Eisverlust in der Antarktis hat sich versechsfacht

Die Eisschmelze in der Antarktis hat sich in den vergangenen 40 Jahren drastisch beschleunigt, zeigt eine neue Studie. Auch die Ostantarktis, die bislang als relativ stabil galt, ist betroffen.


Eisberg in der Antarktis mit einem Pinguin
Die Antarktis schmilzt heute sechsmal schneller als 1979. (Foto: Michael Bryant-Mode/​Pixabay)

Erst vor vier Wochen warnten Nasa-Forscher, dass das Eis in der Antarktis immer schneller schmilzt. Auch die Ostantarktis, der bislang als relativ stabil geltende größere Teil des antarktischen Kontinents, ist betroffen, hieß es in dem Bericht "More glaciers in East Antarctica are waking up".

Welche Größenordnung die Eisschmelze im Südpolargebiet inzwischen angenommen hat, zeigt nun eine neue Studie von Forschern aus den USA und den Niederlanden, die auf Beobachtungen der vergangenen 40 Jahre beruht.

Die Wissenschaftler um Leitautor Eric Rignot, der den Fachbereich Erdsystemforschung an der Universität von Kalifornien in Irvine leitet, haben dafür hochauflösende Luftbilder der Nasa sowie Satellitendaten mehrerer Raumfahrtbehörden ausgewertet. Die Untersuchung ist gerade im Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) erschienen.

Demnach hat sich der Eisverlust auf dem südlichen Kontinent seit Ende der 1970er Jahre versechsfacht. Zudem beschleunigt sich die Schmelze von Jahrzehnt zu Jahrzehnt erheblich.

Zwischen 1979 und 1990 verlor die Antarktis 40 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr. In der Dekade von 1989 bis 2000 waren es 50 Milliarden Tonnen jährlich.

Im folgenden Jahrzehnt, von 1999 bis 2009, war die Rate schon deutlich höher – nämlich 166 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr. Zwischen 2009 und 2017 waren es sogar 252 Milliarden Tonnen.

Der größte Teil dieser 252 Milliarden Tonnen stammt laut Studie von der Westantarktis (159 Milliarden Tonnen). Von der im Nordwesten liegenden Antarktischen Halbinsel kommen 42 Milliarden Tonnen Eis.

Doch auch die Ostantarktis verliert Eis. Laut Studie waren es in der letzten Dekade pro Jahr 51 Milliarden Tonnen.

Bisherige Erkenntnisse teilweise revidiert

Dabei war man noch vor Kurzem davon ausgegangen, dass nur die Westantarktis Eis verliert, während die wesentlich größere Ostantarktis von der Erderwärmung quasi unberührt bleibt und an einigen Stellen dort sogar das Eis zunimmt. Das war offenbar ein Irrtum.

Im Eis der Antarktis ist insgesamt so viel Wasser gespeichert, dass der Meeresspiegel weltweit um 57 Meter ansteigen würde, falls dieses Eis komplett schmelzen würde. Der mit Abstand größte Teil davon ist im Ostteil des Kontinents gespeichert.

Dass diese Eismassen immer schneller schmelzen, bedeutet nicht, dass dadurch noch in diesem Jahrhundert ein meterhoher Anstieg der Pegel verursacht wird. Doch auf längere Sicht – also in den kommenden Jahrhunderten – wird dies so sein, falls die Schmelze weitergeht.

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