Die Bundesregierung versucht, mit ihrem aktuellen Kurs die europäische Auto- und Klimapolitik neu zu justieren – Richtung Vergangenheit. Statt mit dem vereinbarten Aus für neue Verbrennungsmotoren ab 2035 Industrie und Kundschaft eine klare Line vorzugeben, soll die Regelung in Brüssel wieder geöffnet werden.
Hybridantriebe und sogenannte "hocheffiziente Verbrenner" sollen damit länger als geplant im Markt bleiben. Verkauft wird das als "Technologieoffenheit". Tatsächlich ist es ein politisches Signal des Zögerns.
Für den Hochlauf der Elektromobilität ist diese Haltung Gift. Transformation braucht Verlässlichkeit. Wer heute überlegt, ein E‑Auto zu kaufen, will Klarheit darüber, wohin die Reise geht.
Erhält die Politik den Verbrenner jedoch künstlich am Leben, entsteht eine fatale Logik: Warum umsteigen, wenn die alte Technik doch weiter eine Zukunft haben soll? Der Markt reagiert auf solche Unsicherheiten sensibel – mit weniger Investitionen, weniger Tempo.
Auch die Hoffnung, den Verbrenner mit E‑Fuels am Leben halten zu können, wirkt mehr wie ein argumentatives Feigenblatt als wie eine realistische Strategie.
Diese synthetischen, mit Ökostrom produzierten Kraftstoffe sind absehbar knapp und werden dort benötigt, wo eine Elektrifizierung kaum möglich ist: im Flugverkehr, in der Schifffahrt, im Schwerlastbereich. Für den Massenmarkt der Pkw sind sie energetisch zu ineffizient und zu teuer.
Widersprüchlich wird der Berliner Kurs zusätzlich durch die gleichzeitig angekündigte Neuauflage von Förderprogrammen für Elektroautos. Prinzipiell sind sie sinnvoll, zumal laut Koalition diesmal speziell auch ärmere Haushalte in den Genuss der Förderung kommen sollen.
Doch wenn damit auch Plug-in-Hybride gefördert werden, die im Alltag kaum klimafreundlicher sind als klassische Benziner oder Diesel, ist das unsinnig. Subventionen ohne klare Leitplanken laufen ins Leere.
Was fehlt, ist ein klarer Kompass. Die Industrie braucht Planungssicherheit, die Kundschaft eine sinnvolle Orientierung. Nötig wären ein klares Bekenntnis zum Ende des Verbrennungsmotors, ein entschlossener Ausbau der Ladeinfrastruktur und eine gezielte Förderung rein batterieelektrischer Modelle.
"Technologieoffenheit" darf nicht zur Chiffre für Stillstand werden. Wer Klimaziele ernst nimmt, muss den Mut haben, Richtung vorzugeben – statt sie immer wieder infrage zu stellen.

Politiker scheinen jedoch ganz anders (wahltaktisch) zu denken:
Es wird offensichtlich befürchtet, dass das beschlossene Verbrenner-Aus vom rechten Rand benutzt werden kann, um die Regierung beim Wahlvolk schlecht zu machen. Um der AgD nicht in die Karten zu spielen, wird nun das Verbrenner-Aus aufgeweicht.
Bleibt zu hoffen, dass die reinen Elektrofahrzeuge wirtschaftlich so vorteilhaft werden, dass Verbrenner-Autos sich nicht mehr rechnen.