Infraschall: Auto versus Windrad

Eine dreieinhalbstündige Autofahrt beschert den Insassen genauso viel Infraschall-Energie wie 27 Jahre Aufenthalt in 300 Metern Abstand zu einem Windrad. Windkraftgegner können aber weiter auf die Forschung hoffen.


Sich drehendes Windrad
Windräder, aber auch Waschmaschinen oder Kraftwagen erzeugen nicht hörbaren Infraschall. (Foto: Herbert Aust/​Pixabay)

Infraschall – ein heikles Thema. Er ist eines der Hauptargumente von Windkraftgegnern, neben der Sorge um die "Verspargelung" der Landschaft und der Entwertung ihrer Grundstücke.

Neue Studien kommen zu dem Ergebnis: Zumindest diese Sorge ist eher unbegründet – und wer Infraschall vermeiden will, müsste künftig aufs Autofahren verzichten.

Für das menschliche Ohr ist Infraschall normalerweise nicht zu hören, seine Frequenzen liegen unterhalb von 20 Hertz. Erzeugt wird Infraschall nicht nur von Windrädern, sondern auch von Meeresrauschen, starkem Wind, Gewittern sowie zahlreichen technischen Anlagen und Maschinen.

Betroffene beschreiben ein Pulsieren oder ein Druckgefühl auf dem Trommelfell oder auf der Brust, manche spüren Vibrationen, Erschütterungen oder ein Unsicherheitsgefühl.

Forscher von vier deutschen Universitäten sowie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) geben nun zumindest für Windkraftanlagen weitgehend Entwarnung. Sie untersuchten an zwei Standorten, inwiefern sich die nicht akustisch wahrnehmbaren akustischen und seismischen Wellen, die von der Rotation der Windräder ausgehen, auf Anwohner und deren Gesundheit auswirken.

Die Schwingungen lägen um ein Vielfaches unterhalb der menschlichen Wahrnehmungsschwelle, so das Ergebnis. Daher sei es unwahrscheinlich, dass sie Stress oder sonstiges Unwohlsein hervorrufen könnten.

UBA plant Langzeitstudie

Ein Experte der Universität Bayreuth wiederum hat aktuell den Infraschall im Innenraum von fahrenden Pkw ausgewertet, der vor allem im Zusammenspiel von Motor, Turbo und Auspuffanlage erzeugt wird und in einem ähnlichen Bereich wie der von Windrädern liegt.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Während einer dreieinhalbstündigen Autofahrt sind Autofahrer danach genauso viel Infraschallenergie ausgesetzt wie bei 10.000 Tagen Aufenthalt in 300 Metern Abstand zu einem Windrad. Das sind über 27 Jahre.

Interessanterweise hat sich gerade auch das Umweltbundesamt (UBA) des Themas angenommen. Ergebnis hier: Infraschall bei oder unter der Wahrnehmungsschwelle führte in einer Experimentalstudie zu keinen unmittelbaren körperlichen Reaktionen, was etwa Blutdruck, Herzfrequenz oder Gleichgewichtswahrnehmung angeht.

Das UBA schließt Langzeitfolgen trotzdem nicht aus. Die will das Amt nun untersuchen. Windkraftgegner werden froh sein, dass ihr Argument damit nicht ganz weggefegt ist.

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