Auf der Straße für und gegen Atomkraft

In München demonstrieren Atomkraft-Befürworter für die umstrittene Energiequelle – vorgeblich aus Klimaschutzgründen. Deutlich mehr Teilnehmer hat ein Protestzug in Niedersachsen gegen das Atommüll-Lager im Salzstock Asse und das geplante Endlager Schacht Konrad.


Auf Fahrrädern und Trecker demonstrieren Menschen gegen die Einlagerung von Atommüll in Schacht Konrad
Auf Fahrrädern und Treckern demonstrierten am Samstag rund 1.000 Menschen gegen die geplante Einlagerung von Atommüll im Schacht Konrad. (Foto: Michaela Mügge)

Protest gegen die Atomkraft hat in Deutschland jahrzehntelange Tradition. In München hatte dagegen heute eine Gruppe von Atombefürwortern, die sich "Nuclear Pride Coalition" nennt, zu einem Fest für die umstrittene Energie aufgerufen. Man wolle – so die Veranstalter – die Atomkraft feiern, die einen "Beitrag zu einer sauberen, emissionsfreien und zuverlässigen Stromversorgung" leiste.

Zu den Mitgliedern der Koalition gehören Pro-Atomkraft-Gruppen wie die deutsche Partei der Humanisten sowie Vertreter der "Ökomoderne" aus den Niederlanden, Finnland und Deutschland, die glauben, dass für den Klima- und Umweltschutz Technologien wie Atomenergie und Gentechnik nötig sind. Obwohl die Gruppen kaum bekannt sind, berichteten einige Medien ausführlich.

Deutlich mehr Teilnehmer als in München verzeichnete am gestrigen Samstag ein Protestzug im südostlichen Niedersachsen. Die Demonstranten wandten sich gegen das Atommüll-Lager im Salzstock Asse bei Wolfenbüttel und gegen das geplante Endlager Schacht Konrad in Salzgitter.

Nach Angaben der Polizei demonstrierten zeitweise mehr als 1.000 Menschen – mit Treckern, Autos und Fahrrädern fuhren sie vom Sitz des Bundesamtes für Strahlenschutz in Salzgitter 30 Kilometer nach Peine zur Bundesgesellschaft für Endlagerung.

Schacht Konrad soll bis zu 303.000 Kubikmeter Atommüll aufnehmen, dafür wird das stillgelegte Eisenerz-Bergwerk derzeit umgebaut. "Konrad muss aufgegeben werden, weil es ein altes Bergwerk ist, das den Anforderungen an ein Atommüllendlager niemals gerecht werden kann", sagte Ludwig Wasmus von der Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad.

"Asse zeigt, wie Endlagerung scheitert"

Nach Ansicht der Atomkritiker hat es keine vergleichende Standortauswahl gegeben, zudem sei der neueste Stand von Wissenschaft und Technik nicht berücksichtigt worden. "Die wartungsfreie, nicht rückholbare Endlagerung ist spätestens seit den Erfahrungen mit der Asse gescheitert", sagte Wolfgang Räschke von der IG Metall Peine-Salzgitter auf der Demo. "Eine Rückholbarkeit muss bei jedem Endlager gewährleistet bleiben."

In die Asse wurden zwischen 1967 und 1978 rund 126.000 Fässer mit Atommüll und chemischen Abfällen eingelagert. Allerdings droht das frühere Salzbergwerk einzustürzen und mit Wasser vollzulaufen. Eine Bergung der teils stark beschädigten Fässer gilt als sehr kompliziert, 2012 bezweifelte der damalige Chef der Entsorgungskommission Michael Sailer sogar, ob sie überhaupt möglich ist.

Für die Rückholung hatte die Bundesregierung 2013 eigens ein Gesetz verabschiedet. Die Regierung müsse die Verantwortung für den in der Asse havarierten Müll übernehmen und sich wieder am Rückholungsprozess beteiligen, forderte deshalb Silke Westphal von der AG Schacht Konrad auf der Kundgebung.

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