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Noch mehr Methan

Aus den Nord-Stream-Lecks wird das gesamte Erdgas ausströmen, das in den Pipelines war. Es enthält vor allem das starke Treibhausgas Methan. Der Klimaschaden entspricht laut offiziellen Schätzungen einem Prozent der deutschen Jahresemissionen.


Graue Erdgasleitung mit der Aufschrift
Drei der vier Gasleitungen sind nun Schrott und emittieren große Mengen Methan. (Foto: Oksana Wojewtschik/​Shutterstock)

An den Nord-Stream-Pipelines ist ein viertes Leck festgestellt worden. Für die Klima- und Umweltbelastung, die durch den Sabotageakt ausgelöst wurde, macht das keinen großen Unterschied. Die Fachwelt geht davon aus, dass das in den betroffenen drei Röhren ursprünglich vorhandene Gas in jedem Fall komplett austritt.

Erdgas besteht vor allem aus Methan, einem starken Treibhausgas. Das Umweltbundesamt schätzt, dass durch die Lecks etwa ein Prozent der jährlichen deutschen Treibhausgasemissionen zusätzlich in die Atmosphäre gelangt.

Die beiden Nord-Stream-Pipelines verlaufen quer durch die Ostsee, von Anschlussstellen im russischen Oblast Leningrad bis nach Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern, das sind rund 1.250 Kilometer. Sie bestehen aus jeweils zwei Stahlröhren, die einen Innendurchmesser von 1,10 Metern haben und mit einem Betonmantel geschützt sind.

Drei der vier Stränge waren laut Umweltbundesamt bis zu den Explosionen, die die Lecks verursachte, mit Erdgas gefüllt, obwohl Nord Stream 2 nach Fertigstellung nicht in Betrieb genommen wurde. Der Gasdruck beträgt beim Einspeisen rund 220 bar, er sinkt im Verlauf der Strecke, beträgt am Ende aber immer noch über 100 bar.

Es ist unmöglich, den Gasaustritt zu stoppen, weil die Pipelines auf der Untersee-Strecke nirgends mit Absperrventilen ausgerüstet sind. Luftbilder der dänischen Marine zeigen drei Flächen mit einem Radius von bis zu einem Kilometer, in denen Gasblasen aufsteigen. Die Wassertiefe an den Stellen, wo die Lecks zwischen der dänischen Insel Bornholm und der schwedischen Küste festgestellt wurden, beträgt bis zu rund 90 Metern.

Schäden für Ökosystem Ostsee überschaubar

Laut der Umweltamts-Schätzung werden insgesamt rund 300.000 Tonnen Methan austreten. Das entspricht den Jahresemissionen aus dem Erdgasleck, das im Jahr 1990 in der Nordsee entstanden ist.

Da Methan auf 100 Jahre gerechnet rund 25-mal klimaschädlicher als CO2 ist, wird der Klimaeffekt der Lecks mit etwa 7,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent kalkuliert. Das wiederum entspricht knapp einem Prozent der deutschen Jahresmissionen, die 2021 rund 762 Millionen Tonnen betrugen.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kommt in eigenen Abschätzungen auf höhere Werte. Laut der Umweltorganisation könnten durch die Lecks 28,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent frei werden. Dänemarks Regierung geht davon aus, dass etwa eine Woche lang Gas entweichen könnte.

Unklar ist, wie viel von dem ausgeströmten Gas tatsächlich klimawirksam wird. Ein Teil des Methans löst sich auf dem Weg vom Meeresboden nach oben im Wasser und wird nach und nach von Mikroorganismen zersetzt, wie frühere Erfahrungen mit einem kleineren Erdgasleck an einem Bohrloch in der Nordsee gezeigt haben.

Gemessen an den globalen Methan-Emissionen fallen die zusätzlichen Mengen aus Nord Stream 1 und 2 nicht sehr ins Gewicht. Die Internationale Energieagentur beziffert die insgesamt vom Menschen verursachte Menge auf jährlich 570 Millionen Tonnen. Hauptquellen hierbei sind Lecks in Erdgasanlagen, Kohlegruben, Mülldeponien, der Reisanbau und die Rinderzucht.

Da die Methanmengen in den letzten Jahren stark angestiegen sind, haben Ende 2021 rund 100 Staaten den auf dem UN-Klimagipfel in Glasgow lancierten Vertrag "Global Methane Pledge" unterschrieben, der eine Senkung dieser Emissionen bis 2030 um 30 Prozent vorsieht.

Auch für das Ökosystem Ostsee dürften die Schäden nur kurzfristig und überschaubar ein, so die gleichlautende Einschätzung von Bundesumweltministerium und Umweltverbänden. Reines Methan ist im Wasser zumindest nicht giftig. In der direkten Umgebung der Lecks bestehe für Tiere, die nicht fliehen könnten, allerdings die Gefahr des Erstickens, hieß es beim BUND. 

Lesen Sie dazu unseren Kommentar: Das Methan-Signal

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