Atomkraft nützt dem Klima nichts

Im Zuge der Klimakrise erlebt die Atomkraft in Wissenschaft, Politik und Medien eine Art Wiederbelebung. Im Betrieb CO2-freie Atomkraftwerke könnten, so die Hoffnung, gegen die Klimaerhitzung helfen. Erste Politiker fordern, in Deutschland wieder über eine AKW-Laufzeitverlängerung nachzudenken. Die neue Ausgabe des Newsletters "Lichtblick Aktuell" fragt, was an den Argumenten dran ist.


Die Kuppel des Kernkraftwerks Neckarwestheim hinter dem Sicherheitszaun.
Das AKW Neckarwestheim bei Heilbronn gehört zu den letzten, die Ende 2022 abgeschaltet werden sollen. Es bleibt aber das Atommüllproblem. (Foto: Felix König/​Wikimedia Commons)

Während erneuerbare Energien inzwischen rund ein Viertel der Stromerzeugung weltweit liefern, trägt die Atomkraft nur zu einem Zehntel dazu bei. Ihr Anteil ist rückläufig.

Nach einem Boom in den 1980er Jahren brach die Inbetriebnahme neuer Atomreaktoren weltweit ein. Waren im Jahr 2000 noch 438 Reaktoren am Netz, so sind es derzeit noch 415 (siehe Grafik unten).

Nach wie vor ist das Atommüllproblem ungelöst. Jahr für Jahr fallen in den Atomkraftwerken rund 12.000 Tonnen hoch radioaktiver Müll an. Inzwischen summiert sich die weltweite Atommüllmenge auf gut 400.000 Tonnen. Der Müll wird noch Hunderttausende Jahre strahlen und stellt eine enorme Gefahr für Mensch und Umwelt dar.

Das deutsche Atomgesetz schreibt vor, dass ein Endlager eine sichere Verwahrung des Atommülls über eine Million Jahre gewährleisten muss. Wo und wie der Müll über diese unvorstellbare Zeitspanne sicher gelagert werden soll, steht in den Sternen. Es gibt weltweit nur ein einziges genehmigtes Endlager – auf der finnischen Ostseeinsel Olkiluoto.

Neue Reaktortypen, neue Probleme

Die Atomwirtschaft hat immer wieder versucht, neue Reaktortypen zu entwickeln, die weniger unsicher sind und möglichst wenig Atommüll erzeugen. Solche Techniken wurden bereits in den 1980er Jahren in Deutschland getestet – etwa der "Schnelle Brüter" in Kalkar bei Kleve oder auch der Hochtemperaturreaktor in Hamm-Uentrop. Alle diese Versuche schlugen fehl.

Dessen ungeachtet werden immer noch neue Reaktorkonzepte ins Spiel gebracht, neuerdings die sogenannten Flüssigsalzreaktoren. Diese sollen angeblich eine Kernschmelze – wie unter anderem in Fukushima passiert – ausschließen und deutlich weniger Atommüll erzeugen.

Tatsächlich reduziert würde jedoch nur der Anteil hoch radioaktiver Abfälle. Mittel- und schwach radioaktive Abfälle würden dagegen deutlich zunehmen.

Das Reaktorkonzept hat zudem seit Jahrzehnten ein Sicherheitsproblem. Es bilden sich chemisch aggressive Stoffe, die zu Rissen in den Rohrleitungen führen. Ob und wann es überhaupt möglich sein wird, einen funktionierenden Flüssigsalzreaktor zu bauen, ist vor diesem Hintergrund völlig unklar.

Erneuerbare günstiger als Atomkraft

Der Bau von Atomkraftwerken ist teuer. In den USA betragen die Neubaukosten von Atomkraftwerken 151 US-Dollar pro erzeugter Megawattstunde. Große Solaranlagen und Windparks an Land sind mit durchschnittlich rund 40 Dollar deutlich günstiger.

Dazu kommt: Die Kosten für Atomstrom sind seit 2008 in den USA um 23 Prozent gestiegen, die für Solarstrom im gleichen Zeitraum jedoch um 88 Prozent gefallen, für Windstrom um 69 Prozent.

In den USA werden, so schätzen Experten, in den nächsten drei Jahren 7.000 Megawatt Atom- und 17.000 Megawatt Kohlekraftwerke mangels Konkurrenzfähigkeit gegenüber Solar- und Windanlagen stillgelegt werden.

Kurven- bzw. Balkendiagramm: Die Zahl der Atomkraftwerke wuchs bis in die 1980er Jahre stetig an und stagniert seitdem.
Atomkraft weltweit: In Betrieb befindliche Reaktoren und Stromerzeugungskapazitäten seit 1954. (Grafik: World Nuclear Industry Status Report 2019)

Für Deutschland zeigt eine Studie, dass Atomstrom unter Einbeziehung aller Kosten 17 bis 47 Cent pro Kilowattstunde kostet. Sonne und Wind an Land liefern dagegen inzwischen Strom für etwa vier bis zwölf Cent.

Neue Atomkraftwerke haben fünf bis 17 Jahre längere Bauzeiten als große Photovoltaik-Anlagen oder Windparks an Land. Die drei aktiven Bauprojekte in Europa zeigen das beispielhaft auf: Ob Flamanville in Frankreich, Olkiluoto in Finnland oder Hinkley Point C in Großbritannien – all diese Projekte machen ausschließlich Schlagzeilen wegen verlängerter Bauzeiten und explodierender Kosten.

Selbst in China und Indien – beides Länder mit ambitionierten Atom-Ausbauplänen – laufen Wind und Sonne der Atomkraft den Rang ab. Hier liegt die jährlich hinzukommende Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien inzwischen im Durchschnitt zwei- bis dreimal höher als die aus neuen Atomkraftwerken.

Investoren setzen lieber auf Erneuerbare. Weltweit wurden im Jahr 2018 lediglich 33 Milliarden US-Dollar in nukleare Projekte, aber 273 Milliarden US-Dollar in Solar- und Windanlagen investiert. 8.800 Megawatt neuer Atomstromleistung standen 165.000 Megawatt Kapazität durch neue Wind- und Solaranlagen gegenüber. In der EU entfallen sogar 95 Prozent der neuen Stromerzeugungskapazität auf erneuerbare Energien.

Dieser Beitrag wurde nicht von der Redaktion erstellt. Er ist in Kooperation mit der Lichtblick SE in der Rubrik Advertorials erschienen.

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