Die Corona-Pandemie brachte der Welt eine bis dahin ungekannte Gesundheitskrise, begleitet von einem ökonomischen Absturz durch die Lockdowns. Die Hoffnung, dass sie wenigstens beim Klimaschutz positive Folgen haben würde, etwa durch ein verändertes Verkehrsverhalten, verflüchtigt sich zusehends.

Der globale Flugverkehr zumindest hat fast wieder das Niveau von vor Corona erreicht, und so verfehlt der Sektor wegen zu geringer Effizienzgewinne den Kurs auf die Pariser Klimaziele. Das zeigt der aktuelle "Airline-Index" den jetzt die Nichtregierungsorganisation Atmosfair vorgelegt hat.

 

Die Analyse der Treibhausgasemissionen der über 200 größten Fluggesellschaften ergab demnach, dass die international für den Flugverkehr vereinbarten Effizienzziele nicht erreicht werden.

So konnten die Fluggesellschaften 2024 im Vergleich zum Vor-Pandemie-Jahr 2019 ihre CO2-Effizienz zwar um rund 7,5 Prozent verbessern, was einer jährlichen Steigerung von durchschnittlich 1,5 Prozent entspricht. Mit Blick auf das Pariser Klimaabkommen waren hierfür im Rahmen der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO allerdings zwei Prozent verabredet.

Dass die CO2-Emissionen insgesamt sinken, sei daher "weder bei der ICAO noch real in Aussicht", heißt es bei Atmosfair. Insgesamt bildet der Airline-Index rund um den Globus etwa 92 Prozent des Luftverkehrs ab. Atmosfair ist bekannt als CO2-Kompensations-Anbieter, vor allem für Flüge, und finanziert aus seinen Einnahmen weltweit Klimaschutzprojekte.

Business und First Class heißt mehrfache CO2-Emissionen

Die Flottenmodernisierung und die Optimierung der Flugzeugtypen kommen laut dem Index weiterhin kaum voran.

Die Auswertung zeige, dass neue Flugzeuge wie Boeing 737 Max-8, Boeing 787 oder Airbus A350 selbst auf der verbrauchsintensiven Langstrecke Werte von unter 3,5 Liter Kerosin pro Passagier und 100 Kilometer erzielen können. "Diese neuen Flugzeuge setzen aktuell die Messlatte für erreichbare CO2-Effizienz", so Atmosfair.

Da aber bei keiner Fluggesellschaft solche neuen Flugzeuge die Flotte dominieren und die maximale Auslastung nicht erreicht wird, erreichte in dem Ranking keine Airline die besten Effizienzklassen des Index, A oder B. Von den größeren Airlines weltweit schaffte es allein Sky Airline aus Chile knapp in die Effizienzklasse C.

Da neben der Auslastung der Maschinen auch die Dichte der Bestuhlung die Klimaeffizienz der Airlines stark beeinflusst, schlägt hier besonders der Anteil an Business- und First-Class-Plätzen zu Buche. Die CO2-Emissionen bei Flügen lägen hier pro Kopf beim Zwei- bis Fünffachen der Economy Class, ermittelte Atmosfair.

Auf das Premiumsegment entfielen global über 20 Prozent der CO2-Emissionen des globalen Passagierluftverkehrs.

Ticketsteuer: "Den Erfolg nicht verspielen"

"Eine Trendwende im Klimaschutz ist beim Luftverkehr auch nach Jahrzehnten von Beteuerungen der Branche nicht abzusehen", kommentierte Atmosfair-Geschäftsführer Dietrich Brockhagen die Ergebnisse des Index, der seit 2011 jährlich vorgelegt wird. Es sei deshalb gut, dass der UN-Klimagipfel im brasilianischen Belém auf Initiative von Staaten wie Frankreich, Kenia und Spanien eine Abgabe auf Business- und First-Class-Flüge diskutierte.

"Die Politik muss da einhaken, wo die Luftfahrtindustrie nicht liefert", sagte Brockhagen. Eine Abgabe auf diese Flugklassen sei sozial verträglich und von den Passagieren bezahlbar, zudem entspreche sie dem Verursacherprinzip.

Flugzeug von schräg unten vor düsterem Himmel mit hellem Fleck.
Fliegen zerstört besonders effektiv die Atmosphäre. (Bild: Luis Argerich/​Wikimedia Commons)

"Wer so viel CO2 verursacht, sollte auch zuerst für die anderen zur Kasse gebeten werden, insbesondere für die überwiegende Mehrheit der Menschheit im globalen Süden, die gar nicht fliegt." Es sei sinnvoll, die Einnahmen für den Klimaschutz weltweit zu nutzen, unter anderem für die notwendigen technischen Entwicklungen im Flugverkehr.

Kritisch äußerte sich Brockhagen gegenüber Klimareporter° zu der von der Bundesregierung geplanten Absenkung der hierzulande erhobenen Luftverkehrsabgabe. Die Ticketsteuer habe dazu beigetragen, dass seit Corona vor allem Geschäftsreisende auf innerdeutsche Flüge verzichten und stattdessen Bahn und Videokonferenzen nutzen.

"Diesen Erfolg sollten wir nicht verspielen. Statt die Steuer jetzt zu senken, könnten die Mittel vielmehr dafür eingesetzt werden, um die Luftfahrt klimaverträglich und damit zukunftsfähig zu machen", sagte der Experte gegenüber Klimareporter°. Der innerdeutsche Flugverkehr lag 2024 nur bei etwa dem halben Niveau von 2019.

Separates Ranking für Billigfluggesellschaften

In dem globalen Atmosfair-Ranking liegen die deutschen Airlines im Mittelfeld. Die Gesellschaft Tuifly schneidet hier mit 76 von 100 möglichen Effizienzpunkten am besten ab. Die Lufthansa erreicht 60 Punkte, die Lufthansa-Töchter Brussels, Discover, Austrian und Edelweiss kommen auf 60 bis 70.

Die Lufthansa-Tochter Swiss erreicht gar nur 54 Effizienzpunkte. Grund ist die Bestuhlung: Der Business-Class-Anteil macht mit 19 Prozent mehr als das Doppelte des Weltdurchschnitts aus, die drei Prozent First Class liegen sogar fünffach über dem globalen Mittelwert.

Bei den größeren Linienflug-Gesellschaften im europäischen Markt schneiden mit 75 bis 80 Punkten Air Corsica (Frankreich), Smartwings (Tschechien) sowie Air Europa und Iberia (beide Spanien) am besten ab. 70 bis 75 Effizienzpunkte erreichen Aegean (Griechenland), KLM (Niederlande) und Air Baltic (Lettland).

Auf dem nordamerikanischen Markt stehen unter den großen Linienfluggesellschaften Air Canada (72 Punkte), Alaska Airlines (70) und United (66) am besten da, während American Airlines auf 64 und Delta auf knapp 60 Punkte kommen.

 

Billigflieger werden im Atmosfair-Index in einer eigenen Klasse gewertet. Die Gründe dafür laut der Organisation: Diese Airlines scheiden bei Auslastung und Bestuhlung häufig besser ab als traditionelle Liniengesellschaften, gleichzeitig profitieren sie aber oft von Subventionen und setzen diese dann über künstlich niedrige Ticketpreise in Flugkilometer und damit CO2-Emissionen um, die sonst nicht entstanden wären.

Unter den Billigfliegern erreichen die beste Wertung Wizz (Großbritannien/Malta), Spicejet (Indien) sowie Scoot (Singapur). Insgesamt schneiden asiatische Billigflieger besser ab als europäische.