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Gute City-Maut, öffentliche Auto-nomie und eine falsche Ökobilanz

Kalenderwoche 17: Die City-Maut ist eine gute Idee, auch weil man sie sozial staffeln und die Einnahmen zweckgebunden verwenden kann, sagt Andreas Knie, Sozialwissenschaftler, Mobilitätsforscher und Mitglied des Kuratoriums von Klimareporter°. Autonome Pkw, über deren Einsatz öffentlich und nicht privat entschieden wird, könnten die Zahl der Fahrzeuge senken.


Andreas Knie. (Foto: InnoZ)

Immer wieder sonntags: Die Mitglieder unseres Kuratoriums erzählen im Wechsel, was in der vergangenen Woche wichtig für sie war. Heute: Professor Andreas Knie, Sozialwissenschaftler mit den Schwerpunkten Wissenschaftsforschung, Technikforschung und Mobilitätsforschung. Sein Steckenpferd ist das Verkehrswesen von morgen.

Klimareporter°: Herr Knie, London, Oslo, Mailand, Singapur und bald auch New York – in vielen Städten gibt es bereits eine City-Maut. Nun denkt auch Berlins Verkehrssenatorin Günther laut darüber nach. Eine gute Idee?

Andreas Knie: Ja, die Idee ist gut. Damit wird klar, dass für die Nutzung der Infrastruktur bezahlt werden muss – die bisherigen Steuern reichen dazu nicht aus.

Bei der Tarifierung kann grundsätzlich folgende Regel angewandt werden: Wer viel fährt, zahlt viel. Halter dreckiger Autos zahlen mehr als die von sauberen. Exklusive Nutzer zahlen mehr als öffentliche Autos wie Carsharing. Das alles kann man noch sozial staffeln und die Einnahmen direkt zweckgebunden verwenden.

Wichtig dabei: Nicht nur das Fahren mit dem Auto kostet – sondern vor allen Dingen auch das Abstellen!

Der Verkehr, vor allem in den Städten, wächst – damit nehmen auch Stress, Lärm und Abgase zu. Selbstfahrende Autos werden daran wenig ändern, zeigt eine neue Studie. Was würde denn eine Entlastung im Verkehrsaufkommen bringen? Und wie soll man sie durchsetzen?

Wenn man zukünftig im Auto auch SMS verschicken, Mails bearbeiten und sogar schlafen kann, dann wird das eigene Auto attraktiv bleiben. So denkt die Autoindustrie. Deshalb entwickeln die Hersteller automatische Autos, die bald alleine fahren.

Aber Vorsicht: Autonome Autos sind etwas völlig anderes. Hier disponiert sich die Flotte selbst, die Autos gehören keinem mehr und können durch eine öffentliche Orchestrierung eine hohe Transporteffizienz erreichen. Das senkt deutlich die Zahl der notwendigen Fahrzeuge.

Überraschenderweise hat die CSU-Umweltexpertin Anja Weisgerber ein Ende der Kerosinsteuer-Befreiung gefordert. Und ihr Parteikollege, Verkehrsminister Scheuer, spricht sich auf einmal dafür aus, die Mehrwertsteuer für Bahntickets zu senken. Wird die Union jetzt plötzlich grün?

Nichts ist so attraktiv wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Victor Hugo hatte Recht. Gegen die Logik der Vernunft kann auf Dauer auch die CSU nicht an.

Jetzt müsste sich der Minister nur noch um die Einführung eines flächendeckenden Tempolimits kümmern. Das Problem: Der Minister lässt seine Ideen häufig über das Boulevardblatt Bild dem Volk überbringen – und tut anschließend nix. Aber ein Anfang ist ja jetzt gemacht.

Und was war Ihre Überraschung der Woche?

Es wird offenkundig zur Mode, dass pensionierte männliche Professoren ihre vermeintliche Bedeutungslosigkeit durch steile Thesen kompensieren wollen. Der Lungenarzt Köhler und der Wirtschaftswissenschaftler Sinn scheinen solche Exemplare zu sein.

Sinn stellt mal kurz alle bisherigen Ökobilanzen über Elektrofahrzeuge infrage und wird dann auch noch weidlich zitiert. Totalversagen der wissenschaftlichen Qualitätssicherung beim Ifo-Institut in München!

Fragen: Verena Kern

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