Proteste gegen Inlandsflüge

In vier deutschen Städten demonstrierten Aktivist:innen von Extinction Rebellion gegen Kurzstreckenflüge. Sie besetzten kurzzeitig ein Rollfeld und ein Terminal und bestiegen Flugzeuge.


Einige Menschen sitzen vor der Anzeigetafel des Flughafens München, über der Tafel hängt ein Transparent:
Protestaktion am Sonntag im Flughafen München. (Foto: Extinction Rebellion/​Twitter)

Mit Protesten und Aktionen zivilen Ungehorsams haben Klimaschutzaktivist:innen gestern und heute auf die Treibhausgasemissionen durch den Luftverkehr innerhalb Deutschlands aufmerksam gemacht. Kaum eine andere Art der Fortbewegung verbraucht so viel Energie und hat derart massive Folgen für das Klimasystem wie das Fliegen.

In Lübeck besetzten Aktivist:innen der Umweltbewegung Extinction Rebellion (XR) heute Morgen das Rollfeld des Regionalflughafens und blockierten eine Flughafenzufahrt. Mit Plakaten machten sie Abreisende auf die Klimaschädlichkeit des Fliegens aufmerksam.

Mehrere der Aktivist:innen hatten schon in den frühen Morgenstunden versucht, sich mit Sekundenkleber auf dem Rollfeld festzukleben. Sie wurden von der Polizei abgeführt.

Auch Mitglieder von Fridays for Future protestieren mit einer Fahrraddemonstration und einer Petition gegen den Regionalflughafen. "In einer Stadt, die den Klimanotstand ausgerufen hat, kann und darf es keinen Flughafen geben", sagte Martha Lorenzen von Fridays for Future Lübeck. Die Stadt pumpe in diesem Jahr 3,5 Millionen Euro in den Flughafen, während für den Nahverkehr kein Geld da sei.

Anlass für den Protest war die Wiedereröffnung des Lübecker Flughafens Blankensee. Nach vier Jahren Pause starten und landen seit heute Morgen wieder Flugzeuge nach München und Stuttgart auf dem Flughafen. Der Abflug der ersten Maschine verzögerte sich, weil Extinction-Rebellion-Aktivist:innen mit einem regulär erworbenen Ticket das Flugzeug betreten wollten.

Auch in Düsseldorf und in Berlin-Tegel bestiegen XR-Aktive Flugzeuge und verhinderten kurzzeitig den Abflug. Sie wollten die Passagiere zum "Ausstieg in letzter Sekunde" bewegen. "Ich kann hier nicht ruhig sitzen bleiben, während wir unseren Planeten zerstören", sagte eine Aktivistin in Berlin. "Ich habe eine Verantwortung, genauso wie unser Staat."

Ein Aktivist in Düsseldorf fragte: "Es ist sechsmal schädlicher zu fliegen, statt mit der Bahn zu fahren, ist euch das egal?" Von den wenigen Passagieren kam keine Reaktion, sie starrten auf ihr Mobiltelefon oder aus dem Fenster.

Forderung nach gesetzlichem Verbot

An den Flughäfen in München und in Berlin wurden Mahnwachen abgehalten. Etwa zehn Aktivist:innen ketteten sich heute Morgen in Berlin-Tegel am Eingang zum Terminal fest.

Bereits gestern besetzten XR-Aktivist:innen im Münchner Flughafen ein Terminal und ketteten sich mit Gepäckwagen aneinander. Über der Anzeigetafel brachten sie ein Banner an, auf dem zu lesen war: "Komm mal runter! Kein Mensch braucht Kurzstreckenflüge."

"Uns bleibt keine andere Wahl mehr, als uns friedlich für Sofortmaßnahmen zum Klimaschutz einzusetzen", sagte Susanne Egli, Meeresbiologin und bei Extinction Rebellion in München aktiv. "Führende Wissenschaftler:innen prognostizieren, dass die Erde sich aller Wahrscheinlichkeit nach bis zum Ende des Jahrhunderts auf über drei Grad erwärmen wird." Die Gesellschaft, wie wir sie jetzt kennen, werde dann zusammenbrechen, warnte Egli.

Studien beziffern die Klimawirkung des Flugverkehrs auf rund fünf Prozent des von Menschen verursachten Klimawandels, das Umweltbundesamt gibt bis zu acht Prozent an. Die Umweltorganisation BUND will Ultrakurzstreckenflüge innerhalb Deutschlands bis 2025 vollständig auf die Schiene verlagern.

Distanzen, die innerhalb von vier Stunden mit der Bahn zu erreichen sind, sollen nach dem Willen des Umweltverbandes nicht mehr von den Airlines angeboten werden. Mehr als die Hälfte der innerdeutschen Flüge waren 2018 solche Ultrakurzstreckenflüge.

Verkehrsforscher und Klimaexperten sprechen sich ebenfalls für ein Verbot von Inlandsflügen aus. Auch für internationale Flüge solle über Einschränkungen nachgedacht werden.

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