Qualm im Kinderzimmer

Beim Heizen mit Holz im Kamin oder Ofen entsteht viel Feinstaub, der per Schornstein in die Umgebung gepustet wird. Der Bundesrat wollte nun Abhilfe schaffen, doch die Merkel-Regierung bügelt die Forderungen der Länder ab.


Qualmender Schornstein auf einem Hausdach
Tiefergelegte Schornsteinoberkanten: Bauvorschriften im Interesse des Gemeinwohls zügig anzupassen scheint kaum noch möglich. (Foto/​Ausschnitt: Hans Braxmeier/​Pixabay)

Klimafreundlich heizen – mit Holz im Kamin oder Ofen. Das hört sich gut an. Ist es aber nicht immer. Denn der Brennstoff wird zwar als klimaneutral gepriesen. Doch hat er den Nachteil, dass dabei Feinstaub satt entsteht, der per Schornstein in die Umgebung gepustet wird.

Ein Problem, das Umweltmediziner besonders umtreibt, seitdem das Holzheizen vor ein paar Jahren so richtig in Mode kam und im Winter in manchen Wohngebieten Schadstoffwerte wie an dicht befahrenen Autostraßen gemessen werden.

Der Bundesrat wollte hier etwas tun, nämlich die dicke Luft verdünnen, sodass sie nicht mehr gefährlich ist. Er forderte unter anderem, Schornsteine für Holzöfen (und auch Kohleöfen) höher zu bauen, um eine bessere Verteilung des Feinstaubs zu erreichen.

Man muss dazu wissen: Anders als früher üblich werden Schonsteine heute immer öfter an der Dachkante und so niedrig gebaut, dass der Rauch nicht mehr nach oben, in die freie Luftströmung, abziehen kann.

Beschwerden aus der Nachbarschaft über Rauch und Gerüche häufen sich daher bei den Behörden. Und der Qualm ist eben nicht nur lästig, sondern auch ungesund.

"Vor der Lobby eingeknickt"

Nun hat die Bundesregierung die Forderung der Länder abgebügelt, zumindest vorerst. Für private Schornsteine und Kamine gibt es keine strengeren Bauvorschriften, beschloss das Merkel-Kabinett in dieser Woche. Die gewünschten Änderungen bedürften erst noch "einer vertieften fachlichen Diskussion", sagte eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums.

Die baden-württembergische Landesregierung, die den Bundesratsbeschluss angeregt hatte, ist sauer. Die Bundesregierung sei "vor den Lobbyverbänden eingeknickt" und habe "den Gesundheitsschutz der Bürgerinnen und Bürger hintenangestellt", sagte der grüne Umweltminister Franz Untersteller. "Der gesundheitsgefährdende Rauch aus Einzelöfen hat in den Kinder- und Schlafzimmern der Nachbarschaft nichts verloren."

Joachim Wille ist Chefredakteur des Onlinemagazins Klimareporter°.

Der Bundesrat hatte gefordert, dass Schornsteine auf Dächern künftig "firstnah angeordnet sein und den First um mindestens 40 Zentimeter überragen" sollen – also bis dorthin reichen, wo der Wind besser weht als an der Dachkante.

Und das auch nur, wenn ein Kamin oder Ofen, eine Holzpellet- oder Kohleheizung neu eingebaut oder "wesentlich" geändert wird. Es fragt sich in der Tat, was da noch lange "vertieft" diskutiert werden muss.

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