. Die Kosten bei einem durchschnittlichen Gerät betragen nach den Angaben rund 50 Cent pro Arbeitstag, können je nach Ausstattung und zusätzlich angeschlossenen Geräten aber auch deutlich höher liegen.

Das Aufladen eines Smartphones, das beim Homeoffice auch öfter benutzt wird, belastet den Geldbeutel dagegen kaum. Die Netzteile ziehen in der Regel maximal fünf Watt. Wer das Gerät jeden Tag drei Stunden an der Steckdose hat, zahlt dafür laut Verivox gerade mal einen halben Cent pro Tag.

Wird eine zusätzliche Mahlzeit zu Hause gekocht, verbraucht das natürlich auch zusätzlich Energie. Als Orientierung könne gelten: Ein mittleres Kochfeld für eine Stunde auf höchster Leistung laufen zu lassen, kostet knapp 50 Cent.

Die zusätzlichen Stromkosten durch das Homeoffice dürften laut dem Portal in der Regel bei unter einem Euro pro Arbeitstag liegen. "Diese Kosten bekommen die Arbeitnehmer in den meisten Fällen nicht erstattet", sagt Verivox-Energieexperte Valerian Vogel.

Tipp aus der Vor-Corona-Zeit

Durch kleine Änderungen im alltäglichen Verhalten könnten die Stromkosten aber insgesamt – auch außerhalb des Homeoffice – deutlich gesenkt werden. Das Portal empfiehlt, ungenutzte Geräte immer auszuschalten, und zwar ganz – etwa mit abschaltbaren Steckerleisten.

Bei einem durchschnittlichen Strompreis von 30 Cent pro Kilowattstunde bedeutet jedes eingesparte Watt geringere Kosten von rund 2,60 Euro pro Jahr. Auch wer für den Kaffee oder Tee zwischendurch Wasser kocht, kann sparen. Wer dafür einen elektrischen Wasserkocher statt einen Topf auf dem Herd nutzt, spart bei täglich einem Liter Wasser pro Jahr rund zehn Euro.

Ein weiterer Verivox-Tipp zum Stromsparen stammt eindeutig aus der Vor-Corona-Zeit – nämlich der Wechsel vom Single- zum Paar-Dasein. Laut dem Energieanbieter Eon verbraucht ein Zwei-Personen-Haushalt etwa 2.200 Kilowattstunden Strom pro Jahr, während es bei zwei Single-Haushalten zusammen rund 3.000 Kilowattstunden sind.

"Wer zusammenzieht, verbraucht gemeinsam also rund 25 Prozent weniger Strom als in zwei getrennten eigenen Wohnungen – und tut damit auch der Umwelt etwas Gutes", wird Eon-Geschäftsführer Wolfgang Noetel zitiert.

Der niedrigere Verbrauch rührt vor allem daher, dass elektrische Geräte im Zweier-Haushalt häufig gemeinsam genutzt werden. Die größte Ersparnis bringt der Fernsehkonsum: Während Pärchen für die Zeit vor dem TV-Gerät pro Jahr nur 154 Kilowattstunden Strom verbrauchen, haben zwei Alleinstehende einen Gesamtverbrauch von genau dem Doppelten.

Ähnliches gilt für den Kühlschrank. Hier spart ein Zwei-Personen-Haushalt im Vergleich zu zwei Single-Haushalten bis zu 50 Kilowattstunden Strom pro Jahr ein.

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