Nach fünf Jahren mit rückläufiger Fahrleistung auf deutschen Straßen scheint der Trend gestoppt. Wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in seiner aktuellen Fahrleistungsstatistik mitteilt, haben Pkw mit deutschem Kennzeichen im Jahr 2024 insgesamt 594 Milliarden Kilometer zurückgelegt – fast 4.000-mal die Strecke von der Erde bis zur Sonne. Das ist ein Anstieg um rund drei Milliarden Kilometer gegenüber dem Vorjahr.
Eine Rückkehr zu den automobilen Hoch-Zeiten vor der Corona-Pandemie, die vor allem durch den Home-Office-Boom beendet wurden, ist das noch nicht. Zum Vergleich: Im Jahr 2019, dem letzten Vor-Corona-Jahr, betrug die Pkw-Fahrleistung noch rund 631 Milliarden Kilometer – also 37 Milliarden Kilometer mehr als heute.
Das aktuelle Niveau liegt also noch immer rund sechs Prozent unter dem Stand von damals. Der niedrigste Wert wurde 2023 mit 591 Milliarden Kilometern erreicht.
Trotz des Anstiegs der Gesamtkilometer geht der Trend bei der Fahrleistung pro Auto weiter nach unten. Im letzten Jahr legte ein Pkw im Schnitt rund 12.300 Kilometer zurück, vor zehn Jahren waren es noch 14.100 Kilometer.
Dass der Wert heute nicht noch niedriger ist, liegt am gestiegenen Fahrzeugbestand. In Deutschland waren 2024 rund 48,3 Millionen Pkw zugelassen – ein neuer Höchstwert. 2014 waren es 43,9 Millionen gewesen.
Subventionierte Dienstfahrzeuge verzerren das Bild
Beim Blick auf die Antriebsarten zeigt sich, dass die klassische Technik weiterhin das Straßenbild bestimmt. Benzin-Pkw legten 2024 zusammen 283 Milliarden Kilometer zurück, Diesel-Pkw kamen auf rund 230 Milliarden Kilometer. Damit liegt der Anteil der Verbrenner weiter deutlich über dem der alternativen Antriebe.
Auffällig bleibt dabei der Unterschied bei der Nutzung. Während Benziner im Durchschnitt knapp 9.600 Kilometer pro Jahr fahren, erreichen Diesel-Fahrzeuge im Schnitt fast 17.000 Kilometer. Diesel werden weiterhin überdurchschnittlich häufig für Langstrecken eingesetzt, besonders von Vielfahrern und im gewerblichen Bereich.
Echte E-Autos sind auf Deutschlands Straßen noch deutlich in der Minderheit, aber ihr Anteil wächst. Im ersten Halbjahr 2025 gab es kaut KBA hier bei den Neuzulassungen einen Höchstwert, ihr Anteil betrug 17,7 Prozent. Mit knapp 250.000 Fahrzeugen wurde nicht nur der Vorjahreswert (184.000), sondern auch das bisher zulassungsstärkste Jahr 2023 übertroffen.
Der Verkehrsforscher Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin warnt davor, aus den KBA-Daten eine echte Trendumkehr zu wieder mehr Autoverkehr abzulesen. Er betonte im Gespräch mit Klimareporter°, die Jahresfahrleistungen seien um weniger als ein Prozent gestiegen – und das bei hoher Unsicherheit der Datenerhebung.
"Die amtlichen Erhebungen 'Mobilität in Deutschland' sowie die Messstellen der Städte zeigen seit Jahren eine abnehmende Fahrleistung. Daran ändern die neuen Zahlen des KBA nichts."
Dass die Auto-Gesamtflotte weiter zunimmt, wenn auch langsamer als früher, liege an den extrem steuerbegünstigten dienstlich genutzten Fahrzeugen. Der Anteil der privaten Neuzulassungen sinke demgegenüber weiter, er betrage nicht einmal mehr ein Drittel der Neuwagen.
"Eine aktive, klimabewusste Verkehrspolitik kann viel bewirken. Die Menschen sind, wenn die Rahmenbedingungen stimmen, durchaus bereit, weniger Auto zu fahren", sagte Knie.
Der Stadtplaner und Verkehrspolitiker Luigi Pantisano (Linke) sagte zu den KBA-Zahlen: "Jeder zusätzliche Autokilometer ist ein Sicherheits- und Klimadesaster – aber schuld sind nicht die einzelnen Autofahrer:innen." Solange Bus- und Bahnfahren zu teuer und unzuverlässig sei und Rad- oder Fußwege unsicher blieben, sei das Auto oft die einzige Wahl.
Der Bundestagsabgeordnete kritisierte auch den aktuellen Streit um die weitere Finanzierung des Deutschlandtickets, das inzwischen 58 Euro kostet. Die Linksfraktion fordert eine Absenkung des Preises auf 29 Euro durch einen höheren Zuschuss des Bundes – "auf dem Weg zu einem Neun-Euro-Ticket", außerdem einen sozialen Nulltarif für finanziell Schlechtergestellte.
Gleichzeitig müsse in jeder Stadt ein gut ausgebautes Fuß- und Radverkehrsnetz entstehen. Zur Finanzierung sei eine Vermögenssteuer notwendig, "die Milliardäre deutlich stärker zur Kasse zwingt und die Mehrheit der Bevölkerung entlastet", sagte Pantisano.
Redaktioneller Hinweis: Verkehrsforscher Andreas Knie gehört dem Herausgeberrat von Klimareporter° an.

https://www.klimareporter.de/netiquette
https://www.klimareporter.de/datenschutz