Costa Rica will fossile Brennstoffe komplett verbannen

Seine Stromversorgung deckt Costa Rica bereits fast zu 100 Prozent erneuerbar. 2021 will das Land auch im Verkehrssektor keine fossilen Brennstoffe mehr dulden – und wäre damit der erste vollständig dekarbonisierte Staat der Welt.


Hier ist eine mehrspurige Straße nach San Jose, der Hauptstadt Costa Ricas, zu sehen
Straße in die Hauptstadt San José: Auch der Verkehr in Costa Rica soll 2021 komplett ohne fossile Brennstoffe auskommen. Die Stromversorgung des Landes ist schon zu fast 100 Prozent erneuerbar. (Foto: André Ribeiro/​Flickr)

Costa Rica will der erste vollständig dekarbonisierte Staat der Welt werden. Das kündigte Carlos Alvarado, der neue Präsident des kleinen mittelamerikanischen Landes, bei seiner Amtseinführung in dieser Woche an. Erreicht werden soll das Ziel 2021, wenn Costa Rica den 200. Jahrestag seiner Unabhängigkeit von Spanien feiert.

Mit dem Versprechen, in den kommenden drei Jahren fossile Brennstoffe komplett zu ersetzen, war Alvarado schon im Wahlkampf angetreten. Die Wahlen Anfang April entschied der 38-jährige ehemalige Journalist mit 61 Prozent Zustimmung für sich. 

Bei den Feierlichkeiten zu seiner Amtseinführung sparte der Politiker der linken Mitte weder an Symbolik noch an Pathos. Zu der Feier ließ er sich mit einem Bus bringen, der mit Wasserstoff angetrieben wird. Die geplante Dekarbonisierung nannte er eine "titanenhafte und wunderschöne Aufgabe".

Bereits heute versorgt sich Costa Rica zu fast 100 Prozent mit Ökostrom. Die erneuerbar erzeugte Elektrizität stammt größtenteils aus Wasserkraft. Auch Erdwärme-Anlagen liefern Strom. Hingegen ist der Anteil von Wind-, Solar- und Bioenergie an der Stromproduktion eher gering.

Schon Anfang 2015 konnte das Land seinen Strombedarf erstmals vollständig erneuerbar decken. Nach ergiebigen Regenfällen waren die Stauseen gut gefüllt. Nicht weniger als 75 Tage verzichtete das Fünf-Millionen-Einwohner-Land auf fossile Energieträger und stellte damit einen weltweit einzigartigen Rekord auf.

Nun soll ein weiterer Rekord folgen, nämlich auch den Verkehrssektor vollständig auf Erneuerbare umzustellen. Das ist jedoch eine ungleich schwierigere Aufgabe. Die Autoflotte des Landes ist in den vergangenen Jahren drastisch angewachsen, so schnell wie in kaum einem anderen Land Lateinamerikas. Nach Regierungsangaben stammen mittlerweile die meisten Treibhausgas-Emissionen Costa Ricas aus dem Straßenverkehr.

Klimaneutral werden will Costa Rica schon seit 2009

Das Ziel der vollständigen Dekarbonisierung ist indes nicht neu. Schon 2009 hatte Costa Rica angekündigt, bis 2021 ganz auf erneuerbare Energien umzusteigen und klimaneutral werden zu wollen.

Costa Rica ist ein Ausnahmeland. Schon seit 1948 hat der kleine Staat in Zentralamerika keine Armee mehr. Stattdessen wurde das Geld in Bildungs- und Gesundheitsprogramme gesteckt. Auch beim Umweltschutz ist Costa Rica vorbildlich. Ein gutes Viertel der Landesfläche steht unter Naturschutz.

Für dieses Ziel ergriff das Land zahlreiche Maßnahmen. So beschloss die Regierung vor drei Jahren, dass die costaricanischen Energiedienstleister ihren Kunden künftig dezentral erzeugten Strom anbieten müssen.

Mit welchen Maßnahmen nun auch der Verkehrssektor des Landes ergrünen soll, ist noch nicht klar.

Nachtrag: Ende Februar 2019 hat Präsident Alvarado seine Ankündigungen in einem Nationalen Dekarbonisierungsplan konkretisiert. Als Zielmarke für die vollständige Klimaneutralität Costa Ricas ist dort nicht mehr von dem Jahr 2021 die Rede, sondern von 2050.

Das bedeute nicht, dass Maßnahmen aufgeschoben werden sollen, versichert das Präsidialamt. Man habe nichts dagegen, wenn es schneller geht, heißt es von Regierungsvertretern auf Nachfrage von Klimareporter°.

Tatsächlich ist der Plan – auch mit einem Zieljahr 2050 – durchaus ambitioniert. Er formuliert zehn strategische Themenbereiche und legt für sie jeweils konkrete Zwischenziele fest. So soll etwa die Waldfläche Costa Ricas bis 2030 von derzeit 52 auf 60 Prozent erhöht werden.

Bis 2022 soll ein Plan vorliegen, wie Methanemissionen aus organischen Abfällen reduziert werden können und dieser soll bis 2050 im ganzen Land umgesetzt sein.

Ab 2030 sollen alle neuen Gebäude energieeffizient geplant und gebaut werden, zwanzig Jahre später gilt dieser Standard auch für die schon bestehenden Gebäude.

Bis 2030 will sich das Fünf-Millionen-Einwohner-Land komplett mit Ökostrom versorgen.

Gleich drei Ziele – und zwar die ersten drei – beschäftigen sich mit Verkehr und Mobilität. Wichtigster Hebel soll der Ausbau der Elektromobilität sein. Schon 2035 soll ein Viertel der Fahrzeugflotte elektrisch betrieben werden, bei Bussen und Taxis werden sogar 70 Prozent angestrebt. Im Großraum San Jose ist zudem der Bau neuer, elektrifizierter Bahnstrecken geplant.

Vorgesehen ist zudem eine grüne Steuerreform, mehr Umweltbildung und das Vorantreiben der Digitalisierung, um gleichzeitig die Wirtschaft zu modernisieren und neue grüne Arbeitsplätze zu schaffen.

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