Mieses Klima unter der Motorhaube

Der Europäische Gerichtshof hat Deutschland wegen zu laxen Umgangs mit Daimler verurteilt. Der Autokonzern hatte die Klimaanlagen in Neuwagen zu spät auf das klimafreundlichere Kältemittel R1234yf umgestellt. Nun rächt sich, dass die Autobauer nicht schon längst auf das natürliche Kältemittel CO2 gegangen sind.


Schalter für die Klimaanlage an einem Auto-Armaturenbrett.
Klimaanlagen werden in Pkw heute serienmäßig eingebaut. Das Kältemittel mit den wenigsten Nachteilen, CO2, kommt bisher kaum zum Einsatz. (Foto: Mattes/​Wikimedia Commons)

Ist die Bundesregierung zu nachsichtig mit den Autokonzernen? Klar. Keine Frage. Das hat Tradition in unserem Land, das zuletzt von einem bekennenden Autokanzler und einer faktischen Autokanzlerin regiert wurde und wird. Noch ein Beleg gefällig? Hier ist er.

Nach dem Trauerspiel um den Diesel-Skandal, in dem das Merkel-Kabinett VW und Co allenfalls mit Samthandschuhen anfasst, spricht nun der Europäische Gerichtshof. Der EuGH verurteilt Deutschland, weil die Regierung 2013 nicht dafür gesorgt hat, dass der Autobauer Daimler fristgerecht auf ein klimafreundliches Kältemittel in den Klimaanlagen seiner Neuwagen umstellt.

Das Kraftfahrt-Bundesamt, das dem Verkehrsministerium untersteht, ordnete erst mit über zwei Jahren Verzögerung die entsprechende Umrüstung an. Dafür bekam Berlin nun die juristische Quittung.

Schon wieder eine Schlappe, nachdem der EuGH Deutschland erst im Juni verurteilt hatte, weil die Bundesregierung zu wenig gegen die hohe Nitratbelastung der Gewässer tut. Dabei kommt sie diesmal noch glimpflich davon, denn das Gericht setzte keine Strafe fest, die Regierung muss nur die eigenen Gerichtskosten tragen und die Hälfte der Kosten der EU-Kommission, die Deutschland verklagt hatte.

Hinter dem Urteil steckt ein noch größeres Trauerspiel

Die Sache mit dem Kältemittel an sich ist komplizierter. Dem Autobauer Daimler muss man zugute halten, dass er die Umstellung auf das neue Kältemittel mit guten Gründen verzögerte.

Die in Rede stehende Chemikalie R1234yf ist zwar weitaus weniger treibhausgefährlich als das alte R134a, das seit Jahrzehnten in die Klimaanlagen eingefüllt wurde. Doch sie hat gravierende Nachteile. Bei von Daimler durchgeführten Tests entzündete sie sich im Motorraum, und es entstand giftige Flusssäure. In der Tat Gründe genug, um die Umstellung auf R1234yf auszubremsen.

Natürlich hätten Daimler und die ganze deutsche Autoindustrie das Problem viel früher lösen können – ohne Konflikte mit der EU-Kommission zu riskieren. Der Branchenverband VDA hatte bereits vor einem Jahrzehnt ein alternatives Kältemittel angepeilt, das in dieser Anwendung unter der Motorhaube sowohl klimafreundlich als auch ungefährlich ist – das natürliche CO2.

Doch dann scheuten die Konzerne die Kosten der Umrüstung. Für das Kältemittel CO2 müssen die Klimaanlagen ganz neu konzipiert werden, während das von den US-Chemiekonzernen Honeywell und DuPont entwickelte R1234yf einfach in die herkömmlichen Aggregate eingefüllt werden kann. Wieder einmal ging der Profit über alles.

Inzwischen, mit großer Verzögerung, hat Daimler CO2-Klimaanlagen entwickeln lassen, und auch der VW-Konzern hat sie angekündigt. Allerdings geht die Umstellung wahnsinnig langsam vonstatten, Daimler bietet die Klima-Alternative bislang nur in zwei Modellen an, Audi in einem, und die Marke Volkswagen will erst 2019 das erste Modell damit ausrüsten. Noch so ein Trauerspiel.

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