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Es gibt viele Ideen zur Lösung der Verkehrsprobleme – Umweltverbund, Verkehrsvermeidung, E-Mobilität, geteilte Fahrzeuge. Fast immer heißt das: Gewohnheiten müssen sich ändern. In einer Serie stellt Klimareporter° verschiedene Ansätze zur Lösung der Klimakrise vor und beleuchtet Vor- und Nachteile. Teil 3: Verkehrswende.


Einige Stadträder stehen an einen Poller gelehnt vor einer hölzernen Haustür.
Fahrräder sind ein passendes Verkehrsmittel für Städte. (Foto: Martin Vorel/​Libreshot)

"Tempolimit, nein danke!" Unter diesem Motto sammelt die CSU seit Monaten Unterschriften gegen ein generelles Tempolimit auf Autobahnen.

Abgesehen davon, dass eine Geschwindigkeitsbegrenzung nur eine von vielen Maßnahmen sein kann, den Verkehr klimafreundlicher zu machen, zeigt die hochemotionale Debatte, warum Klimaschutz in diesem Bereich so schwierig ist: Um den Verkehr klimaschonender zu machen, müssen fast alle ihre Gewohnheiten ändern. Und das ruft Widerstände hervor.

Zudem gibt es – anders als bei der Umstellung auf erneuerbare Energien beim Strom – nicht die eine offensichtliche Lösung.

Doch Klimaschutz im Verkehr ist überfällig: Zwischen 1970 und 2015 hat sich der Treibhausgasausstoß weltweit in diesem Sektor mehr als verdoppelt. Mehr als 80 Prozent dieser Zunahme verursachte der Straßenverkehr. Inzwischen gibt es mehr als eine Milliarde Autos auf der Erde.

Wenn sich nicht grundlegend etwas ändert, könnte der Verkehrsbereich Klimaschutz-Bemühungen in anderen Sektoren – etwa bei den Kraftwerken oder in der Industrie – zunichtemachen.

Der OECD-Thinktank "International Transport Forum" geht davon aus, dass sich der Personenverkehr global bis zum Jahr 2050 verdreifachen wird, genauso wie der Frachtverkehr. Selbst mit derzeitigen und erwarteten Klimaschutz-Maßnahmen prognostiziert die Denkfabrik in einer Studie einen Anstieg der CO2-Emissionen im Verkehr um 60 Prozent.

Weniger Autos, nicht nur andere

In Deutschland dreht sich die Diskussion um die Verkehrswende heute vor allem darum, was den Verbrennungsmotor der Autos ersetzen soll. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) empfiehlt in einer Studie, Otto- und Dieselmotoren wo immer möglich durch Elektroantriebe zu ersetzen. Denn unter anderem haben Elektromotoren einen relativ hohen Wirkungsgrad.

Das ist die Lösung! Oder?

Die Welt weiß, wie man die CO2-Emissionen senken kann – sie muss es nur tun. Wir stellen in einer Serie verschiedene Lösungsansätze mit ihren Vor- und Nachteilen vor.

 

Klimareporter° beteiligt sich damit wie hunderte andere Zeitungen und (Online-)​Magazine weltweit an der Initiative "Covering Climate Now". Anlässlich des 50. Jubiläums des "Earth Day" am 22. April berichten die Kooperationsmedien eine Woche lang verstärkt über Lösungen für die Klimakrise.

Synthetische Kraftstoffe, die mit erneuerbaren Energien hergestellt werden, oder Biokraftstoffe sollen nur dort verendet werden, wo eine Elektrifizierung nicht möglich ist, zum Beispiel im Luft- und Seeverkehr. Außerdem müssten alle Fahrzeuge effizienter werden.

Allerdings reicht es nicht, einfach alle Autos, die heute auf der Straße sind, durch Elektroautos zu ersetzen. Verkehrswissenschaftler sind sich einig, dass es weniger Fahrzeuge geben muss.

Eine Hoffnung für den Verkehr in den Städten liegt im Carsharing. Aber nicht nur Autos können geteilt werden, auch Fahrräder, Roller und Tretroller, wie verschiedene Leihsysteme zeigen.

Außerdem müssen natürlich der öffentliche Nahverkehr sowie Radwege und Fußwege ausgebaut werden.

Der Klimanutzen des autonomen Fahrens, an dem Auto- und Digitalkonzerne arbeiten, ist hingegen umstritten – selbstfahrende Autos könnten auch zu mehr Verkehr führen.

Kürzere Wege

Aber selbst wenn es weniger Autos gibt und die Menschen zu Bus und Bahn oder aufs Fahrrad wechseln – um die Klimaschutzziele zu schaffen, reicht das nicht. Nach Ansicht von Wissenschaftlern müssen auch die zurückgelegten Strecken kürzer werden.

Das Umweltbundesamt hat die "Stadt der kurzen Wege" in einer Studie beschrieben. Hier soll eine Person im Schnitt nur noch 28 Kilometer pro Tag zurücklegen – das ist etwa ein Viertel weniger als heute.

Möglich werden soll das durch Nachverdichtung, also Bebauung von Brachflächen und Baulücken. Öffentlicher Verkehr und Radschnellwege sollen die Zentren des Umlands mit den Städten verbinden.

Für die Verkehrswende auf dem Land schlagen Experten ein Schnellbus-System vor, das die Städte verbindet, Zubringerbusse sollen Dörfer anbinden. Entlastung kann auch das private Carsharing bringen, wie es derzeit in Projekten wie "Carla" im thüringischen Wartburgkreis getestet wird. Auch der Ausbau von Radwegen an den häufig gefährlichen Landstraßen wird empfohlen.

Die Herausforderungen der Verkehrswende sind groß, doch der Umbau hilft nicht nur dem Klima, er bringt auch mehr Lebensqualität. Fahrradfahren ist gesund, Bahnfahren oft entspannter – und mit weniger Autos bleibt in den Städten mehr Platz für Menschen, während die Schadstoff- und Lärmbelastung sinkt.

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